Für die, die es nicht können. // Für those, who can’t

Du fragst, warum ich über mich sprechen muss, warum ich mein Anderssein in die Öffentlichkeit und manchmal sogar auf die Straße trage. Warum ich eine Sache, die doch nur mich etwas angeht, öffentlich zur Schau stelle und diskutiere.

Ich bin anders. Ich wurde in einem genetisch weiblichen Körper geboren und habe ihn mithilfe von Hormonen und Operationen so gestaltet, dass mir nicht mehr schlecht wird, wenn ich mein Spiegelbild sehe. Der Weg dorthin brauchte viel Kraft. Keinen Mut, wie du vielleicht denkst oder auch sagst, sondern Überlebenswillen. Dass ich heute bin, wer ich bin, ist das Ergebnis von sehr viel Eigenleistung. Und einer Gesellschaft, die mir, so unperfekt sie auch sein mag, die Möglichkeit dazu gab. Ich habe überlebt.

Es gibt Menschen, die entscheiden sich auch in unserer Gesellschaft dafür, ihr Leben nicht auf den Präsentierteller zu legen. Zu feindselig ist ihre Umgebung, zu groß die Gefahr für Leib, Leben, Liebe und auch Lebensunterhalt, wenn sie sich als die zeigen, die sie sind. Ihre Gründe, nicht gesehen zu werden, sind wichtig und sie sind geprägt von realen und irrealen Ängsten, die damit zu tun haben, dass sie in einer unwirtlichen Umgebung leben, die in ihren Augen keinen Platz hat für ihr Anderssein.

Unsere Gesellschaft steht an einem Scheideweg. Sie muss sich entscheiden, ob sie die Vielfalt aller Lebenswege und Formen akzeptiert oder aus einem Mangel an gefühlter Identität und einer Mischung aus Bitterkeit und Angst den Imperativ einer Einheitskultur wählt.

Genau in diesem Milieu ist es wichtig, Gesicht zu zeigen. Flagge zu bekennen für Pluralität, wenn Angst beginnt, sie unsichtbar zu machen. Flagge zu bekennen für Sichtbarkeit. Flagge zu bekennen für eine Gesellschaft, in der wir leben wollen. Zu sagen, schau her, ich bin hier. Ich bin anders, aber ein Menschenkind, wie du.

Angst macht Enge in Köpfen, wo Weite doch so viel Mehrwert bietet. Ein „wir“ nämlich ohne eine Definition darüber, dass andere die Schlechteren sind.

Habe ich Angst, gesehen zu werden und verletzbar zu sein? Aber ja. Jedes Mal. Habe ich Angst, abgelehnt, verdrängt, ignoriert oder von Hass verletzt zu werden? Ja, habe ich. Aber ich kann es bislang noch ohne Gefahr für Leib, Leben und Unterhalt. Solange das so ist, werde ich mit einem Stolz, der sich nicht über das definiert, das andere schlechter sind, aufstehen und mein Gesicht zeigen. Und hoffentlich wäre mein Mut groß genug, es auch dann noch zu tun, wenn das einmal nicht mehr so wäre. Für die, die es eben nicht können. Und die mich vielleicht sehen und insgeheim einen Keim der Hoffnung in ihrem Herzen mit nach Hause nehmen.

Du fragst, warum ich über mich sprechen muss, warum ich mein Anderssein in die Öffentlichkeit und manchmal sogar auf die Straße trage. Warum ich eine Sache, die doch nur mich etwas angeht, öffentlich zur Schau stelle und diskutiere.

Ich sage, genau deswegen.

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You keep asking me, why I feel the need to speak about me, why I keep dragging my otherness into the open, sometimes even to the streets. Why I insist on presenting something, that basically only concerns me, to a wider public, opening it up to discussion.

I am different. I was born in a genetically female body and managed to redesign it with the help of hormones and surgeries to make it into a body that doesn’t make me retch everytime I see my reflection in the mirror. Getting there took strength. Not courage, like you might say, but the will to survive. The reason why I am who I am today is the result of a lot of work. And of living in a society that, as imperfect as it might be, enabled me to do so. So I survived.

There are people even in our society, who decide not to put themselves and their lives out there. Their surroundings are maybe too hostile, dangers to life, love, and livelihood too big, to make themselves known as they are. Their reasons to remain invisible are important and dominated by real and irreal fears resulting from hostile surroundings that seemingly have no place for their being different.

Our society has reached a crossroad. It needs to decide whether it is willing to accept the diversity of different walks of life or give in to the imperative of a monoculture due to a lack of identity paired with bitterness and fear.

At exactly this moment it is important to be visible. To show your true colors, supporting plurality in the face of fear. A fear that is trying to make us disappear. Fly your colors for a society we want to live in. To say: Look at me. This is me. I may be different, but I am a human being, just like you.

Fear makes heads shrink while openness has so much value to add. Openness offers a „we“ that does not need to define itself by belittling others.

Am I afraid to be seen, to be vulnerable? Of course I am. Every single time. Am I afraid to be rejected, replaced, ignored or hurt through hate? Yes, I am. But I can still do it without danger for life, physical integrity, and livelihood. And as long as I can do that, I will stand up and show my face, with a pride that is not defined by degrading others. I do hope that my courage would be big enough to keep doing it should that change one day. For those, who can’t. And who maybe see me and take a seedling of hope in their hearts with them.

You keep asking me, why I feel the need to speak about me, why I keep dragging my otherness into the open, sometimes even to the streets. Why I insist on presenting something, that basically only concerns me, to a wider public, opening it up to discussion?

I say, that’s why.

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Das Geschlecht von Rosa ist immer noch Neutrum // Pink does not have a gender

Seit einiger Zeit benutze ich mein Auto nur noch wenig. Eigentlich nur noch, wenn ich richtig krank bin oder weitere Strecken bestreiten muss, die in keinem Verhältnis zur mit dem Fahrrad benötigten Reisedauer stehen. Ansonsten verwende ich ein Zweirad zur Fortbewegung, unter anderem selbstverständlich, um meinen Kalorienverbrauch weiter anzukurbeln.

