Wir müssen reden. – Laterpost

Edit 15.10.2022 Dieser Text liegt seit Jahren in meinem Entwurfordner. Gerade fand ich ihn wieder, als ich zum Thema „terfs“ meine Suche nach Gründen für ihre Existenz zu Papier bringen wollte. So viel ist seitdem passiert. Hass. Mehr Kriege, mehr Zerstörung, mehr Hoffnungslosigkeit. Malte. Tote und Verletzte bei CSDs weltweit. Den neuen Post werde ich sicher auch noch schreiben, aber zuerst kommt dieser sehr persönliche zum Debakel des LFT 2020 (?), Göttin, ich habe die Zeit verloren.

Mein erstes LFT besuchte ich gemeinsam mit einem Haufen Kommilitoninnen in Hamburg. 1996 war das, glaub ich. Eine befreundete lesbische Busfahrerin hatte einen Bus gechartert, das Autonome Frauenlesbenreferat unterstützte die Fahrt finanziell und ratzfatz waren die 45 Sitze voll mit gut gelaunten Lesben. Ich erinnere mich nur noch bruchstückhaft an das Treffen, ein paar Fotos habe ich aber noch irgendwo. Ich schlief in einer Turnhalle umgeben von anderen Lesben, die von Husten bis Sex in diesen Nächten so ziemlich alles taten, was Mensch sich vorstellen kann. Bei den Abendveranstaltungen hing ich fummelnd mit einer Bekannten vor der Tür ab. Ich traf eine alte Mitschülerin meines Bruders aus unserem Gymnasium wieder. Und beim Abschlussplenum gaben die Krüppellesben dem Orgateam einen Einlauf wegen der nur bedingten Zugänglichkeit. Die Heftigkeit, mit der diskutiert wurde, war mir neu, schreckte mich fast ein wenig. Es wurde geschrien, es flossen Tränen. Es wurde gekämpft.

Über die nächsten Jahre wurde mir diese Kultur des LFTs fast zur zweiten Haut, ich lebte auch jenseits von Pfingsten in einer beinahe komplett lesbischen Bubble. Eine Enklave, die mir – rückblickend sehr klar ersichtlich – das Überleben, das Erleben meiner Sexualität und die Entfaltung meiner erst später gelebten Transidentität überhaupt erst ermöglichte. Wenn ich es als Lesbe nicht so gut gehabt hätte, wäre die Geschlechtsinkongruenz eventuell früher deutlich stärker gewesen und hätte vielleicht auch früher zu einer Transition geführt. Wissen kann ich das aber natürlich nicht. Es spielt jetzt aber auch keine Rolle mehr. Mein Leben hat die Straßen und Wege genommen, die zu diesem Zeitpunkt richtig waren.

Leben verläuft nämlich, wie andere wichtige Prozesse, meist in Wellen. Es gibt Kämme und Täler, intensivere und weniger intensive Phasen. Mein lesbischer Lebensabschnitt umspannte zum Zeitpunkt meiner Transition mehr als die Hälfte meines bis dahin zurückgelegten Lebensweges. Ich hatte lesbischen Porn geschrieben und veröffentlicht, war auf zahllosen CSDs mitgelaufen, hatte demonstriert, drei Jahre lang als Frauenlesbenreferentin gearbeitet und fast 10 Jahre lang Lesben bei ihrem Coming Out und anderen Problemen beraten, als ich mich entschied, die Doppelaxt in einem Raum meines Hauses abzulegen, um mich in anderen Räumen und Etagen auf die Suche nach dem fehlenden Stück zu begeben. Denn etwas in mir war noch nicht komplett.

An dieser Stelle sage ich: MIR fehlte ein Stück. Das ist meine ganz persönliche Geschichte und für mich liegt die Doppelaxt liebevoll gebettet in einem meiner vielen Zimmer, das heute einfach nicht mehr ganz so groß ist, wie es einmal war. Nehmen wir nun zu den Kämmen und Tälern aus dem letzten Abschnitt noch Bewegung und Veränderung hinzu. Für jeden Menschen ist das Leben Veränderung, auch wenn wir das oft nicht wollen oder die Umstellung uns schwer fällt. Für manche ist das berufliche Umorientierung, eine Veränderung in den Familienumständen, das Finden der Spiritualität, der Rolle in deinen sozialen Bezügen. Das kennen wir alle, oder? Meine große „Veränderung“ betraf meine Geschlechtsidentität, weil ich sie eben nicht mehr verdrängen wollte. Das heißt nicht, dass dir das so geht oder jemals so gehen wird. Glaub mir, ich hätte mich gerne auch weniger auf der Suche befunden und ich bin froh für alle, die wissen, wer sie sind, wie sie sich fühlen, wen sie begehren. Yay für euch.

Ich bin keine bemitleidenswerte, „verstümmelte, vom Patriarchat überwältigte Lesbe“ die die „Amputation ihrer Brüste“ irgendwann bereuen wird und über Detransition reuig nach Hause in den Schoß des Lesbenclans finden wird. Ich folge keiner Ideologie, die mir einfach nur lange genug suggeriert hat, mit einem männlichen Äußeren wäre das Leben einfacher. Ich bin keine Frau in Männerkleidern, die einfach den Druck der heteronormativen Normgesellschaft nicht mehr standhalten konnte. Die Normgesellschaft kann mich mal. Und ich bin auch nicht transitioniert, um mehr Gewalt ausüben zu können. Ich bin einfach nur endlich ich selbst.

Und das macht dir Angst. Ich weiß nicht genau, warum, aber es macht dir Angst. Vielleicht, weil dir langsam dämmert, dass es in unserem Leben nur sehr wenig Sicheres gibt, und weil du dich deswegen verzweifelt an den Dingen festhältst, die dir unumstößlich sind, einfach sein müssen. Weil sonst alles zu Staub zerfällt. Vielleicht, weil du mal mit jemandem, der heute trans lebt, zusammen warst und dich fragst, was das aus deiner Gold-Star-Identität macht. Vielleicht, weil du in deiner Parteinahme für Frauen schlicht nicht wahrhaben möchtest, dass Transfrauen (wenn auch Frauen anderer Sozialisation und Genese) in einem Partriarchat in genau demselben Boot sitzen, wie du als Cis-Frau – nur eben mit anderen Dingen zu kämpfen haben (vielleicht sogar eben mit ihrer Sozialisation) und vielleicht denkst du, sie nehmen dir etwas weg. Deswegen streichst du sie aus dem Katalog der Daseinsberechtigung, ziehst dich schmollend auf den Standpunkt „Geschlecht ist biologisch. Wer etwas anderes behauptet, lügt.“ zurück und verbreitest weiter die Mär von Männern, die nur transitionieren, um auf Frauentoiletten Cis-Frauen auflauern zu können. Dabei stellst du diese einfach etwas anderen Frauen direkt vor die Zielscheibe ultrarechter Gruppen, die laut aufjubeln, weil sie jetzt die „Femininistinnen“ auch auf ihrer Seite haben. Dass du damit an ihrer Anzahl gemessen die mit am meisten auf dieser Erde von Tötungs- und Gewaltdelikten betroffene Personengruppe Hass und weit Schlimmerem aussetzt, ist dir vielleicht am Ende sogar recht.

Mich schmerzt das so sehr. Gut, das ist dir vermutlich schnurz, aber es tut so weh, zu sehen, wie Gruppen, die ich so gut kenne und die einfach am selben Strang ziehen müssten, sich nicht zusammentun. Und auch wenn der vorangegangene Absatz wie eine Anklage klang (und es zugegeben auch ist), möchte ich hier für eben das plädieren. Hört einander zu, verdammt. Hört euch zu. Hört, wo ihr herkommt. Warum ihr so seid, wie ihr seid. Hört, wer euch angreift. Wer euch ausgrenzt. Wer euch Gewalt antut. Wie so oft, wenn sich Gruppen bis aufs Blut bekämpfen, ist es nämlich auch hier so, dass ihr euch verdammt ähnlich seid. Ihr seht es nur vor lauter Hass nicht. Stellt euch vor, was ihr mit all dieser Energie anfangen könntet, wenn ihr sie gegen diejenigen richtet, die er eigentlich treffen sollte: Das verfickte Patriarchat.

Wissenstransfair

Eine Transition ist ein Prozess, der nicht nur für die betroffene Person direkt alles in Aufruhr bringt. Auch das Umfeld ist von der Entscheidung, die die transitionierende Person trifft (und eigentlich ist völlig unerheblich, zu welchem Zweck oder mit welchem Ziel dieser Übergang geschieht), immer mit berührt.

Bei meiner Transition erwiesen sich retrospekt meine Mutter und mein Mobilfunkanbieter als die hartnäckigsten „Gegner“ meines Ansinnens, in Zukunft als Transmann mein Leben zu bestreiten. Ersteres hatte ich ganz klar erwartet, Letzteres hält bis heute für Anekdoten aus der Umstellungszeit her.

Ansonsten spielten sich die Veränderungen, die im Zuge meiner Angleichung in meinem Umfeld stattfanden, eher als stumme Trauerprozesse, Enttäuschungen und Verunsicherungen ab. Manche vermute ich bis heute, andere traten erst auf Nachfrage oder um drei Ecken zugetragen in Erscheinung. Und dann waren da die Menschen, die zwar das Neue wahrnahmen, aber bei denen eher früher als später unbeeindruckte Normalität einkehrte.

Zumindest dachte ich das.

