Unterwegs mit Söckchen // On the road with our Söckchen (wee socks)

Liebes Tagebuch. Ich schreibe dir mit müde geröteten Augen. Dies ist keine Eintragung zum Thema Transition, auch wenn sie das Thema irgendwie fast auch schon wieder streift.

Seit drei Wochen etwa hatte sich unsere durch Katzenschnupfen im Kittenalter zu 90% erblindete Katze Söckchen extrem zurückgezogen und wirkte ängstlich-aggressiv. Das passte so gar nicht zu ihr. Ein Grund also, sie nach vergeblicher (und zähneknirschend verabreichter) erneuter Antibiose dann doch einmal unserer lieben Tierärztin vorzustellen, als sie wegen Leftis gezogener Zähne bei uns einen Hausbesuch absolvierte.

„Hm, das sieht nicht so toll aus“, sagte sie, sprach im Weiteren davon, dass es wie eine Flüssigkeitsansammlung aussehe und bat uns, eine Augenärztin in der Tierklinik in Hofheim zu kontaktieren – was wir geknickt auch taten.

Etwa eine Woche später fuhren wir zu unserem Termin dort und wussten zu diesem Zeitpunkt schon, dass die auf Verdacht gegebenen Schmerzmittel sofort Wirkung gezeigt hatten und Söckchen deutlich lebendiger wirkte – kein gutes Zeichen.

Die Ärztin nahm sich sehr viel Zeit, maß den Augendruck und kam nach Fluorezintest und Co. schließlich zu dem erschütternden Ergebnis, dass Söckchen aller Wahrscheinlichkeit nach eine perforierte Iris habe, die ins Auge vorgefallen sei. Eine Enokulation (vollständige Entfernung des Auges) sei unumgänglich, um sie von ihren sicherlich beträchtlichen Schmerzen zu erlösen, zumal sie auf Tests hin keine Reaktion mehr auf Licht auf diesem Auge zeigte.

Bewaffnet mit Schmerzmitteln begaben wir uns in die Wartezeit bis zum OP-Termin 5 Tage später. Heute war es schließlich soweit:
P. fuhr mit Söckchen im Gepäck morgens zur Arbeit und gab sie in der Klinik ab. Ein echter Albtraum für meinen inneren Kontroll-Junkie. Das Augenrollen in P.s Antworten auf meine zahlreichen Textnachrichten bis Söckchen zur Vorbereitung auf die OP abgeholt wurde, war geradezu fassbar. Vielleicht war es gut, dass ich den Vormittag über arbeiten musste, wer weiß. Jedenfalls begab ich mich nach Beendung meiner Verpflichtungen direkt in den Bleifußmodus und eilte nach Hofheim, um Söckchen abzuholen.

Kurz vor meiner Abfahrt von der Autobahn klingelte mein Handy und die Augenärztin gab mir ein Voraus-Update zur OP. Ihrer Stimme nach zu urteilen war alles gut gelaufen, und so war es auch. Ihre Vermutung von der perforierten Iris hatte sich bestätigt. Das Gewebe war wohl geschätzt vor ein paar Wochen schon in die Augenhöhle vorgefallen und hatte Söckchen in der Folge sicherlich starke Schmerzen beschert. In Hofheim angekommen wartete ich noch eine Weile, bis die Prinzessin vollständig wach und ihre Körpertemperatur soweit stabil war, dass wir losfahren konnten. Eine knappe Stunde später nahm ich eine unsicher wackelnde mit einem weichen – einem Harlekinkragen ähnelnden – Konstrukt um den Hals in ihrem Korb entgegen. Ein Auge weniger, dafür einknickende Pfötchen.

An dieser Stelle sei vermerkt, dass ich bei Sichtung des OP-Berichts feststellen musste, dass er an Frau Emmett Helmich gerichtet war. Ich musste lachen und so ergab sich der einzige, mit dieser Geschichte eher weniger verstrickte Transaspekt, als ich die Ärztin darauf hinwies. Sie meinte „Oh, da hat der Empfang wohl etwas verwechselt“. Woraufhin ich entgegnete, dass er so weit gar nicht daneben gelegen habe, denn ich sei Transmann und früher sei diese Anrede durchaus korrekt gewesen. Ihr Gesicht machte ein „Oh“. Schnell sagte sie: „Wir können das natürlich ändern“, worauf ich lachend verzichtete. Und das wars auch schon mit dem Transaspekt.

Als ich wie gesagt die mit einknickenden Pfötchen und wackelndem Gesamtzustand versehene Katze ins Auto geladen hatte, schwante mir Böses. Das Tier machte keinen Mucks. Was mich veranlasste, ihr die ganze Fahrt über alberne Lieder vorzusingen, damit sie merkte, dass sie wieder bei uns war und nicht mehr allein in der Fremde.

Die Rezeptionistin hatte mir gesagt, dass Söckchen etwa 5 Tage separat von den anderen Tieren zu halten sei und sie bis 19 Uhr heute Abend nichts fressen dürfe, dann auch nur eine kleine Portion. Springen besser gar nicht. Und dass sie extrem torkelig sein würde für den Rest des Tages. Ich hatte bei dieser Ansage wie schon zuvor bei dem Hinweis auf den Kragen für die blinde Dame ausgiebig die Stirn gerunzelt, worauf unsere Augenärztin gesagt hatte: „Sie kennen ihre Katze am besten“.