Diese Tatsache stellt mich nun kleidungstechnisch vor eine gewisse Krux, denn die kurbelnde Pedalbewegung wird insbesondere im Winter durch schwere Hosen nicht unwesentlich eingeschränkt. Eine ausgiebige Suche im Interweb förderte bald eine Lösung zutage: Den Fahrradknicker. Zu Deutsch eine Kniebundhose, wenn auch ohne den im Namen enthaltenen, gebundenen Abschluss am Knie. Nachdem ich bereits einige Pfunde verloren hatte, bot ein Unternehmen in den USA doch tatsächlich ein ebensolches Modell in meiner Größe an.

Um die mit diesem Kleidungsstück verbundene Beinfreiheit nun auch im Winter zu ermöglichen, stieg ich auf dicke Fußballsocken um, die bis unter den Rand reichen. Eine wirklich wunderbare Lösung, die sich auch bei -10 Grad diesen Winter noch als ausgesprochen angenehm erweist. Da deutsche Autofahrer nun in der Mehrzahl der Meinung sind, die Straße gehöre ausschließlich ihnen, neigen sie dazu, Zweiradfahrer gefährlich zuverlässig aus ihrer Wahrnehmung im Straßenverkehr auszublenden. Diese Tatsache veranlasste mich dazu, mir eben diese Fußballsocken in so grellen Farbkombinationen wie irgend möglich zu besorgen. Und ein Sockenpaar, das ist so grell Hotpink, dass selbst meine Augen zu tränen beginnen, wenn ich sie erblicke.

Wenn du dich bis eben gefragt hast, ob das jetzt schon wieder so ein Post ohne Transbezug ist, bitte ich dich, noch kurz die Luft anzuhalten. Ich bin gleich soweit. Die hotpinken Strümpfe haben im Straßenverkehr absolut die gewünschte Wirkung, ähnlich meiner leuchtend orangefarbenen Wintermütze: Autofahrer starren sie an, können nicht umhin, sie wahrzunehmen. Manchmal – so musste ich inzwischen ab und zu amüsiert feststellen – vergessen sie darüber sogar kurzfristig die restlichen Autos.

So weit, so gut. Sobald ich von meinem Fahrrad steige, tut sich interessanterweise jedoch ein gänzlich anderes Thema bei der Interaktion bezüglich meiner Kleidungswahl auf. Insbesondere Nachbarn und Menschen, die mich lange kennen, zu denen ich aber keinen engeren Kontakt pflege, beginnen mir wieder einmal, die Welt zu erklären. Gestern hörte ich zum Beispiel folgenden, eher süffisant intonierten Satz: „Deine Socken sind aber schon ganz schön weiblich, Max.“ Und da war er, der Transbezug.

Seit meiner Transition habe ich nachweislich eine gewisse Leidenschaft für Rosafarbtöne entwickelt. Ich vermute, das hat damit zu tun, dass ich Pink (sowohl die Farbe, als auch die Sängerin übrigens) endstufengeil finde, die Zuweisung dieser Farbe aber einfach nur furchtbar. Jetzt, in meinem endstufengeilen Körper, ist mir das aber endlich egal. Nenn mich kleingeistig.

Exakt in diesem Moment klickte es also bei mir und folgende Antwort suchte sich ihren Weg: „Also erstens sind das Fußballsocken (ok, schon ein bisschen defensiv) und zweitens ist das Geschlecht von Pink meines Wissens immer noch Neutrum.“ „Naja, stimmt auch wieder“, gab die andere Person zurück. Und um sie nicht vollends zu vergrätzen schob ich nach: „Spaß an Pink hab ich aber eigentlich auch erst jetzt. Und primär sollte die Farbe in den Augen wehtun und sichtbar sein.“

Ich gebe zu, die Coolness des Satzes mit dem Neutrum leidet nachhaltig unter dem Nachschub, aber so ist es im echten Leben halt: Max ist zwar schlagfertig, aber leider nicht scharfzüngig genug für die Menschheit.

Das Coole ist: Diese Beobachtung ist absolut richtig! Farben gehören in der deutschen Sprache, so sie nominalisiert werden, dem Neutrum an. Der korrekte Artikel lautet entsprechend „das“ und nicht „die“ oder „der“. Farben gehören uns allen, verdammt. Woher kommt diese beschissene Nummer, uns bestimmte Töne einfach zu vermiesen, indem wir sie einem binären Geschlecht zuschreiben? Oder wie meine Freundin M. sagte, als ich ihr davon erzählte: „Hä? Warum darf denn ein Max nicht mit Rosa, Pink oder anderen Farben spielen? Immer noch die alten Geschichten. Wenn die anderen nur wüssten, wie viel Spaß ihnen im Leben entgeht.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Naja, doch noch ein bisschen was, pardon. Kinderüberraschung in Rosa für Mädchen und Hellblau für Jungens. Das ist der wahre Genderwahn unserer Zeit. Wir beschränken unser Hirn freiwillig, lassen uns Reaktionen und Vorlieben nach unserem vermeintlichen Geschlecht diktieren. Wie beschissen reaktionär ist das denn? So beschissen, dass selbst deutlich gebildete Menschen sich bei meinem rosafarbenen Glücksbärchie-Fastnachtskostüm bemüßigt sehen, zu kommentieren: „Na, bereust du deinen Schritt jetzt doch?“ Deutliches Kopfschütteln meinerseits brachte diese Situation zum Schweigen.