Letztes Jahr dann saßen P und ich coronatauglich mit einem befreundeten Paar zusammen und sie erzählten, dass ein Teenagerkind von befreundeten Menschen, das psychische Probleme hatte und hat, nun transitionieren würde. Ich bekam diese Situation nur mit halbem Ohr mit und fragte nach, woraufhin ein Teil des Paares mir zurückmeldete: „Ach, der Sohn einer Freundin hat ein paar Probleme und bildet sich jetzt ein eine Frau zu sein.“

Einen Moment lang war ich sprachlos. Dann gab ich zurück, und hoffte, dass die Kälte in meiner Stimme ausreichend war, um die Polkappen wiederaufzuforsten: „Ach, du meinst so, wie ich auch ich mir einbilde, ein Mann zu sein?“, worauf ein zögerliches Halbnicken die Antwort war. Ein Halbnicken, dessen suprasegmentales Phonem (natürlich nicht wirklich eins, es wurde ja nix gesagt) sagte „Du weißt ja eigentlich schon, dass du gestört bist, ich sag es nur aus Höflichkeit nicht.“

Diesen Satz von jemandem zu hören, mit dem ich bereits ein gehöriges Maß an Zeit in meinem Leben verbracht hatte und den ich gemeinhin als Freund einordnen würde, traf mich wie ein Schlag in die Magengrube. Folglich begleitete er mich über Wochen. Er ätzte sich geradezu in mir fest. Und immer wieder stellte ich mir die Frage, warum sagt diese Person so etwas? Kennt sie mich so wenig? Mache ich den Eindruck, als hätte ich psychische Probleme? War die Ungerechtigkeit und Unrichtigkeit der Pathologisierung von Transmenschen im Rahmen meiner Transition nicht auch für diesen Menschen wahrnehmbar geworden?
Alles eigentlich obsolet, weil ich mich weder im Stande sah, nachzufragen, noch mit der Person ins Gericht zu gehen. Am Ende einigte ich mich mit mir selbst darauf, dass ich mitnichten weiß, was andere Menschen hinter der vorgehaltenen Hand des Vorderhirns über mich denken und auch sagen.

Ein Freund, mit dem ich über das Erlebte schließlich zu reden im Stande war, sagte: „Wenigstens hat die Person es dir gesagt.“ Das möge für Vertrauen sprechen. Mag sein, doch es löste für mich nicht den Knoten in meinem Bauch. In welcher Position wähnt sich jemand, der so einen unglaublich wertenden und verletzenden Satz zu einem Menschen sagt bzw. schweigt, mit dem er tendenziell befreundet ist? In der einer unbeteiligten und wenig einfühlsamen Mehrheit, dachte ich für längere Zeit.

Bis heute frage ich mich immer wieder, was den Schmerz über diesen Satz, über diese Situation eigentlich so groß gemacht hat. Und dann hörte ich „Renegades“, einen Podcast, in dem Bruce Springsteen, of all people, sich mit Barack Obama über Rassengerechtigkeit unterhielt. Sehr zu empfehlen, übrigens. Naja, ich fuhr also mit dem Auto und hörte, was sie erzählten, bis sie zu einer Stelle ihrer Erörterungen kamen, die, so sehr sie vom Thema Rasse geprägt war, doch universell anwendbare Muster transportierte.

Und eine dieser Ideen bzw. Abläufe, die von Barack Obama formuliert wurde, möchte ich an dieser Stelle grob übersetzt wiedergeben. Er sagte, wenn ein Klansmann vor dir steht, bist du gewappnet. Du bist auf das Schlimmste gefasst, hast alle Abwehrschilde auf voller Kraft. Doch wenn es von jemandem kommt, der in unseren Augen eigentlich ein guter Mensch ist, schneidet das Messer tief. Bis auf die Knochen. Warum? Weil wir nicht erwartet haben, dass sie diese Karte ausspielen. Weil wir nicht darauf vorbereitet waren. Und weil wir davon ausgehen müssen, dass es wieder passiert.

Nun ist mir die in dieser Geschichte zentrale Person bislang weder als Mensch bekannt gewesen, der besonders gekonnt über den persönlichen Tellerrand schauen würde, noch als jemand, der sehr sich einfühlsam seinen durchaus kindlichen Verhaltensweisen zu stellen imstande wäre. Das alles war mir klar und trotzdem dachte ich, einen guten Kern ausgemacht zu haben, der fortgesetzten Kontakt rechtfertigte. Diese Entscheidung stelle ich jetzt seit über einem halben Jahr immer wieder infrage.

Alles im Kontakt geht weiter seiner Dinge, aber ich hinterfrage seitdem trotzdem immer wieder, ob es sich bei unserem Miteinander wirklich um eine Freundschaft handelt, um eine „Wir kennen da zwei Freaks“-Sammlerleidenschaft oder ein „Ich bin besser, auch wenn ich es armselig auf die mir scheinbar minderwertige Identität meines Gegenübers reduzieren muss“.

Ja, es ist mir lieber, wenn ich so etwas erfahre und es nicht hinter meinem Rücken geschieht (was wohl auch der Fall ist, aber das habe ich nur um drei Ecken gehört und ist somit nicht spruchreif). Trotzdem analysiere ich weiter.

Und an dieser Stelle blieb ich mit diesem Post stecken. Seit etwa 4 Monaten schon liegt er in einem Tab meines Browsers ab. Zeit ging ins Land, wieder einmal Corona-Existenzangst, Veränderungen bei der Arbeit, P.s Impfung, wieder einmal kranke Tiere. Immer wieder öffnete ich den Entwurf und fragte mich, wo ich mit diesem Text eigentlich hinwollte, also über die reine Erzählung einer Kränkung hinaus, meine ich.

Und dann, deus ex machina, hörte ich heute den Soziopod Nr. 17 von Dr. Nils Köbel und Patrick Breitenbach. Ja, ich fahre Fahrrad und nutze die Zeit für akustisch transportierte Bildung. Ja, mit Kopfhörern auf dem Fahrrad, so sue me. In Nr. 17 geht es um Beschneidung, aber das ist hier nicht das Thema. Denn ein wichtiger Teil der Diskussion der beiden Herren befasst sich sehr wohl mit etwas, was den Knoten in meinem Freundschaftsdilemma zwar nicht löste, mir aber hinsichtlich unbewusst ablaufender Prozesse mehr als ein Auge öffnete. Es ging um Diskussionen über erhitzte Themen und insbesondere darum, dass sie fast immer auf einer persönlichen und auf einer Sachebene geführt werden. Und einer der beiden Soziopoden postulierte hierzu, dass eine Diskussion, die auf der persönlichen Ebene und auf dieser beleidigend geführt wird (und das, was die Person zu Beginn dieses Posts sagte, kränkte mich sehr wohl), niemals auf einen Austausch auf Sachebene vordringen wird und dies obendrein vielleicht auch gar nicht will. (Falls jemand hier den Podcast nachhört und hier einen Fehler in meiner Zusammenfassung entdeckt, nur her damit.) Kränkung als Mittel der Verdrängung? Könnte es tatsächlich sein, dass die Kränkung in meinem Fall dem (vermutlich sehr unbewussten) Zweck diente, eine Diskussion mit einer betroffenen Person, die offensichtlich Insiderwissen teilen könnte, zu verhindern und so einer möglichen Änderung der eigenen Ansichten zum Thema „Transleute sind eigentlich krank“ aus dem Weg zu gehen?

Dieser Mechanismus, so stellt sich bei näherem Hinsehen heraus, ist mir durchaus auch in anderen Situationen kein Fremder, denn sehr oft erlebe ich mich in Diskussionen zu hitzigen Themen sprachlos. Nicht, weil ich nichts beizusteuern hätte, sondern weil die persönlich geführte Diskussion eines Themas und meine emotionale Reaktion darauf mich daran hindern, mich auf der Sachebene zu messen und Argumente im Dissenz auszutauschen. Was vielleicht auch genau das ist, was das Gegenüber diesbezüglich erreichen möchte.

Entsprechend habe ich mir vorgenommen, solche Momente in Zukunft nicht mehr ungenutzt verstreichen zu lassen. Denn unsere kleine Fettblase von heiler Welt, auf der wir noch so ein bisschen unsere Bäuche in die Sonne halten, wird stet kleiner und wenn wir nicht schleunigst lernen, uns über unsere gesellschaftlichen Vorurteile zu unterhalten, werden wir uns spätestens Ende September schmerzlich mit den Folgen auseinandersetzen müssen.

PS: Seit ich diesen Text beendet habe, stellt sich bei mir eine seltsame Ruhe ein. Es ist, als hätte die Erkenntnis der (zugegeben immer noch) vermuteten Gründe für das Verhalten jener Person mir die Möglichkeit eröffnet, das Ereignis endlich ziehen zu lassen. Das macht mich froh, ändert jedoch nichts daran, dass ich in Zukunft anders mit solchen Situationen umgehen werde.