Ich kehre zurück zu Ms eigentlich perfektem Schlusssatz. „Wenn die anderen nur wüssten, wie viel Spaß ihnen im Leben entgeht“. In Zeiten, in denen das von mir geliebte Rot und Blau sich zu Braun vermischen, ist Schillern erste Bürgerpflicht. Das reimt sich schon fast. Und was sich reimt, ist gut. Wusste schon der Pumuckl. Und der hat ja bekanntlich auch eine Vorliebe für Grelles. Guten Abend.

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It’s been a while since I have been using my car on a daily basis. Lately it only gets some miles when I feel genuinely ill (some might argue that this is a reason against getting behind a wheel, yes) or need to cover larger distances that defy the ratio of distance to time travelled in such a manner. Apart from that I tend to use my bicycle to get from A to B. As you might have guessed correctly, burning off some calories is also part of the equation.

In terms of clothing this new practice put me somewhere between a rock and a hard place, as the rotating movement of the pedals is impeded to a significant degree by heavy, long pants, which are the clothing of choice during cold winters. But interweb to the rescue, I found a solution pretty soon: bike knickers. The German word Kniebundhose (literally „knee-bound pants“) is actually describing pretty well, where those pants end, namely a little bit below the knee, thus offering protection to the knee while still enabling freedom of movement. And as I have lost a little bit of poundage over the last couple of years I finally found a company that actually carried bike knickers in my size!!

To provide me with the aforementioned freedom of movement in winter, I purchased several pairs of thick soccer socks (try saying that real fast for a tongue-twister-experience), which end above the hem of the knickers. This solution clearly was a winner that left me with toasty legs even at the -10°C of this winter. As German motorists tend to believe that the road is theirs and theirs alone, they are prone to ignoring everyone participating in road traffic without a motor with deadly certainty. Which motivated me to get said soccer socks in as neon-crazy colors, as possible. And one of them turned out to be so hot pink that my eyes start to water whenever I see them.

In case you just started wondering whether this is another blog entry without much of a trans storyline, I implore you to wait just a second longer and it will all become clear. The hot pink socks proved to be as effective in road traffic as I had hoped, very similar to my bright orange winter hat: Drivers stare at them because they can’t help but noticing the eye-watering goodness in front of them – sometimes even a tad too long or too intensely, as it happens that they forget the other cars around them for a bit. Much to my satisfaction, I might add.

So far, so good. As soon as I get off my bike, communication then very fast swings to my choice of clothing regarding – you might have guessed it – to my chosen gender expression. Interestingly enough, it is neighbors and people I tend to know for a longer stretch of time without getting close that start cisplaining the world to me. There. I coined a new term. Or have I? Or in other words: people in congruence with their gender assigned at birth trying to explain my role in society to me. Yesterday for instance, I had to hear the following sentence, spoken with a sufficient degree of smugness to make me raise my eyebrows: „Your socks are quite female, Max, don’t you think?“ And there it was, my trans moment of the week.

I have to admit that since transitioning I have grown quite fond of clothing in shades of pink. I think this has to do with the fact that i love pink (the color as much as the singer, btw) to bits but have no love at all for the gender gap surrounding it. Now that I love my new body to bits as well, I couldn’t care less, finally. Call me small-minded.

Exactly at that moment, something in me snapped in place and the following answer escaped my mouth: „First of all, those are socker socks (ok, I might have to work on my defensiveness there), and second, last time I checked, the gender of pink in German was still neuter.“ „Well, that is true“, my opponent admitted. And because I didn’t want to burn bridges and enable the much cited learning curve, I added: „I started having fun wearing pink only now, after transitioning. But mainly I bought them because they needed to hurt the eyes and be visible in road traffic.“

I have to admit that the retort regarding the neuter noun significantly suffers from loss of sharpness caused by this addendum, but that’s how life works: Max is quick on his feet, but only rarely scratches with his nails.

The cool thing is that this observation about the neuter noun, which so nicely made my point there, is actually very telling: As soon as colors are turned from an adjective into a noun, they are neutered (the English definited article „the“ is turned into der, die, das (the male, the female, the neuter)) in German. Colors are for everyone, dammit!! Where did that notion come from that it is OK to restrict the use of certain colors to binary genders? Or, as my friend M. said when I told her about it: „Huh? Why the hell can’t Max play with pink or other colors? Hasn’t anything changed? If people only knew, how much fun they are missing out on!“

Not much to add to that. Well, maybe there is. Chocolate in pink for girls and in light blue for boys, that is the real gender drama of our age. Not people finally living their lives and asking for correct pronouns. We allow media and companies to restrict our brains to liking stuff up to a certain line that is defined by binary gender stereotypes. That’s reactionary as fuck! And it works so well that even people on whose education and open-mindedness I once gave a lot, feel entitled to comment on my pink care bear costume for Mardi Gras by saying:  „Oh Max, are you regretting your choice now?“ Me shaking my head to the point of whiplash ended this moment.

Which brings me back to M’s perfect final sentence. „If people only knew how much fun they are missing out on.“  In times when red and blue (the party colors of the so-called alternative for Germany AfD) turns into brown, sparkling becomes a civic duty. In German that rhymes. And all that rhymes is good, said Pumuckl (a goblin-like figure beloved by children in Germany with – wait for it – hot pink hair).  He is right in his love for dazzling colors. We should follow him in that.

Befangenheitsklausel // Inhibition grande

Vor beinahe drei Jahren habe ich mit meiner körperlichen und damit auch gesellschaftlichen Transition von Frau zu Mann begonnen. Knapp anderthalb Jahre später mussten dann auch meine Brüste dran glauben und bescherten mir das Projekt Hühnerbrust. Aber es gibt Dinge, die werden mir erst jetzt richtig klar, während ich mich so langsam daran gewöhne, wie die Außenwelt meine Erscheinung inzwischen wahrnimmt und verortet. Eines dieser Dinge ist eine Tatsache, die ich bemerke, wenn ich mit Menschen interagiere, die nicht P. oder enge Freunde und Familie sind: Ich fühle mich gehemmt im Umgang mit Cis-Frauen, also Frauen, die mit dem ihnen bei Geburt aufgrund ihres Körpers zugeordneten Geschlechts kongruent leben.