Wortfeld 2020 word field

Endzeit – Hoffnung – Los – Sehnsucht – Berührung – Einsicht – Ufer, neue – Ufer, alte – Verschiebung – Zoom – Tauben – Lebensunlust – Wankelmut – Tierarzt – Zähne, viele – Anfälle – Abfälle – Ballast – Arznei, richtig – Kettlebell – Blickwinkel – Frontgepäckträger – Hausarrest – Vermissen – Monotonie – Saaten – Habanero – Herpes – Aua – Quecksilber – Freunde, verloren – Freunde, neugelernt – Schwimmsehnsucht – Regen – Klopapier – Pfunde – Kochen – Hausmann – Tätowierungen – Entfernung – Spazierengehen – Tee – drivetrain – derailer – Let’s get physical – Krone ohne Schöpfung – Arbeit – Shinai – Scrollen – Leber – Hunger – Leben – Tannenzäpfle – Wasser – Pestowürstchen – natürlich – Suppe – Einschränkung – Idee – Festhalten – Splitter – Fuß – Emet – Wahrheit- Pferd – Petra – Sabine – Mukbang – digital – Selfiering – Berlin – Brammibals – Hannover – Jakob – Kamil – Kamil – Moni – Monika – Puschl – Verena – Judith – Angelika – Che – Natalia – Einsicht – Denise – Ela – Damian – Stephanie – Stefanie – Stefanie – Susanne – Kai – Betty – Gesa- Stephanie – Marc – Hansi – Heike – Kerstin – Noah – Henny – Marcus – Ingrid – Hans-Erhard – Karsten – Christine – Hans – Dodo – Tuns 22 – ecch – ESC lockdown edition – Augen – Kamera – Depression – Fassungslosigkeit – Durchfall – Fehlen – Fehler – Vermissen – Spritze – Gelassenheit – Meise – Rotkohl – Hausmann – Ungeduld – Mittelmeer – Tod – Vielfalt – Tumult – Ärger – Belästigung – Nerven – Vorhang – Seilspanner – ebay – Gleitsichtbrille – Gleitzeit – Zeitgleit – 80s – heute, morgen, übermorgen – goodbye 45, hello 49 – Preis für lesbische Sichtbarkeit – queer gebetet – Zuhause – zu Hause – Supervision – Lernen – Unruhe – Weg – Zeitenende


Doomsday – hope – lot – yearning – touch – insight – shores, new – shores, old – shift – zoom – pigeons – un-joie de vivre – fickleness – vet – teeth, lots – episodes – waste – ballast – remedy, right – kettlebell – point of view – front rack – grounded – missing – monotony – seeds – habanero – herpes – outch – mercury – friends, lost – friends, newly learned – desire to swim – rain – tp – pounds, extra – cooking – house man – tattoos – removal – distance – taking a walk – tea – drivetrain – derailer – let’s get physical – pinnacle of creation – work – shinai, scrolling – liver – appetite – life – Tannenzäpfle – water – pesto sausages – natürlich – soup – restriction – idea – holding on – shard – foot – emet – truth – horse – petra – sabine – mukbang – digital – selfie light – berlin – Brammibals – hannover – jakob – kamil – kamil – moni – monika – puschl – verena – judith – angelika – che – momo – natalia – insight – denise – ela – damian – stephanie – stefanie – stefanie – earl – susanne – kai – betty – gesa – stephanie – marc – hansi – heike – kerstin – noah – henny – marcus – ingrid – hans-erhard – karsten – christine – hans – dodo – 22 – ecch – ESC lockdown edition – eyes – camera – depression – disbelief – diarrhea – missing – injections – serenity – tit – red cabbage – inpatience – mediterranean – death – diversity – turmoil – anger – harrassment – nerves – curtain – rope tensioner – ebay – varifocals – flexitime – time-slipping – 80s – heute, morgen, übermorgen – goodbye 45, hello 49 – award for lesbian visibility – pray queer – home – at home – supervision – learning – restlessness – road – end of timeS

Die Spinnweben hinter der Tür // Those spider webs behind the door

Aus meiner Hosentasche klingt eine folkige Coverversion von Roxette’s „It must have been love“. Ich seufze und hebe mit dem zusammengeknüllten Wischer die Katzenhaar-, Kümmel- und Staubausbeute auf, um sie in die Spüle zu schütteln, bevor ich mit Ps Zimmer (das eigentlich Ferries Zimmer ist) weitermache. Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich dieses Lied hörte. Es war, als ich Pretty Woman in Berlin im Kino sah, als wir in der 12. Klasse unsere Studienreise mit dem Englisch Leistungskurs dorthin und nicht nach London machten. Die Fahrt, während der ich zum ersten Mal Guiness trank und feststellte, dass ich es nicht mag.

Draußen fallen die ersten und vermutlich auch letzten Schneeflocken des Jahres. Nass sind sie. Träge. Passend irgendwie. In der Luft sehen sie putzig aus, bevor sie sich – auf der Straße angekommen – augenblicklich in Wasser zurückverwandeln. Nach dem Wischen werde ich Kartoffeln kochen. Den letzten Müll raustragen und noch ein paar Glasflaschen zum Container bringen, die mir bei meiner Runde heute früh entwischt sind.

Der Tag nahm eine etwas andere Wendung, als ich beschloss, mein Fahrrad zusammen mit seinem neuen Frontradträger auch mit einem neuen Schlauch vorne zu versehen. Das war der erste Komplettwechsel in 49 Jahren, den ich selbst bewerkstelligte. Natürlich klappte nicht alles und das Rad hatte danach ein gewaltiges Ei. Ich machte mich mit dem Speichenspanner ans Werk. Auch zum ersten Mal. Das machte die Sache nicht gerade besser. Also baute ich die ganze Geschichte wieder aus und holte den Mantel ein zweites Mal von der Felge, um herauszufinden, woran es lag. Ich konnte den Grund beim besten Willen nicht ausmachen. Danach sah das Ganze aber schon besser aus. Die Speichen, die ich in der zweiten Runde mit etwas mehr Systematik überprüfte und nachzog als im ersten panischen Durchgang, besserten den Gesamtzustand soweit, dass ich mich im neuen Jahr in die Werkstatt trauen werde, um nachzufragen. Das alles dauerte satte zwei Stunden. Und das, nachdem ich von fünf in der Frühe bis halb neun schon etwas gearbeitet hatte. Wenn Arbeit da ist, arbeitest du.

Während ich mein Arbeitszimmer wische, gibt mir ein Geräusch das Eintreffen einer Nachricht bekannt. Die Nachbarin, die gestern die schöne Idee hatte, im Hof mit großer Distanz jeweils einzeln ein Getränk einzunehmen und uns ein paar frohe, hausinterne Wünsche über die vertrocknete Hecke seitlich der Hofzufahrt zuzurufen, stoppt den Distanzumtrunk. Ihr Mann hat Bedenken, weil wir für alle sichtbar wären und man dank der neuen Blockwartmentalität nie sicher sein kann, welches Nachspiel das hat. Verständlich.

Im Badezimmer fällt mein Blick kurz auf die abgestorbene Habaneropflanze, die ich Anfang des Sommers von einem Freund bekam und die ich auf dem Fensterbrett festgebunden hatte, weil auf dem Balkon alles Grün direkt pflanzenmordenden Katzen zum Opfer fällt. An einem ihrer traurigen Zweige hängt die letzte Frucht, die ich nicht mehr geerntet habe. Habaneros sind traditionell scharf. Diese hier waren lecker, standen vom Schärfegrad her aber direkt mit Gemüsepaprika in Konkurrenz, die unreif geernet nach Deutschland verschifft wurden. Der Freund schüttelt darüber jetzt noch den Kopf. Milde Habaneros.

Als ich im Schlafzimmer angekommen bin, wische ich besonders kräftig. Lefti hat gestern Nacht auf Ps Rollstuhl erbrochen und alles ergoss sich auf den Boden vor dem Bett. Dort setzte P ihre Füße ab, bevor ich sie vor der feuchtwarmen Masse warnen konnte, die ich noch nicht entfernt hatte. Ich bin froh, dass diese Szenen nur noch sporadisch passieren. Lefti ging es im Sommer sehr schlecht. Ich wische noch hinter der Tür und verlasse dann das Zimmer, um mit der Küche den letzten Raum zu putzen. Die kleine Fluse in der Ecke hinter der Tür, die beim Staubsaugen aus ein paar Spinnweben entstanden ist, erwische ich nicht. Die putze ich bei der nächsten Runde im neuen Jahr weg.

2020 neigt sich also dem Ende zu. Ein Jahr, in dem so viel anders und Vieles doch absolut gleich geblieben ist. Ich versuche, noch ein paar Altlasten in den Container zu befördern, bevor wir in ein paar Stunden in die neue Runde gehen. Was nächstes Jahr auf uns zukommt? Noch nie fühlte sich Zukunft in meinem Leben so unplanbar an. Trotzdem soll die Wohnung sauber sein. Schließlich werde ich, so Göttin will, in 12 Monaten 50.

Mir ist warm. Ich bin satt. Alle mir Lieben sind am Leben und – toitoitoi – gesund. Und Klopapier gab es im Laden vorhin auch. Was will ich mehr.

—–

The cell in my pants is playing a folksy version of Roxette’s „It must have been love“. I sigh and with my mop I pick up an ecclectic mix of cat hair, carraway and dust, intending to shake it off in the sink before I continue cleaning in P’s room (which is basically Ferrie’s, who are we kidding). I remember hearing that song for the first time. It was at a movie theater in West Berlin where our English major class took our class excursion to instead of London in the 12th grade. I need not say which movie it was, right? That was the excursion during which I tasted my first Guiness and decided that it wasn’t my cup of tea.

Outside the first and most possibly also the last snow flakes of the year are snuggling their way towards the ground. Wet and sluggish they are befitting the occasion. While in the air they do look kinda cute before they return to their initial aggregate condition upon hitting the ground. After mopping the floor I will cook the potatoes, take out the last of this year’s trash and also take a couple of glass bottles to the nearby container. I had missed them on my round this morning.