So isses.

Ein Beispiel hierzu.  Solange ich für die Außenwelt noch als Frau erschien, fühlte ich mich nie unwohl dabei, eine Frau, die ich nicht so gut kannte, als Form des Trostes zu umarmen. Das ist nun komplett anders. Was dies verursacht, ist vermutlich eine Vorstellung in meinem Hinterkopf, dass ich bei dieser Handlung als übergriffig oder gar belästigend wahrgenommen werden könnte. Und um der Sache die Krone aufzusetzen, fühle ich dieses Zögern insbesondere dann, wenn (heterosexuelle) Cis-Männer anwesend sind – denn mit ihnen ist dieser Austausch von Mitgefühl gefühlt sehr einfach: meist reicht ein kräftiger Händedruck vollständig, um das Gefühl zu transportieren.

Jetzt, wo ich genauer darüber nachdenke, kommt es mir fast vor, als sei dieses „Problem“ eher ein Ringen mit Geschlechterklischees in meinem Kopf: „Heterosexuelle“ Männer, die nicht der Partner, ein Freund oder Familie der Frau sind, umarmen nämlich nicht ganz einfach mal eben so. Diese körperliche Nähe könnte als sehr seltsam und vor allem unerbeten erscheinen. Es könnte aber auch sein, dass es sich um einen riesigen, aufgeblasenen Hirnpups meinerseits handelt.

Was kann ich also tun, wenn ich das Gefühl habe, eine Person wirklich trösten zu wollen? Fragen, ob eine Umarmung ok wäre? Das fühlt sich einfach nur schmierig an. Diese Situation hat sich im Arbeitskontext in letzter Zeit mehrfach ergeben und ich habe jeweils beschlossen, nach einigem Herumgeeiere kurz den Arm oder die Schulter der Person zu berühren, statt zu umarmen. Zusätzlich habe ich mein Mitgefühl ausdrücklich verbal untermauert. Derzeit kommt mir dieses Vorgehen am sichersten vor, auch wenn ich mich irgendwie nicht so ganz authentisch dabei fühle – denn ich bin und bleibe ein herzlicher, manchmal eben auch körperlich naher Mensch.

Diese Geschichte hat irgendwie kein richtiges Ende, weil es sich ja um eine andauernde und nicht gelöste Situation handelt. Da ich in letzter Zeit den Blog aber irgendwie fast schon vernachlässigt habe und ich nicht ständig mit der Leier von meinem doofen Blutdruck nerven möchte, poste ich das einfach jetzt und werde gegebenenfalls ein Update verfassen, wenn mir was Schlaueres dazu einfällt.

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I am now almost three years into my physical and social transition from female to male and almost 1.5 years post-op top surgery. And there are things, that seem to become visible now that I am easing into who I represent to the outside world. Lately I have been noticing something in my interactions with people other than P. or close family and friends: I feel inhibited when interacting with cis women.

There. I said it.

An example. While I was still presenting as female to the outside world, I would never have shied away from hugging a woman that I wasn’t close friends with for means of providing comfort in a distressing situation. Now I do. I think what lies in the back of that is that I fear being perceived as invasive, encroaching even. And it is a hesitation I oddly enough feel most, when cis men are present, who are in some case even partners of the women in question. Because with them it is easy pickings. A handshake will suffice completely, most of the time.

Come to think of it, what kind of sounds like a fight with gender clichées in my head, might be just that. Namely the convention that „heterosexual“ men who are not your partner, close friend or family will not hug strangers for comfort. I feel like it might be uncalled for and could freak them out. But maybe it is just me having an enormous brain fart.

What can I do about that urge to comfort someone, though? Simply asking whether a hug would be ok just feels sleazy. I have been in that situation during work several times now and I have resorted to touching an arm or a shoulder in place of a bone-crushing hug. And to expressing my extreme sympathies verbally. Problem is, that change of acting towards others has left me feeling hollow, just not me. I am a hearty, and yes, sometimes also physically close guy.

As I haven’t posted that much lately, I have decided to post stuff I am not through with staking out, yet. I will keep you posted on the matter.

Unterwegs mit Söckchen // On the road with our Söckchen (wee socks)

Liebes Tagebuch. Ich schreibe dir mit müde geröteten Augen. Dies ist keine Eintragung zum Thema Transition, auch wenn sie das Thema irgendwie fast auch schon wieder streift.

Seit drei Wochen etwa hatte sich unsere durch Katzenschnupfen im Kittenalter zu 90% erblindete Katze Söckchen extrem zurückgezogen und wirkte ängstlich-aggressiv. Das passte so gar nicht zu ihr. Ein Grund also, sie nach vergeblicher (und zähneknirschend verabreichter) erneuter Antibiose dann doch einmal unserer lieben Tierärztin vorzustellen, als sie wegen Leftis gezogener Zähne bei uns einen Hausbesuch absolvierte.

„Hm, das sieht nicht so toll aus“, sagte sie, sprach im Weiteren davon, dass es wie eine Flüssigkeitsansammlung aussehe und bat uns, eine Augenärztin in der Tierklinik in Hofheim zu kontaktieren – was wir geknickt auch taten.

Etwa eine Woche später fuhren wir zu unserem Termin dort und wussten zu diesem Zeitpunkt schon, dass die auf Verdacht gegebenen Schmerzmittel sofort Wirkung gezeigt hatten und Söckchen deutlich lebendiger wirkte – kein gutes Zeichen.

Die Ärztin nahm sich sehr viel Zeit, maß den Augendruck und kam nach Fluorezintest und Co. schließlich zu dem erschütternden Ergebnis, dass Söckchen aller Wahrscheinlichkeit nach eine perforierte Iris habe, die ins Auge vorgefallen sei. Eine Enokulation (vollständige Entfernung des Auges) sei unumgänglich, um sie von ihren sicherlich beträchtlichen Schmerzen zu erlösen, zumal sie auf Tests hin keine Reaktion mehr auf Licht auf diesem Auge zeigte.