This day took an unexpected turn when I decided to not only mount a new front rack to my bike but to also to replace the faulty tube in my front wheel. That was the first complete tube change I ever did myself in 49 years and of course didn’t go as planned and the wheel was warped after. I tried to get rid of that by adjusting the spokes – also for the first time in my life, which didn’t make it better. Which is why I finally caved and took out the whole thing once more to find out what the problem was. Of course there was nothing to be found out, but after I was finished, it really did look better. And after adjusting the spokes in a less erratic way than the first time around I had finally arrived at a point at which I will work up the courage to talk to my bike dealer next week. Be that as it may, the whole shebang took me more than 2 hours, and that after having worked from 5 to 8.30 AM at the computer already. But you work when there’s work.

While cleaning my office, a noise notifies me of an incoming message. The neighbor that had approached me yesterday with the nice idea to have a perfectly distanced drink in the courtyard to ring out 2020 is doubling down because her husband is feeling queasy about people watching and reporting us for being more than 2 households. You never know, right? Understandable.

In the bathroom I take a quick glance at the sad remains of a habanero plant that I was given by a friend at the beginning of summer and that I had strapped to the bathroom window because everything green on out balcony will be devoured instantly by the plant-killing mob that are our cats. On one of her sad, dead twigs there is one last habanero which I didn’t bother with harvesting. Habaneros usually have a distinct hotness. These here, though, albeit nice tasting, were competing with bellpeppers that had been harvested unripe to be sent of to German supermarkets. M., the friend of mine who gave the plant to me, is still shaking his head in disbelief. A mild habanero.

Switching to the bedroom I start mopping vigorously. Lefti puked on P’s wheelchair last night and from there everything ran down to the floor in front and below her side of the bed. Which is exactly where P put her feed before I could warn her of the warm gooey mass, thanks to persistent stupor on my behalf. I am glad that these events are the exception to the rule these days. Lefti was not well all summer. I take a last swish behind the door and then leave the room to proceed to the last one – the kitchen. The little fleck of spiderweb that came from vacuuming earlier, escapes my mop. It will have to wait until the new year.

2020 is on its way out of the door. A year that was so different and in so many ways same old same old. I try taking as much of the trash out before embarking on a new roundabout. What will 2021 bring? Never before in my life has the future felt so utterly unpredictable. Still, the apartment should be clean. After all, if goddess smiles upon me, I will be 50 come December.

I am warm. My belly is full. All of my loved-ones are alive and – toitoitoi – well. And there was TP at the store earlier. What more could I ask for?

Nadelkissen // Pincushion

„Links oder rechts? Ah, ich sehe schon, links“, quittiert die Labormitarbeiterin in der endokrinologischen Ambulanz der Frankfurter Uniklinik meine bereits über die linke Pobacke heruntergezogene Hose.

„Jetzt wird es kurz kalt“, fährt sie fort, etwas gedämpft durch ihre Maske, die wir hier dank Covid-19 alle tragen. Ich nicke und entlaste mein Bein, damit der Gesäßmuskel nicht angespannt ist. Und schon stellt sich das charakteristische Brennen ein, das eine Injektion mit Testosterondekanoat begleitet.

Ich lasse mir die Spritze immer im Stehen geben und übernehme dafür die volle Verantwortung. Die zwei Male, die ich sie im Liegen bekam, hatte ich wochenlang Schmerzen an der Einstichstelle. Fünfeinhalb Jahre mache ich das jetzt schon in einem Abstand, der zwischen 10 und 12 Wochen variiert. Einmal im Jahr lasse ich meine Blutwerte überprüfen. So hoffe ich, eventuelle negative Reaktionen auf die Hormonbehandlung frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Die Mitarbeiterin hat mir in etwa die Hälfte der Ladung verpasst, als mein Handy zu klingeln beginnt. Ich zücke es kurz und sehe, dass es eine Kollegin ist. „Das kann gerade mal warten“, sage ich der Dame mit der Spritze in meinem Hintern und drücke das Gespräch weg. Das Telefon beginnt sofort wieder zu klingeln. Ich ignoriere es. Dann beginnt das Klingeln ein drittes Mal.

„Gehen Sie ruhig ran, junger Mann“, sagt die Pflegerin und ich gebe seufzend dem Klingeln nach.

„A., ich habe gerade eine Nadel im Hintern stecken. Kann ich dich gleich zurückrufen?“
– „Achso, natürlich, ja klar. Tut mir leid, Max.“
„Kein Problem. Ich melde mich in 10 Minuten.“

Ich lege auf und im gleichen Moment merke ich, wie der Druck gegen meinen Gesäßmuskel nachlässt. Die Dosis für die nächsten 12 Wochen habe ich intus. „Sehr nett, das mit dem jungen Mann“, sage ich, während ich mich zur Pflegerin umdrehe, die mir gerade ein Pflaster auf die Einstichstelle geklebt hat, und mir die Hose wieder hochziehe.
„Dachte ich mir, dass ihnen das gefällt“, gibt diese zurück.
„Jung hat mich schon länger niemand mehr genannt. Ich werde nächstes Jahr 50“, schieße ich nach. Mir ist klar, dass sie dachte, ich sei begeistert „Mann“ genannt zu werden. Mit meinem Alter ist sie dann aber doch sichtlich überfordert.

„Das hätte ich jetzt aber wirklich nicht gedacht“, fasst sie ihre Überraschung in Worte. Ich bedanke mich und lächle, aber unter der Maske sieht sie das vermutlich nur an den Falten um meine Augen. Ich wünsche ihr einen möglichst entspannten Restarbeitstag und verabschiede mich zurück in die Empfangshalle der Klinik. Eigentlich hätte ich gern noch gesagt „Wir Transjungs halten uns halt gut“ oder irgendetwas in dieser Art. Aber dafür bin ich im Moment nicht schlagfertig genug.

Nach fünfeinhalb Jahren ist meine „Maskulinisierung“ quasi abgeschlossen. Im Alltag liest mich niemand mehr als Frau, wer mich nicht vorher kannte. Die Spritze alle 12 Wochen ist Alltag geworden und trotzdem gehe ich hinterher immer ein paar Schritte lockerer zum Auto im Parkhaus zurück. Ich freue mich nach wie vor auf mögliche neue Haare.

Die Kollegin, die mich gerade angerufen hat, tut sich mit Pronomen am schwersten, dabei ist Sprache ihr täglich Brot. Zwar nennt sie mich inzwischen durchgängig Max, aber wenn sie über mich spricht, rutscht ihr regelmäßig immer noch ein „sie“ heraus. Wie meiner Schwiegermutter übrigens auch, aber da schiebe ich es auf das langsam fortschreitende Alter.
Beides registriere und ignoriere ich inzwischen. Ich lebe nicht „stealth“ also versteckt. Und das möchte ich möglichst auch nicht ändern, auch wenn die Zustände in unserem Land mir Sorgen machen und ich immer wieder überlege, wie ich wohl an das Testosteron komme, falls mal irgendwann die sich hartnäckig haltende, braunblaue Kacke in der Regierung sitzt. Wie schnell Schutz für Transmenschen und andere Farben des Regenbogens Geschichte sein kann, hat man in den letzten vier Jahren tagtäglich in den USA beobachten können – nein, leider ist „müssen“ hier das richtige Modalverb.

Und das ist auch ein bisschen der Grund, warum es hier so still war. Das und Corona. Und die ganzen Umbrüche. Hier liegen mehrere Texte, die ich nie fertiggestellt habe. Aktuell sind sie sicher immer noch. Und neue Ideen habe ich auch, denn unser aller Leben ist im Moment Transition. Zeit, darüber zu schreiben.

Es fühlt sich gut an, mal wieder etwas zuende gebracht zu haben. Ich hoffe, es gefällt euch.

Max


„Left or right? Oh, never mind.“ The co-worker at the endocrinological laboratory of the University of Frankfurt Hospital kgu stops herself when she sees that I have already pulled my pants down over my left buttock.

„I’ll now disinfect the area with some alcohol“ she adds almost automatically, her voice slightly muffled by the surgical mask everyone is wearing here thanks to Covid-19. I nod and shift slightly to take the weight off my left leg and relax the gluteus maximus. Immediately after I feel the characteristic burning sensation that comes with the testosterone being administered.

I always take my injection standing, taking full responsibility for whatever might happen. The two times when the medical personnel insisted on me lying down were horrible and resulted in weeks of pain around the injection area. This injection every 10 to 12 weeks has been in my life for 5.5 years. Once a year I go in for an endocrinological checkup in hopes of catching any adverse effects of HRT early and being able to act on it.

When the payload is half in, my cell starts ringing. I pull it from my front pocket to see that it is a colleague of mine. „That can wait“, I say to the lady working on my butt and reject the call. It immediately begins to ring again. I ignore it only to hear it start ringing once more.

„It’s alright, young lad, just pick it up“, the coworker tells me encouragingly and, sighing, I accept the call.

„A., I have a needle up my butt at the moment. Can I call you back in five minutes?“
– „Of course, sure, sorry, Max.“
„No probs.“

I hang up the phone and simultaneously feel the pressure against my gluteus maximus receding. My next dose is in. „Very nice to call me young lad“, I tell the coworker who puts a bandaid on the injection spot before I pull up my pants.
„I thought you might like that“, she replies.
„You see, I haven’t been called young in a while. I will be 50 next year“, I add for good measure. I know that she must have thought I was happy about being called a lad. My actual age causes a slight struggle.

„That’s a surprise“, she finally arrives at stating the obvious. I thank her and smile, but due to the mask she will only be able to discern that gesture through the wrinkles around my eyes. I wish her a good time for the remainder of her shift and then walk back towards the entrance hall of the hospital. What I would have wanted to say was something along the lines of „We keep well, us trans boys“. But I am not quick-witted like that.

After 5.5 years my so-called „masculinisation“ has basically come to its end. In everyday life nobody reads me as female anymore, except those who knew me before transition. This injection every 12 weeks has become a routine, albeit a happy, belovd one – I always walk a little lighter and taller on my way back to the car. I am still looking forward to more facial hair.

The colleague of mine who just called while I was being pricked has the hardest time keeping it up with he/him pronouns, even though language is her core competence. Even though she now consistently calls me Max, she still regularly uses she and her, something my mother in law also does, but with her I am very willing to attribute that to her age.
I register both but ignore it for the most part. I don’t live stealth and have no intention of changing that, even though I am alarmed by the increasing transphobia in Germany. Sometimes I play out scenarios in my head where testosterone is not available to me anymore due to an alt-right participation in government. The past four years in the US have sadly shown how quickly hard earned victories for LGBTIQ communities can be shaved away, to stay with the beard metaphor.

That is also the reason why things became awfully silent around here, as well. That and Covid-19. And the bunch of changes that came with it. There are quite a few drafts slumbering in my wordpress account which still have merit and new ideas are also coming up, because life itself is a big fucking transition at the moment. Time to write about it.

It feels good to have finally finished something creative again. And I hope you like it.

Max

Für die, die es nicht können. // Für those, who can’t

Du fragst, warum ich über mich sprechen muss, warum ich mein Anderssein in die Öffentlichkeit und manchmal sogar auf die Straße trage. Warum ich eine Sache, die doch nur mich etwas angeht, öffentlich zur Schau stelle und diskutiere.

Ich bin anders. Ich wurde in einem genetisch weiblichen Körper geboren und habe ihn mithilfe von Hormonen und Operationen so gestaltet, dass mir nicht mehr schlecht wird, wenn ich mein Spiegelbild sehe. Der Weg dorthin brauchte viel Kraft. Keinen Mut, wie du vielleicht denkst oder auch sagst, sondern Überlebenswillen. Dass ich heute bin, wer ich bin, ist das Ergebnis von sehr viel Eigenleistung. Und einer Gesellschaft, die mir, so unperfekt sie auch sein mag, die Möglichkeit dazu gab. Ich habe überlebt.

Es gibt Menschen, die entscheiden sich auch in unserer Gesellschaft dafür, ihr Leben nicht auf den Präsentierteller zu legen. Zu feindselig ist ihre Umgebung, zu groß die Gefahr für Leib, Leben, Liebe und auch Lebensunterhalt, wenn sie sich als die zeigen, die sie sind. Ihre Gründe, nicht gesehen zu werden, sind wichtig und sie sind geprägt von realen und irrealen Ängsten, die damit zu tun haben, dass sie in einer unwirtlichen Umgebung leben, die in ihren Augen keinen Platz hat für ihr Anderssein.

Unsere Gesellschaft steht an einem Scheideweg. Sie muss sich entscheiden, ob sie die Vielfalt aller Lebenswege und Formen akzeptiert oder aus einem Mangel an gefühlter Identität und einer Mischung aus Bitterkeit und Angst den Imperativ einer Einheitskultur wählt.

Genau in diesem Milieu ist es wichtig, Gesicht zu zeigen. Flagge zu bekennen für Pluralität, wenn Angst beginnt, sie unsichtbar zu machen. Flagge zu bekennen für Sichtbarkeit. Flagge zu bekennen für eine Gesellschaft, in der wir leben wollen. Zu sagen, schau her, ich bin hier. Ich bin anders, aber ein Menschenkind, wie du.

Angst macht Enge in Köpfen, wo Weite doch so viel Mehrwert bietet. Ein „wir“ nämlich ohne eine Definition darüber, dass andere die Schlechteren sind.

Habe ich Angst, gesehen zu werden und verletzbar zu sein? Aber ja. Jedes Mal. Habe ich Angst, abgelehnt, verdrängt, ignoriert oder von Hass verletzt zu werden? Ja, habe ich. Aber ich kann es bislang noch ohne Gefahr für Leib, Leben und Unterhalt. Solange das so ist, werde ich mit einem Stolz, der sich nicht über das definiert, das andere schlechter sind, aufstehen und mein Gesicht zeigen. Und hoffentlich wäre mein Mut groß genug, es auch dann noch zu tun, wenn das einmal nicht mehr so wäre. Für die, die es eben nicht können. Und die mich vielleicht sehen und insgeheim einen Keim der Hoffnung in ihrem Herzen mit nach Hause nehmen.

Du fragst, warum ich über mich sprechen muss, warum ich mein Anderssein in die Öffentlichkeit und manchmal sogar auf die Straße trage. Warum ich eine Sache, die doch nur mich etwas angeht, öffentlich zur Schau stelle und diskutiere.

Ich sage, genau deswegen.

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You keep asking me, why I feel the need to speak about me, why I keep dragging my otherness into the open, sometimes even to the streets. Why I insist on presenting something, that basically only concerns me, to a wider public, opening it up to discussion.

I am different. I was born in a genetically female body and managed to redesign it with the help of hormones and surgeries to make it into a body that doesn’t make me retch everytime I see my reflection in the mirror. Getting there took strength. Not courage, like you might say, but the will to survive. The reason why I am who I am today is the result of a lot of work. And of living in a society that, as imperfect as it might be, enabled me to do so. So I survived.

There are people even in our society, who decide not to put themselves and their lives out there. Their surroundings are maybe too hostile, dangers to life, love, and livelihood too big, to make themselves known as they are. Their reasons to remain invisible are important and dominated by real and irreal fears resulting from hostile surroundings that seemingly have no place for their being different.

Our society has reached a crossroad. It needs to decide whether it is willing to accept the diversity of different walks of life or give in to the imperative of a monoculture due to a lack of identity paired with bitterness and fear.

At exactly this moment it is important to be visible. To show your true colors, supporting plurality in the face of fear. A fear that is trying to make us disappear. Fly your colors for a society we want to live in. To say: Look at me. This is me. I may be different, but I am a human being, just like you.

Fear makes heads shrink while openness has so much value to add. Openness offers a „we“ that does not need to define itself by belittling others.

Am I afraid to be seen, to be vulnerable? Of course I am. Every single time. Am I afraid to be rejected, replaced, ignored or hurt through hate? Yes, I am. But I can still do it without danger for life, physical integrity, and livelihood. And as long as I can do that, I will stand up and show my face, with a pride that is not defined by degrading others. I do hope that my courage would be big enough to keep doing it should that change one day. For those, who can’t. And who maybe see me and take a seedling of hope in their hearts with them.

You keep asking me, why I feel the need to speak about me, why I keep dragging my otherness into the open, sometimes even to the streets. Why I insist on presenting something, that basically only concerns me, to a wider public, opening it up to discussion?

I say, that’s why.

Das Geschlecht von Rosa ist immer noch Neutrum // Pink does not have a gender

Seit einiger Zeit benutze ich mein Auto nur noch wenig. Eigentlich nur noch, wenn ich richtig krank bin oder weitere Strecken bestreiten muss, die in keinem Verhältnis zur mit dem Fahrrad benötigten Reisedauer stehen. Ansonsten verwende ich ein Zweirad zur Fortbewegung, unter anderem selbstverständlich, um meinen Kalorienverbrauch weiter anzukurbeln.

Diese Tatsache stellt mich nun kleidungstechnisch vor eine gewisse Krux, denn die kurbelnde Pedalbewegung wird insbesondere im Winter durch schwere Hosen nicht unwesentlich eingeschränkt. Eine ausgiebige Suche im Interweb förderte bald eine Lösung zutage: Den Fahrradknicker. Zu Deutsch eine Kniebundhose, wenn auch ohne den im Namen enthaltenen, gebundenen Abschluss am Knie. Nachdem ich bereits einige Pfunde verloren hatte, bot ein Unternehmen in den USA doch tatsächlich ein ebensolches Modell in meiner Größe an.

Um die mit diesem Kleidungsstück verbundene Beinfreiheit nun auch im Winter zu ermöglichen, stieg ich auf dicke Fußballsocken um, die bis unter den Rand reichen. Eine wirklich wunderbare Lösung, die sich auch bei -10 Grad diesen Winter noch als ausgesprochen angenehm erweist. Da deutsche Autofahrer nun in der Mehrzahl der Meinung sind, die Straße gehöre ausschließlich ihnen, neigen sie dazu, Zweiradfahrer gefährlich zuverlässig aus ihrer Wahrnehmung im Straßenverkehr auszublenden. Diese Tatsache veranlasste mich dazu, mir eben diese Fußballsocken in so grellen Farbkombinationen wie irgend möglich zu besorgen. Und ein Sockenpaar, das ist so grell Hotpink, dass selbst meine Augen zu tränen beginnen, wenn ich sie erblicke.

Wenn du dich bis eben gefragt hast, ob das jetzt schon wieder so ein Post ohne Transbezug ist, bitte ich dich, noch kurz die Luft anzuhalten. Ich bin gleich soweit. Die hotpinken Strümpfe haben im Straßenverkehr absolut die gewünschte Wirkung, ähnlich meiner leuchtend orangefarbenen Wintermütze: Autofahrer starren sie an, können nicht umhin, sie wahrzunehmen. Manchmal – so musste ich inzwischen ab und zu amüsiert feststellen – vergessen sie darüber sogar kurzfristig die restlichen Autos.