Bewaffnet mit Schmerzmitteln begaben wir uns in die Wartezeit bis zum OP-Termin 5 Tage später. Heute war es schließlich soweit:
P. fuhr mit Söckchen im Gepäck morgens zur Arbeit und gab sie in der Klinik ab. Ein echter Albtraum für meinen inneren Kontroll-Junkie. Das Augenrollen in P.s Antworten auf meine zahlreichen Textnachrichten bis Söckchen zur Vorbereitung auf die OP abgeholt wurde, war geradezu fassbar. Vielleicht war es gut, dass ich den Vormittag über arbeiten musste, wer weiß. Jedenfalls begab ich mich nach Beendung meiner Verpflichtungen direkt in den Bleifußmodus und eilte nach Hofheim, um Söckchen abzuholen.

Kurz vor meiner Abfahrt von der Autobahn klingelte mein Handy und die Augenärztin gab mir ein Voraus-Update zur OP. Ihrer Stimme nach zu urteilen war alles gut gelaufen, und so war es auch. Ihre Vermutung von der perforierten Iris hatte sich bestätigt. Das Gewebe war wohl geschätzt vor ein paar Wochen schon in die Augenhöhle vorgefallen und hatte Söckchen in der Folge sicherlich starke Schmerzen beschert. In Hofheim angekommen wartete ich noch eine Weile, bis die Prinzessin vollständig wach und ihre Körpertemperatur soweit stabil war, dass wir losfahren konnten. Eine knappe Stunde später nahm ich eine unsicher wackelnde mit einem weichen – einem Harlekinkragen ähnelnden – Konstrukt um den Hals in ihrem Korb entgegen. Ein Auge weniger, dafür einknickende Pfötchen.

An dieser Stelle sei vermerkt, dass ich bei Sichtung des OP-Berichts feststellen musste, dass er an Frau Emmett Helmich gerichtet war. Ich musste lachen und so ergab sich der einzige, mit dieser Geschichte eher weniger verstrickte Transaspekt, als ich die Ärztin darauf hinwies. Sie meinte „Oh, da hat der Empfang wohl etwas verwechselt“. Woraufhin ich entgegnete, dass er so weit gar nicht daneben gelegen habe, denn ich sei Transmann und früher sei diese Anrede durchaus korrekt gewesen. Ihr Gesicht machte ein „Oh“. Schnell sagte sie: „Wir können das natürlich ändern“, worauf ich lachend verzichtete. Und das wars auch schon mit dem Transaspekt.

Als ich wie gesagt die mit einknickenden Pfötchen und wackelndem Gesamtzustand versehene Katze ins Auto geladen hatte, schwante mir Böses. Das Tier machte keinen Mucks. Was mich veranlasste, ihr die ganze Fahrt über alberne Lieder vorzusingen, damit sie merkte, dass sie wieder bei uns war und nicht mehr allein in der Fremde.

Die Rezeptionistin hatte mir gesagt, dass Söckchen etwa 5 Tage separat von den anderen Tieren zu halten sei und sie bis 19 Uhr heute Abend nichts fressen dürfe, dann auch nur eine kleine Portion. Springen besser gar nicht. Und dass sie extrem torkelig sein würde für den Rest des Tages. Ich hatte bei dieser Ansage wie schon zuvor bei dem Hinweis auf den Kragen für die blinde Dame ausgiebig die Stirn gerunzelt, worauf unsere Augenärztin gesagt hatte: „Sie kennen ihre Katze am besten“.

Als ich die Haustür durchschritt, heftete sich dem Transportkorb sofort ein doppelter Schatten in Form von Pesto und Söckchens Schwester Fee an. Sie umringten den Korb. Ferrie schaute ab und an mal um die Ecke. Wie erwartet, quittierte Leftie (ebenfalls blind) die Ankunft des streng riechenden und damit als fremd verorteten Wesens mit exorbitantem Gefauche. Ich ahnte ab diesem Moment, dass meine Arbeitszeit sich heute deutlich in Richtung Abend verschieben würde (ich Depp hatte mit einer zugedröhnt schlafenden Katze gerechnet).

Denn: Söckchen war nicht im Korb zu halten. Ließ ich sie raus, torkel-rannte sie durch die Wohnung, verfolgt von ihrer Schwester, die ihr dabei ab und an auch eine zu semmeln versuchte. Den lästigen Kragen hatte ich ihr direkt entfernt, was auch sofort das Besorgnis erregende Gekratze am Hals beendete. Ich sperrte sie also erst mal ins Bad. Lautes Gemaunze war die Folge. Und unmissverständliches Gekratze an der Tür, gepaart mit Warnmaunzern von Pesto, die meist heißen: „Wenn diese Tür jetzt nicht sofort aufgeht, hau ich gleich jemanden. Mir egal, wen“. Ich ließ Söckchen also wieder raus. Sie eilte aufs Klo. Scharrte und rannte wieder raus. Das Ganze ungefähr 5x, bis sie schließlich etwas drin ließ. Ich setzte sie wieder in den Korb. Fee kam und semmelte ihr durch das Gitter eine. Also gut, Box wieder auf. Lautes Gefauche im Flur, Knurren von Söckchen. Zwischendurch warf sie sich auf den Boden und schubberte mit dem Kopf am Laminat entlang. Wie oft ich sie heute hochgehoben und woanders hingesetzt habe, weiß ich nicht mehr.