So weit, so gut. Sobald ich von meinem Fahrrad steige, tut sich interessanterweise jedoch ein gänzlich anderes Thema bei der Interaktion bezüglich meiner Kleidungswahl auf. Insbesondere Nachbarn und Menschen, die mich lange kennen, zu denen ich aber keinen engeren Kontakt pflege, beginnen mir wieder einmal, die Welt zu erklären. Gestern hörte ich zum Beispiel folgenden, eher süffisant intonierten Satz: „Deine Socken sind aber schon ganz schön weiblich, Max.“ Und da war er, der Transbezug.

Seit meiner Transition habe ich nachweislich eine gewisse Leidenschaft für Rosafarbtöne entwickelt. Ich vermute, das hat damit zu tun, dass ich Pink (sowohl die Farbe, als auch die Sängerin übrigens) endstufengeil finde, die Zuweisung dieser Farbe aber einfach nur furchtbar. Jetzt, in meinem endstufengeilen Körper, ist mir das aber endlich egal. Nenn mich kleingeistig.

Exakt in diesem Moment klickte es also bei mir und folgende Antwort suchte sich ihren Weg: „Also erstens sind das Fußballsocken (ok, schon ein bisschen defensiv) und zweitens ist das Geschlecht von Pink meines Wissens immer noch Neutrum.“ „Naja, stimmt auch wieder“, gab die andere Person zurück. Und um sie nicht vollends zu vergrätzen schob ich nach: „Spaß an Pink hab ich aber eigentlich auch erst jetzt. Und primär sollte die Farbe in den Augen wehtun und sichtbar sein.“

Ich gebe zu, die Coolness des Satzes mit dem Neutrum leidet nachhaltig unter dem Nachschub, aber so ist es im echten Leben halt: Max ist zwar schlagfertig, aber leider nicht scharfzüngig genug für die Menschheit.

Das Coole ist: Diese Beobachtung ist absolut richtig! Farben gehören in der deutschen Sprache, so sie nominalisiert werden, dem Neutrum an. Der korrekte Artikel lautet entsprechend „das“ und nicht „die“ oder „der“. Farben gehören uns allen, verdammt. Woher kommt diese beschissene Nummer, uns bestimmte Töne einfach zu vermiesen, indem wir sie einem binären Geschlecht zuschreiben? Oder wie meine Freundin M. sagte, als ich ihr davon erzählte: „Hä? Warum darf denn ein Max nicht mit Rosa, Pink oder anderen Farben spielen? Immer noch die alten Geschichten. Wenn die anderen nur wüssten, wie viel Spaß ihnen im Leben entgeht.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Naja, doch noch ein bisschen was, pardon. Kinderüberraschung in Rosa für Mädchen und Hellblau für Jungens. Das ist der wahre Genderwahn unserer Zeit. Wir beschränken unser Hirn freiwillig, lassen uns Reaktionen und Vorlieben nach unserem vermeintlichen Geschlecht diktieren. Wie beschissen reaktionär ist das denn? So beschissen, dass selbst deutlich gebildete Menschen sich bei meinem rosafarbenen Glücksbärchie-Fastnachtskostüm bemüßigt sehen, zu kommentieren: „Na, bereust du deinen Schritt jetzt doch?“ Deutliches Kopfschütteln meinerseits brachte diese Situation zum Schweigen.

Ich kehre zurück zu Ms eigentlich perfektem Schlusssatz. „Wenn die anderen nur wüssten, wie viel Spaß ihnen im Leben entgeht“. In Zeiten, in denen das von mir geliebte Rot und Blau sich zu Braun vermischen, ist Schillern erste Bürgerpflicht. Das reimt sich schon fast. Und was sich reimt, ist gut. Wusste schon der Pumuckl. Und der hat ja bekanntlich auch eine Vorliebe für Grelles. Guten Abend.

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It’s been a while since I have been using my car on a daily basis. Lately it only gets some miles when I feel genuinely ill (some might argue that this is a reason against getting behind a wheel, yes) or need to cover larger distances that defy the ratio of distance to time travelled in such a manner. Apart from that I tend to use my bicycle to get from A to B. As you might have guessed correctly, burning off some calories is also part of the equation.

In terms of clothing this new practice put me somewhere between a rock and a hard place, as the rotating movement of the pedals is impeded to a significant degree by heavy, long pants, which are the clothing of choice during cold winters. But interweb to the rescue, I found a solution pretty soon: bike knickers. The German word Kniebundhose (literally „knee-bound pants“) is actually describing pretty well, where those pants end, namely a little bit below the knee, thus offering protection to the knee while still enabling freedom of movement. And as I have lost a little bit of poundage over the last couple of years I finally found a company that actually carried bike knickers in my size!!

To provide me with the aforementioned freedom of movement in winter, I purchased several pairs of thick soccer socks (try saying that real fast for a tongue-twister-experience), which end above the hem of the knickers. This solution clearly was a winner that left me with toasty legs even at the -10°C of this winter. As German motorists tend to believe that the road is theirs and theirs alone, they are prone to ignoring everyone participating in road traffic without a motor with deadly certainty. Which motivated me to get said soccer socks in as neon-crazy colors, as possible. And one of them turned out to be so hot pink that my eyes start to water whenever I see them.

In case you just started wondering whether this is another blog entry without much of a trans storyline, I implore you to wait just a second longer and it will all become clear. The hot pink socks proved to be as effective in road traffic as I had hoped, very similar to my bright orange winter hat: Drivers stare at them because they can’t help but noticing the eye-watering goodness in front of them – sometimes even a tad too long or too intensely, as it happens that they forget the other cars around them for a bit. Much to my satisfaction, I might add.

So far, so good. As soon as I get off my bike, communication then very fast swings to my choice of clothing regarding – you might have guessed it – to my chosen gender expression. Interestingly enough, it is neighbors and people I tend to know for a longer stretch of time without getting close that start cisplaining the world to me. There. I coined a new term. Or have I? Or in other words: people in congruence with their gender assigned at birth trying to explain my role in society to me. Yesterday for instance, I had to hear the following sentence, spoken with a sufficient degree of smugness to make me raise my eyebrows: „Your socks are quite female, Max, don’t you think?“ And there it was, my trans moment of the week.

I have to admit that since transitioning I have grown quite fond of clothing in shades of pink. I think this has to do with the fact that i love pink (the color as much as the singer, btw) to bits but have no love at all for the gender gap surrounding it. Now that I love my new body to bits as well, I couldn’t care less, finally. Call me small-minded.

Exactly at that moment, something in me snapped in place and the following answer escaped my mouth: „First of all, those are socker socks (ok, I might have to work on my defensiveness there), and second, last time I checked, the gender of pink in German was still neuter.“ „Well, that is true“, my opponent admitted. And because I didn’t want to burn bridges and enable the much cited learning curve, I added: „I started having fun wearing pink only now, after transitioning. But mainly I bought them because they needed to hurt the eyes and be visible in road traffic.“

I have to admit that the retort regarding the neuter noun significantly suffers from loss of sharpness caused by this addendum, but that’s how life works: Max is quick on his feet, but only rarely scratches with his nails.

The cool thing is that this observation about the neuter noun, which so nicely made my point there, is actually very telling: As soon as colors are turned from an adjective into a noun, they are neutered (the English definited article „the“ is turned into der, die, das (the male, the female, the neuter)) in German. Colors are for everyone, dammit!! Where did that notion come from that it is OK to restrict the use of certain colors to binary genders? Or, as my friend M. said when I told her about it: „Huh? Why the hell can’t Max play with pink or other colors? Hasn’t anything changed? If people only knew, how much fun they are missing out on!“

Not much to add to that. Well, maybe there is. Chocolate in pink for girls and in light blue for boys, that is the real gender drama of our age. Not people finally living their lives and asking for correct pronouns. We allow media and companies to restrict our brains to liking stuff up to a certain line that is defined by binary gender stereotypes. That’s reactionary as fuck! And it works so well that even people on whose education and open-mindedness I once gave a lot, feel entitled to comment on my pink care bear costume for Mardi Gras by saying:  „Oh Max, are you regretting your choice now?“ Me shaking my head to the point of whiplash ended this moment.

Which brings me back to M’s perfect final sentence. „If people only knew how much fun they are missing out on.“  In times when red and blue (the party colors of the so-called alternative for Germany AfD) turns into brown, sparkling becomes a civic duty. In German that rhymes. And all that rhymes is good, said Pumuckl (a goblin-like figure beloved by children in Germany with – wait for it – hot pink hair).  He is right in his love for dazzling colors. We should follow him in that.

Befangenheitsklausel // Inhibition grande

Vor beinahe drei Jahren habe ich mit meiner körperlichen und damit auch gesellschaftlichen Transition von Frau zu Mann begonnen. Knapp anderthalb Jahre später mussten dann auch meine Brüste dran glauben und bescherten mir das Projekt Hühnerbrust. Aber es gibt Dinge, die werden mir erst jetzt richtig klar, während ich mich so langsam daran gewöhne, wie die Außenwelt meine Erscheinung inzwischen wahrnimmt und verortet. Eines dieser Dinge ist eine Tatsache, die ich bemerke, wenn ich mit Menschen interagiere, die nicht P. oder enge Freunde und Familie sind: Ich fühle mich gehemmt im Umgang mit Cis-Frauen, also Frauen, die mit dem ihnen bei Geburt aufgrund ihres Körpers zugeordneten Geschlechts kongruent leben.

So isses.

Ein Beispiel hierzu.  Solange ich für die Außenwelt noch als Frau erschien, fühlte ich mich nie unwohl dabei, eine Frau, die ich nicht so gut kannte, als Form des Trostes zu umarmen. Das ist nun komplett anders. Was dies verursacht, ist vermutlich eine Vorstellung in meinem Hinterkopf, dass ich bei dieser Handlung als übergriffig oder gar belästigend wahrgenommen werden könnte. Und um der Sache die Krone aufzusetzen, fühle ich dieses Zögern insbesondere dann, wenn (heterosexuelle) Cis-Männer anwesend sind – denn mit ihnen ist dieser Austausch von Mitgefühl gefühlt sehr einfach: meist reicht ein kräftiger Händedruck vollständig, um das Gefühl zu transportieren.

Jetzt, wo ich genauer darüber nachdenke, kommt es mir fast vor, als sei dieses „Problem“ eher ein Ringen mit Geschlechterklischees in meinem Kopf: „Heterosexuelle“ Männer, die nicht der Partner, ein Freund oder Familie der Frau sind, umarmen nämlich nicht ganz einfach mal eben so. Diese körperliche Nähe könnte als sehr seltsam und vor allem unerbeten erscheinen. Es könnte aber auch sein, dass es sich um einen riesigen, aufgeblasenen Hirnpups meinerseits handelt.

Was kann ich also tun, wenn ich das Gefühl habe, eine Person wirklich trösten zu wollen? Fragen, ob eine Umarmung ok wäre? Das fühlt sich einfach nur schmierig an. Diese Situation hat sich im Arbeitskontext in letzter Zeit mehrfach ergeben und ich habe jeweils beschlossen, nach einigem Herumgeeiere kurz den Arm oder die Schulter der Person zu berühren, statt zu umarmen. Zusätzlich habe ich mein Mitgefühl ausdrücklich verbal untermauert. Derzeit kommt mir dieses Vorgehen am sichersten vor, auch wenn ich mich irgendwie nicht so ganz authentisch dabei fühle – denn ich bin und bleibe ein herzlicher, manchmal eben auch körperlich naher Mensch.

Diese Geschichte hat irgendwie kein richtiges Ende, weil es sich ja um eine andauernde und nicht gelöste Situation handelt. Da ich in letzter Zeit den Blog aber irgendwie fast schon vernachlässigt habe und ich nicht ständig mit der Leier von meinem doofen Blutdruck nerven möchte, poste ich das einfach jetzt und werde gegebenenfalls ein Update verfassen, wenn mir was Schlaueres dazu einfällt.

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I am now almost three years into my physical and social transition from female to male and almost 1.5 years post-op top surgery. And there are things, that seem to become visible now that I am easing into who I represent to the outside world. Lately I have been noticing something in my interactions with people other than P. or close family and friends: I feel inhibited when interacting with cis women.

There. I said it.

An example. While I was still presenting as female to the outside world, I would never have shied away from hugging a woman that I wasn’t close friends with for means of providing comfort in a distressing situation. Now I do. I think what lies in the back of that is that I fear being perceived as invasive, encroaching even. And it is a hesitation I oddly enough feel most, when cis men are present, who are in some case even partners of the women in question. Because with them it is easy pickings. A handshake will suffice completely, most of the time.

Come to think of it, what kind of sounds like a fight with gender clichées in my head, might be just that. Namely the convention that „heterosexual“ men who are not your partner, close friend or family will not hug strangers for comfort. I feel like it might be uncalled for and could freak them out. But maybe it is just me having an enormous brain fart.

What can I do about that urge to comfort someone, though? Simply asking whether a hug would be ok just feels sleazy. I have been in that situation during work several times now and I have resorted to touching an arm or a shoulder in place of a bone-crushing hug. And to expressing my extreme sympathies verbally. Problem is, that change of acting towards others has left me feeling hollow, just not me. I am a hearty, and yes, sometimes also physically close guy.

As I haven’t posted that much lately, I have decided to post stuff I am not through with staking out, yet. I will keep you posted on the matter.

Unterwegs mit Söckchen // On the road with our Söckchen (wee socks)

Liebes Tagebuch. Ich schreibe dir mit müde geröteten Augen. Dies ist keine Eintragung zum Thema Transition, auch wenn sie das Thema irgendwie fast auch schon wieder streift.

Seit drei Wochen etwa hatte sich unsere durch Katzenschnupfen im Kittenalter zu 90% erblindete Katze Söckchen extrem zurückgezogen und wirkte ängstlich-aggressiv. Das passte so gar nicht zu ihr. Ein Grund also, sie nach vergeblicher (und zähneknirschend verabreichter) erneuter Antibiose dann doch einmal unserer lieben Tierärztin vorzustellen, als sie wegen Leftis gezogener Zähne bei uns einen Hausbesuch absolvierte.

„Hm, das sieht nicht so toll aus“, sagte sie, sprach im Weiteren davon, dass es wie eine Flüssigkeitsansammlung aussehe und bat uns, eine Augenärztin in der Tierklinik in Hofheim zu kontaktieren – was wir geknickt auch taten.

Etwa eine Woche später fuhren wir zu unserem Termin dort und wussten zu diesem Zeitpunkt schon, dass die auf Verdacht gegebenen Schmerzmittel sofort Wirkung gezeigt hatten und Söckchen deutlich lebendiger wirkte – kein gutes Zeichen.

Die Ärztin nahm sich sehr viel Zeit, maß den Augendruck und kam nach Fluorezintest und Co. schließlich zu dem erschütternden Ergebnis, dass Söckchen aller Wahrscheinlichkeit nach eine perforierte Iris habe, die ins Auge vorgefallen sei. Eine Enokulation (vollständige Entfernung des Auges) sei unumgänglich, um sie von ihren sicherlich beträchtlichen Schmerzen zu erlösen, zumal sie auf Tests hin keine Reaktion mehr auf Licht auf diesem Auge zeigte.

Bewaffnet mit Schmerzmitteln begaben wir uns in die Wartezeit bis zum OP-Termin 5 Tage später. Heute war es schließlich soweit:
P. fuhr mit Söckchen im Gepäck morgens zur Arbeit und gab sie in der Klinik ab. Ein echter Albtraum für meinen inneren Kontroll-Junkie. Das Augenrollen in P.s Antworten auf meine zahlreichen Textnachrichten bis Söckchen zur Vorbereitung auf die OP abgeholt wurde, war geradezu fassbar. Vielleicht war es gut, dass ich den Vormittag über arbeiten musste, wer weiß. Jedenfalls begab ich mich nach Beendung meiner Verpflichtungen direkt in den Bleifußmodus und eilte nach Hofheim, um Söckchen abzuholen.

Kurz vor meiner Abfahrt von der Autobahn klingelte mein Handy und die Augenärztin gab mir ein Voraus-Update zur OP. Ihrer Stimme nach zu urteilen war alles gut gelaufen, und so war es auch. Ihre Vermutung von der perforierten Iris hatte sich bestätigt. Das Gewebe war wohl geschätzt vor ein paar Wochen schon in die Augenhöhle vorgefallen und hatte Söckchen in der Folge sicherlich starke Schmerzen beschert. In Hofheim angekommen wartete ich noch eine Weile, bis die Prinzessin vollständig wach und ihre Körpertemperatur soweit stabil war, dass wir losfahren konnten. Eine knappe Stunde später nahm ich eine unsicher wackelnde mit einem weichen – einem Harlekinkragen ähnelnden – Konstrukt um den Hals in ihrem Korb entgegen. Ein Auge weniger, dafür einknickende Pfötchen.

An dieser Stelle sei vermerkt, dass ich bei Sichtung des OP-Berichts feststellen musste, dass er an Frau Emmett Helmich gerichtet war. Ich musste lachen und so ergab sich der einzige, mit dieser Geschichte eher weniger verstrickte Transaspekt, als ich die Ärztin darauf hinwies. Sie meinte „Oh, da hat der Empfang wohl etwas verwechselt“. Woraufhin ich entgegnete, dass er so weit gar nicht daneben gelegen habe, denn ich sei Transmann und früher sei diese Anrede durchaus korrekt gewesen. Ihr Gesicht machte ein „Oh“. Schnell sagte sie: „Wir können das natürlich ändern“, worauf ich lachend verzichtete. Und das wars auch schon mit dem Transaspekt.

Als ich wie gesagt die mit einknickenden Pfötchen und wackelndem Gesamtzustand versehene Katze ins Auto geladen hatte, schwante mir Böses. Das Tier machte keinen Mucks. Was mich veranlasste, ihr die ganze Fahrt über alberne Lieder vorzusingen, damit sie merkte, dass sie wieder bei uns war und nicht mehr allein in der Fremde.

Die Rezeptionistin hatte mir gesagt, dass Söckchen etwa 5 Tage separat von den anderen Tieren zu halten sei und sie bis 19 Uhr heute Abend nichts fressen dürfe, dann auch nur eine kleine Portion. Springen besser gar nicht. Und dass sie extrem torkelig sein würde für den Rest des Tages. Ich hatte bei dieser Ansage wie schon zuvor bei dem Hinweis auf den Kragen für die blinde Dame ausgiebig die Stirn gerunzelt, worauf unsere Augenärztin gesagt hatte: „Sie kennen ihre Katze am besten“.

Als ich die Haustür durchschritt, heftete sich dem Transportkorb sofort ein doppelter Schatten in Form von Pesto und Söckchens Schwester Fee an. Sie umringten den Korb. Ferrie schaute ab und an mal um die Ecke. Wie erwartet, quittierte Leftie (ebenfalls blind) die Ankunft des streng riechenden und damit als fremd verorteten Wesens mit exorbitantem Gefauche. Ich ahnte ab diesem Moment, dass meine Arbeitszeit sich heute deutlich in Richtung Abend verschieben würde (ich Depp hatte mit einer zugedröhnt schlafenden Katze gerechnet).