Etwa zwei Stunden nach unserer Ankunft kam P. endlich nach Hause von der Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ungefähr 50 graue Haare mehr und die Katze alle Gebote gebrochen, die die Klinik ihr und uns auferlegt hatte. Sie rannte durch die Wohnung. Sprang alles hoch und wieder hinunter. Wenn sie abschmierte, gleich noch einmal. Gegen 17 Uhr war ihr Hungergemaunze so laut, dass wir ihr ein paar Leckerlies gaben. Was mit einer ausgedehnten Spielsession in einer Papiertüte quittiert wurde. Dieses Tier ist entweder vollständig zugedröhnt vom Methadon oder freut sich gerade einfach nur wie irre, dass dieses miese, fiese, autschende Auge endlich weg ist. Vor 10 Minuten hat sie drei Mal heftig genießt und dabei Blut über den Esstisch gesprüht. Es kommt aber nix nach, also Normalbereich. Ich hoffe, ich kriege heute Nacht ein Auge zu, ich sorge mich so, dass alles gut geht. P. wird sicher schlafen, sie nimmt sowas mit himmelsgleicher Gelassenheit (ja, hab gerade gecheckt, sie schläft schon). Ich will was ab davon.

Over and out. 🙂

Nachtrag: Es kam doch alles anders. Als ich um halb 12 ins Bett ging, weil ich nicht mehr konnte (Gerenne und Gefauche mehr oder weniger aller Parteien die ganze Zeit – fast so, wie bei uns Menschen gerade), beschwerte ich mich bei P., dass sie einfach eingeschlafen sei. Woraufhin sie wach wurde und die nächste Wache übernahm. Ich entschlummerte also für ein Weilchen selig!! Danke, Schatz!

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Dear Diary, I am writing to you with tired, red eyes. And this is no entry on my transition, even though it will kind of make its way into the plot at some point.

About three weeks ago, our cat Söckchen increasingly withdrew from the rest of the cat pack. Due to an infection with cat cold as a kitten, which took to her eyes, she has always had an eyesight of about 10%, probably only on her better eye, the left one. The right one had been bothering her on and off with infections for the last three months and we had taken to treating it with antibiotics, something we didn’t like but did the job. When she still withdrew more and even turned to being aggressive (something she just isn’t, usually) we decided to show her eye to our dear vet who came to check on Lefti for his newly pulled teeth.

„Hm, I don’t like the way this looks“, J. said and continued that the eye did look different, almost like there was fluid accumulating. Good physician that she is, she asked us to take Söckchen to a veterinary ophthalmologist about 15 miles from here. Hanging our heads about the fact that this might be something serious, we got in touch with the clinic in Hofheim.

About a week later we had our appointment and, due to having given Söckchen pain medication in the meantime, knew pretty much for sure that the medication made her more lively and happy again – not a good sign at all.

The vet took a perfect anamnesis, tested the eye for injuries with fluorescein, and finally came to the crushing conclusion that the iris of Söckchen’s eye had ruptured, causing her exponential pain. She continued telling us that the complete removal of her right eye was the only way to relieve her of that pain, supported by the fact that she showed no reaction to light on that eye.

With a bag of pain medication we went home again to wait for the eye surgery scheduled 5 days later. Today that day had finally come:

P. took Söckchen with her in her carrier when she went to Frankfurt to work in the morning, dropping her off at the conveniently located clinic on the way. Not a good thing for a control freak like me. The mental eye-rolls in her answers to my numerous WhatsApp-messages up until our princess was picked up and prepped for surgery, were palpable. So maybe it was a good thing that I had to work through the forenoon. For good measure I stepped on the accelerator big time when I finally went to Hofheim to pick our cat up after work.

While I was giving the turn signal to go on the off-ramp to the clinic, my mobile rang. The ophthalmologist was on the other end and judging from the tone of her voice, the surgery had gone well. Her assumptions about the ruptured iris of  Söckchen’s eye had been spot-on. She guessed that the eye had been perforated about two to three weeks ago and that we had an angel of a cat for her not eating our faces due to pain. Arriving in Hofheim I had to wait a bit longer until our cat was fully awake again and her body temperature had been restored enough to transport her home. About an hour later I then got in the car with a very wobbly cat with a caricature of a harlequin-collar around her neck. One eye less, instead with buckling paws.

This is the point in the story where I should probably mention the trans aspect in this story to justify this story even being part of this blog: When I received the report on Söckchen’s surgery I saw that it was addressed to Ms. Emmett Helmich. This was definitely due to the fact that P. had dropped Söckchen off at the clinic but had given my name as the owner’s. So I had to laugh, when our veterinarian handed me the papers and I pointed her to it. She replied „Oh, I guess the co-workers at the reception desk got that wrong, then“. To which I replied that the combination was almost clairvoyant, me being a trans guy and Ms. having been correct for most of my previous life. Her face made an „Oh“, quickly followed by „We will of course change that“, which I declined, still laughing. That was the trans moment of this story. Come and gone like that.

When I loaded the carrier with said wobbly Söckchen in my car, I knew this wasn’t going to be easy. Söckchen didn’t make any sounds – very unusual for her – during the whole trip. Which made me sing her silly songs the whole time to make sure she knew that it was me with her in the car and that she was going home.

The co-worker at the reception counter had told me that Söckchen would have to be housed separately from any other cats for the next five days and that she wasn’t allowed to eat before 7 PM, and then only a small portion. No jumping. And that she would be all buckling legs and drunken walking for the remainder of the day. I had done my bit of eyebrow karate to that information, like I had before, when the vet told me about the collar that our cat was wearing. To which the vet had simply said: „Sometimes they don’t need the collar. You know your cat best. You decide“.

When I entered our apartment, the carrier with Söckchen in it was joined by a double shadow in extremely different sizes: Pesto and Söckchen’s sister attached themselves to my heels and kept walking around me when I finally set the carrier down in my office. Ferrie risked one or two peeks around the corner. And Lefti (the other blind cat in the family), as expected, commented on the strangely smelling intruder by hissing exorbitantly. At this point I realized that working for the rest of the afternoon (as I had planned) would be a feat to achieve (Stupid me. I had counted on her being knocked out, like any normal cat.), because Söckchen had no intention of remaining in the carrier, let alone sleeping off her methadone.