Denn: Söckchen war nicht im Korb zu halten. Ließ ich sie raus, torkel-rannte sie durch die Wohnung, verfolgt von ihrer Schwester, die ihr dabei ab und an auch eine zu semmeln versuchte. Den lästigen Kragen hatte ich ihr direkt entfernt, was auch sofort das Besorgnis erregende Gekratze am Hals beendete. Ich sperrte sie also erst mal ins Bad. Lautes Gemaunze war die Folge. Und unmissverständliches Gekratze an der Tür, gepaart mit Warnmaunzern von Pesto, die meist heißen: „Wenn diese Tür jetzt nicht sofort aufgeht, hau ich gleich jemanden. Mir egal, wen“. Ich ließ Söckchen also wieder raus. Sie eilte aufs Klo. Scharrte und rannte wieder raus. Das Ganze ungefähr 5x, bis sie schließlich etwas drin ließ. Ich setzte sie wieder in den Korb. Fee kam und semmelte ihr durch das Gitter eine. Also gut, Box wieder auf. Lautes Gefauche im Flur, Knurren von Söckchen. Zwischendurch warf sie sich auf den Boden und schubberte mit dem Kopf am Laminat entlang. Wie oft ich sie heute hochgehoben und woanders hingesetzt habe, weiß ich nicht mehr.

Etwa zwei Stunden nach unserer Ankunft kam P. endlich nach Hause von der Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ungefähr 50 graue Haare mehr und die Katze alle Gebote gebrochen, die die Klinik ihr und uns auferlegt hatte. Sie rannte durch die Wohnung. Sprang alles hoch und wieder hinunter. Wenn sie abschmierte, gleich noch einmal. Gegen 17 Uhr war ihr Hungergemaunze so laut, dass wir ihr ein paar Leckerlies gaben. Was mit einer ausgedehnten Spielsession in einer Papiertüte quittiert wurde. Dieses Tier ist entweder vollständig zugedröhnt vom Methadon oder freut sich gerade einfach nur wie irre, dass dieses miese, fiese, autschende Auge endlich weg ist. Vor 10 Minuten hat sie drei Mal heftig genießt und dabei Blut über den Esstisch gesprüht. Es kommt aber nix nach, also Normalbereich. Ich hoffe, ich kriege heute Nacht ein Auge zu, ich sorge mich so, dass alles gut geht. P. wird sicher schlafen, sie nimmt sowas mit himmelsgleicher Gelassenheit (ja, hab gerade gecheckt, sie schläft schon). Ich will was ab davon.

Over and out. 🙂

Nachtrag: Es kam doch alles anders. Als ich um halb 12 ins Bett ging, weil ich nicht mehr konnte (Gerenne und Gefauche mehr oder weniger aller Parteien die ganze Zeit – fast so, wie bei uns Menschen gerade), beschwerte ich mich bei P., dass sie einfach eingeschlafen sei. Woraufhin sie wach wurde und die nächste Wache übernahm. Ich entschlummerte also für ein Weilchen selig!! Danke, Schatz!

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Dear Diary, I am writing to you with tired, red eyes. And this is no entry on my transition, even though it will kind of make its way into the plot at some point.

About three weeks ago, our cat Söckchen increasingly withdrew from the rest of the cat pack. Due to an infection with cat cold as a kitten, which took to her eyes, she has always had an eyesight of about 10%, probably only on her better eye, the left one. The right one had been bothering her on and off with infections for the last three months and we had taken to treating it with antibiotics, something we didn’t like but did the job. When she still withdrew more and even turned to being aggressive (something she just isn’t, usually) we decided to show her eye to our dear vet who came to check on Lefti for his newly pulled teeth.

„Hm, I don’t like the way this looks“, J. said and continued that the eye did look different, almost like there was fluid accumulating. Good physician that she is, she asked us to take Söckchen to a veterinary ophthalmologist about 15 miles from here. Hanging our heads about the fact that this might be something serious, we got in touch with the clinic in Hofheim.

About a week later we had our appointment and, due to having given Söckchen pain medication in the meantime, knew pretty much for sure that the medication made her more lively and happy again – not a good sign at all.

The vet took a perfect anamnesis, tested the eye for injuries with fluorescein, and finally came to the crushing conclusion that the iris of Söckchen’s eye had ruptured, causing her exponential pain. She continued telling us that the complete removal of her right eye was the only way to relieve her of that pain, supported by the fact that she showed no reaction to light on that eye.

With a bag of pain medication we went home again to wait for the eye surgery scheduled 5 days later. Today that day had finally come:

P. took Söckchen with her in her carrier when she went to Frankfurt to work in the morning, dropping her off at the conveniently located clinic on the way. Not a good thing for a control freak like me. The mental eye-rolls in her answers to my numerous WhatsApp-messages up until our princess was picked up and prepped for surgery, were palpable. So maybe it was a good thing that I had to work through the forenoon. For good measure I stepped on the accelerator big time when I finally went to Hofheim to pick our cat up after work.

While I was giving the turn signal to go on the off-ramp to the clinic, my mobile rang. The ophthalmologist was on the other end and judging from the tone of her voice, the surgery had gone well. Her assumptions about the ruptured iris of  Söckchen’s eye had been spot-on. She guessed that the eye had been perforated about two to three weeks ago and that we had an angel of a cat for her not eating our faces due to pain. Arriving in Hofheim I had to wait a bit longer until our cat was fully awake again and her body temperature had been restored enough to transport her home. About an hour later I then got in the car with a very wobbly cat with a caricature of a harlequin-collar around her neck. One eye less, instead with buckling paws.

This is the point in the story where I should probably mention the trans aspect in this story to justify this story even being part of this blog: When I received the report on Söckchen’s surgery I saw that it was addressed to Ms. Emmett Helmich. This was definitely due to the fact that P. had dropped Söckchen off at the clinic but had given my name as the owner’s. So I had to laugh, when our veterinarian handed me the papers and I pointed her to it. She replied „Oh, I guess the co-workers at the reception desk got that wrong, then“. To which I replied that the combination was almost clairvoyant, me being a trans guy and Ms. having been correct for most of my previous life. Her face made an „Oh“, quickly followed by „We will of course change that“, which I declined, still laughing. That was the trans moment of this story. Come and gone like that.

When I loaded the carrier with said wobbly Söckchen in my car, I knew this wasn’t going to be easy. Söckchen didn’t make any sounds – very unusual for her – during the whole trip. Which made me sing her silly songs the whole time to make sure she knew that it was me with her in the car and that she was going home.

The co-worker at the reception counter had told me that Söckchen would have to be housed separately from any other cats for the next five days and that she wasn’t allowed to eat before 7 PM, and then only a small portion. No jumping. And that she would be all buckling legs and drunken walking for the remainder of the day. I had done my bit of eyebrow karate to that information, like I had before, when the vet told me about the collar that our cat was wearing. To which the vet had simply said: „Sometimes they don’t need the collar. You know your cat best. You decide“.

When I entered our apartment, the carrier with Söckchen in it was joined by a double shadow in extremely different sizes: Pesto and Söckchen’s sister attached themselves to my heels and kept walking around me when I finally set the carrier down in my office. Ferrie risked one or two peeks around the corner. And Lefti (the other blind cat in the family), as expected, commented on the strangely smelling intruder by hissing exorbitantly. At this point I realized that working for the rest of the afternoon (as I had planned) would be a feat to achieve (Stupid me. I had counted on her being knocked out, like any normal cat.), because Söckchen had no intention of remaining in the carrier, let alone sleeping off her methadone.

As soon as I let her out, she would reel through the apartment, followed by her sister, who would comment on her reeling by trying to hit her. Being street-smart in that kind of thing I had preemptively removed the silly collar, which immediately ended her endless scratching at her neck. To stop any fights from happening, I transferred Söckchen to the bathroom, which she in return commented on by mutilating the door accompanied by the loudest meowing I ever heard from her. Pesto decided that this was no way to behave and made sounds that announced swift retaliation upon opening the door and that he wouldn’t care who would be hit in the process. So I let her out of the bathroom and she ran to the cat toilet. About five times she went in and out again without doing anything until she finally put out one stinking burger. I put her back into the carrier, her sister came and hit her through the cage door. Ok, so I opened it again. In short: the cat population of Katztel became one hissing, snarling ball of feline goodness while Söckchen threw herself in the shower, rubbing her fresh scar on the tiles. I have lost count on how many times I picked her up to put her someplace else today.

About two hours later, when P. finally came through the door from work, I had an estimate of 50 more gray hairs in my scalp and Söckchen had broken with all recommendations the clinic had given. She was running through the apartment, jumping up and down every piece of furniture she could muster. And when she fell off, well, she immediately tried again. Around 5 PM her hungry meows drove us crazy and we gave her somehing to eat, which was followed up by a playing session in a brown paper bag. This lady is either completely high on methadone or she is beside herself out of happiness of not being in pain anymore. About ten minutes ago, she gave off three hearty sneezes that resulted in bloody snot flying across our dining table. No fresh bleeding though, so everything is fine. I hope I will be able to sleep tonight, because I will be worrying. P. most definitely will sleep through that because she takes these kind of things lighter than I ever will (yup, I just checked, she is already fast asleep). I want some of that, too.

Over and out. 🙂

PS: Everything changed that night. When I finally went to bed around 11:30, because my eyes were falling asleep (all parties running and hissing for hours tired me out), I complained to P. about her having left me alone with that situation. Upon which she got up and took the second shift, so that I could get some sleep as well. Thank you, Love!!!