As soon as I let her out, she would reel through the apartment, followed by her sister, who would comment on her reeling by trying to hit her. Being street-smart in that kind of thing I had preemptively removed the silly collar, which immediately ended her endless scratching at her neck. To stop any fights from happening, I transferred Söckchen to the bathroom, which she in return commented on by mutilating the door accompanied by the loudest meowing I ever heard from her. Pesto decided that this was no way to behave and made sounds that announced swift retaliation upon opening the door and that he wouldn’t care who would be hit in the process. So I let her out of the bathroom and she ran to the cat toilet. About five times she went in and out again without doing anything until she finally put out one stinking burger. I put her back into the carrier, her sister came and hit her through the cage door. Ok, so I opened it again. In short: the cat population of Katztel became one hissing, snarling ball of feline goodness while Söckchen threw herself in the shower, rubbing her fresh scar on the tiles. I have lost count on how many times I picked her up to put her someplace else today.

About two hours later, when P. finally came through the door from work, I had an estimate of 50 more gray hairs in my scalp and Söckchen had broken with all recommendations the clinic had given. She was running through the apartment, jumping up and down every piece of furniture she could muster. And when she fell off, well, she immediately tried again. Around 5 PM her hungry meows drove us crazy and we gave her somehing to eat, which was followed up by a playing session in a brown paper bag. This lady is either completely high on methadone or she is beside herself out of happiness of not being in pain anymore. About ten minutes ago, she gave off three hearty sneezes that resulted in bloody snot flying across our dining table. No fresh bleeding though, so everything is fine. I hope I will be able to sleep tonight, because I will be worrying. P. most definitely will sleep through that because she takes these kind of things lighter than I ever will (yup, I just checked, she is already fast asleep). I want some of that, too.

Over and out. 🙂

PS: Everything changed that night. When I finally went to bed around 11:30, because my eyes were falling asleep (all parties running and hissing for hours tired me out), I complained to P. about her having left me alone with that situation. Upon which she got up and took the second shift, so that I could get some sleep as well. Thank you, Love!!!

Weihnachten im Übergang // Have yourself a merry transitory Christmas

Weihnachten steht vor der Tür. Es war ein interessantes Jahr. Ein herausforderndes Jahr. Eines, in dem ich viel gelernt, mich gefreut, getrauert, Verbindungen aufgebaut und welche getrennt habe. Ein Jahr der Überraschungen und Enttäuschungen. Und jetzt geht es zum ersten Mal ohne meine Mutter in den Endspurt.

Letztes Jahr um diese Zeit kam meine Mutter zum ersten Mal nach ihrem Sturz ins Krankenhaus. Das löste eine Spirale aus, die danach nicht mehr aufzuhalten war und die im Juni dieses Jahr mit ihrem Tod endete. Zu diesem Zeitpunkt war ich frisch operiert. Mich überforderte es, mich mit der Versorgung meiner Mutter beschäftigen zu müssen, die mich erst kurze Zeit vorher wieder zu einem zögerlichen Teil ihres Lebens erklärt hatte. Es war schwer, aber zusammen mit P., meinen Brüdern und ihren Frauen machbar. Und es musste sein.

Weihnachten letztes Jahr verbrachten wir teils in einer Senioren-WG, in die meine Mutter kurz vor Weihnachten eingezogen war, teils beim Chinesen nebenan, bei dem das Buffet einer Kaffeefahrt mit drei Busladungen ähnelte. Meine Mutter sagte, es gefiele ihr, wir fanden es einfach nur furchtbar. Zum ersten Mal hatten wir uns nicht mehr bei meiner Mutter zum Feiern versammelt.

Dieses Jahr geht noch einen Schritt weiter, denn nun ist sie an Weihnachten faktisch nicht mehr da. Irgendwie unwirklich. Im Moment lässt mich diese Tatsache noch weitgehend in Ruhe. P. und ich haben den Tag, der nun quasi „frei“ geworden ist, für uns allein und ein Essen mit den Nachbarn verplant. Beinahe erleichtert, beinahe schon Normalität. Aber eben nur beinahe. Meine Mutter, sie lugt um die Ecke in unerwarteten Momenten. Und nicht mehr die unnachgiebige, teilweise fast garstige Frau, die ich in den letzten Jahren erlebt habe. Es sind Erinnerungen an schöne Zeiten. „Also ich denke an Weihnachten bei deiner Mutter mit Fleischschneiden am Esszimmertisch fürs Fondue, an überladene Süßigkeitenteller, das Chaos, die Lockerheit“, sagte P. heute morgen. Ich denke an schneebedeckte Kuppeln auf der Wasserkuppe und die rote Nase meiner Mutter, die unter der Kapuze eines Parkas hervorlugt. Überraschend ist das. Und irgendwie auch versöhnlich. Diesen Teil meiner Mutter werde ich wohl immer vermissen.

Frohe Weihnachten dir und deinen Lieben von Max.

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Christmas is just around the corner. It was a very interesting and demanding year. A year in which I learnt, was happy and sad a lot. A year that saw me building connections and closing doors forever. A year of surprises and disappointments. And now, for the first time, we are reaching the home stretch of the year without my mother.

This time last year, my mother had to be hospitalized for the first time due to falling on a stone floor. This first stay unleashed a cascade that seemed virtually unstoppable and ended in her passing away this June. Last year in December my surgery was merely three weeks old and I was struggling with having to take care of a mother that only recently had made me a reluctant part of her life again. It was hard to be there, but with the help of P., my brothers, and their wives, it was possible. After all, it needed to be done.

We spent Christmas last year partly in the senior citizens‘ community my mother had to move into shortly before Christmas, and partly at the Chinese restaurant next door with a large buffet that drew crowds by the busload. My mother said she liked it, but we thought it was horrible. For the first time in many years (apart from the year before when there was no contact at all) we were not gathered at her home to celebrate together.

This year literally goes one step further. It is the first Christmas that my mother will simply not be around. The feeling this fact produces is remote and kind of alien, even though it doesn’t bother me too much at the moment, even though it only keeps appearing on the margins of my mental vision. P. and I will use this „free“ day over Christmas to spend time together and celebrating with the neighbors. It almost feels like a relief and strangely normal at the same time. Almost being the keyword here. My mother keeps peeking around the corner when I least expect it. And these memories are not ones of the rigid, sometimes ghastly woman I had to experience her as over the last years. No, these memories are those of happy times with her. „When I think of her, I remember cutting meat at the dining table to prepare the fondue, overbearing plates full of sweets, chaos and laid-backness“, P. said this morning when we talked about it. I keep thinking about the snow-covered radar globes on Wasserkuppe, my mother’s red nose protruding from the hood of a parka. That is quite a surprise. And somehow it adds to making peace with her. These parts of her are what I am going to miss forever.

Merry Christmas to you and yours from Max.

Von Hundeohren und anderen Themen // On dogears and other stuff

Es ist Mittwoch. Ich stehe auf, streichele die Katzen, die auf dem Weg zur Küche müde in die Welt blinzeln, öffne den Medizinschrank und nehme zum zweiten Mal in meinem Leben einen ACE-Hemmer, um meinen Blutdruck zu senken. Lange habe ich mich dagegen gewehrt, schließlich liefert mein Herz mir den Stoff für meine Aktivitäten und mit dem kann doch nichts im Argen liegen. Aber mehrere Ärzte drangen dann doch sehr darauf, also gab ich nach. Auch, weil ich meinen Körper noch eine Weile behalten möchte und ich wusste, dass mein Blutdruck eigentlich schon seit Jahren ein bisschen spinnt.

Mein Körper macht mir diese Woche aber auch noch in mehr als dieser Hinsicht zu schaffen. Denn nach viel Hin und Her und nach einem Sommer mit täglichen Trainingseinheiten musste ich mich auch noch in anderer Hinsicht geschlagen geben: Mein Hundeohr unter der linken Achsel – eine Ausstülpung, die beim Vernähen der Mastektomie bei übergewichtigen Patienten gerne einmal entsteht – wird nicht verschwinden. Also entschied ich mich für eine Narbenkorrektur, die diese Woche wieder in Reinbek stattfinden wird.

Dieses Mal habe ich wirklich überdurchschnittlich viel Schiss vor der OP. Ich denke das liegt daran, dass der Leidensdruck dieses Mal unverhältnismäßig viel kleiner ist und die Risiken einer erneuten Vollnarkose sich entsprechend raumgreifend ausbreiten können. Schließlich sind die Mädels nachhaltig verschwunden, was will ich denn noch? Ganz einfach: Ich weiß, dass ich nicht jünger werde. Eventuell werde ich irgendwann auch nicht mehr so trainieren können, wie ich es im Moment tue, und das relativ kleine Hundeohr beginnt dann mehr zu hängen. Und ich weiß, dass mich das fundamental stören würde. Also ein aus ästhetischen Gründen notwendiger Eingriff.

Da unsere Katzen sich seit unserem Urlaub in einem Zustand des Daueraufruhrs befinden, haben P. und ich uns entschieden, dass ich dieses Mal allein in den Norden fahre. Die OP ist ambulant, nach dem Aufwachraum werde ich, sobald ich fit genug bin, wieder entlassen und ziehe meiner Wege. Ab da werde ich einen Tag in einem Hotel in der Nähe verbringen, um mich wieder fahrtauglich zu bekommen, bevor ich am nächsten Tag in mein treues Auto steige und wieder nach Hause dampfe. So der Plan. Ich hoffe, er lässt sich ganz genau so umsetzen. Gedrückte Daumen sind herzlichst willkommen übrigens. Ich werde berichten.

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It’s Wednesday. I get up, cuddle the cats that keep blinking the sleep from their eyes in the bright hallway light, open our medicine cabinet in the kitchen and for the second time in my life take a drug called ACE inhibitor to lower my blood pressure. This came about after long opposition on my behalf. Because, you know, my heart is supplying the energy for all my activities and there can’t be anything wrong with it, period. Right? But then several physicians of different fields of competence started urging me to do something. And because I want to keep my body for a little time longer and because in my heart (muahaha) I knew that my blood pressure had been off for quite some time, I caved.

This week my body is keeping me occupied in more than that reason, though. After careful consideration and a summer of wild exercise I had to admit another fact: My dogear under my left arm – a protrusion occurring sometimes in overweight patients when sewing up the cuts of double incision top surgery – will not go away through exercise. So I decided to get a revision surgery that will take place in Hamburg again, this week.

Weirdly, I am more concerned about this surgery than the last – which was considerably longer. I think this is due to the fact that the dysphoria-related level of suffering is much, much lower, which leaves more room for the risks of general anaesthesia to take hold. Because, now that the girls are history, what else could and should I want? It is quite simple: I know that I can’t turn back time. I am growing older and it is possible that I won’t be able to exercise as much as I do now in the future. Which would definitely cause the dog ear to sag again. And that, I am absolutely certain, would bug the hell out of me. So this is an aesthetic intervention.

As our cats have not really left their unravelled state after our one dream week of a vacation in Octorber, P. and I have decided that this time, I will head north all on my own. It is an outpatient procedure. After waking up they will keep me there as long as I need to walk gaily forward and then toss me. I will spend the remainder of the day in my hotel room getting back to normal, hopefully reaching the ability to drive by the next morning – when I will hopefully head home. That’s the plan. I hope it will turn out exactly that way. Crossed fingers are more than welcome, btw. I will keep you posted.