Als ich die Haustür durchschritt, heftete sich dem Transportkorb sofort ein doppelter Schatten in Form von Pesto und Söckchens Schwester Fee an. Sie umringten den Korb. Ferrie schaute ab und an mal um die Ecke. Wie erwartet, quittierte Leftie (ebenfalls blind) die Ankunft des streng riechenden und damit als fremd verorteten Wesens mit exorbitantem Gefauche. Ich ahnte ab diesem Moment, dass meine Arbeitszeit sich heute deutlich in Richtung Abend verschieben würde (ich Depp hatte mit einer zugedröhnt schlafenden Katze gerechnet).

Denn: Söckchen war nicht im Korb zu halten. Ließ ich sie raus, torkel-rannte sie durch die Wohnung, verfolgt von ihrer Schwester, die ihr dabei ab und an auch eine zu semmeln versuchte. Den lästigen Kragen hatte ich ihr direkt entfernt, was auch sofort das Besorgnis erregende Gekratze am Hals beendete. Ich sperrte sie also erst mal ins Bad. Lautes Gemaunze war die Folge. Und unmissverständliches Gekratze an der Tür, gepaart mit Warnmaunzern von Pesto, die meist heißen: „Wenn diese Tür jetzt nicht sofort aufgeht, hau ich gleich jemanden. Mir egal, wen“. Ich ließ Söckchen also wieder raus. Sie eilte aufs Klo. Scharrte und rannte wieder raus. Das Ganze ungefähr 5x, bis sie schließlich etwas drin ließ. Ich setzte sie wieder in den Korb. Fee kam und semmelte ihr durch das Gitter eine. Also gut, Box wieder auf. Lautes Gefauche im Flur, Knurren von Söckchen. Zwischendurch warf sie sich auf den Boden und schubberte mit dem Kopf am Laminat entlang. Wie oft ich sie heute hochgehoben und woanders hingesetzt habe, weiß ich nicht mehr.

Etwa zwei Stunden nach unserer Ankunft kam P. endlich nach Hause von der Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ungefähr 50 graue Haare mehr und die Katze alle Gebote gebrochen, die die Klinik ihr und uns auferlegt hatte. Sie rannte durch die Wohnung. Sprang alles hoch und wieder hinunter. Wenn sie abschmierte, gleich noch einmal. Gegen 17 Uhr war ihr Hungergemaunze so laut, dass wir ihr ein paar Leckerlies gaben. Was mit einer ausgedehnten Spielsession in einer Papiertüte quittiert wurde. Dieses Tier ist entweder vollständig zugedröhnt vom Methadon oder freut sich gerade einfach nur wie irre, dass dieses miese, fiese, autschende Auge endlich weg ist. Vor 10 Minuten hat sie drei Mal heftig genießt und dabei Blut über den Esstisch gesprüht. Es kommt aber nix nach, also Normalbereich. Ich hoffe, ich kriege heute Nacht ein Auge zu, ich sorge mich so, dass alles gut geht. P. wird sicher schlafen, sie nimmt sowas mit himmelsgleicher Gelassenheit (ja, hab gerade gecheckt, sie schläft schon). Ich will was ab davon.

Over and out. 🙂

Nachtrag: Es kam doch alles anders. Als ich um halb 12 ins Bett ging, weil ich nicht mehr konnte (Gerenne und Gefauche mehr oder weniger aller Parteien die ganze Zeit – fast so, wie bei uns Menschen gerade), beschwerte ich mich bei P., dass sie einfach eingeschlafen sei. Woraufhin sie wach wurde und die nächste Wache übernahm. Ich entschlummerte also für ein Weilchen selig!! Danke, Schatz!

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Dear Diary, I am writing to you with tired, red eyes. And this is no entry on my transition, even though it will kind of make its way into the plot at some point.

About three weeks ago, our cat Söckchen increasingly withdrew from the rest of the cat pack. Due to an infection with cat cold as a kitten, which took to her eyes, she has always had an eyesight of about 10%, probably only on her better eye, the left one. The right one had been bothering her on and off with infections for the last three months and we had taken to treating it with antibiotics, something we didn’t like but did the job. When she still withdrew more and even turned to being aggressive (something she just isn’t, usually) we decided to show her eye to our dear vet who came to check on Lefti for his newly pulled teeth.

„Hm, I don’t like the way this looks“, J. said and continued that the eye did look different, almost like there was fluid accumulating. Good physician that she is, she asked us to take Söckchen to a veterinary ophthalmologist about 15 miles from here. Hanging our heads about the fact that this might be something serious, we got in touch with the clinic in Hofheim.

About a week later we had our appointment and, due to having given Söckchen pain medication in the meantime, knew pretty much for sure that the medication made her more lively and happy again – not a good sign at all.

The vet took a perfect anamnesis, tested the eye for injuries with fluorescein, and finally came to the crushing conclusion that the iris of Söckchen’s eye had ruptured, causing her exponential pain. She continued telling us that the complete removal of her right eye was the only way to relieve her of that pain, supported by the fact that she showed no reaction to light on that eye.

With a bag of pain medication we went home again to wait for the eye surgery scheduled 5 days later. Today that day had finally come:

P. took Söckchen with her in her carrier when she went to Frankfurt to work in the morning, dropping her off at the conveniently located clinic on the way. Not a good thing for a control freak like me. The mental eye-rolls in her answers to my numerous WhatsApp-messages up until our princess was picked up and prepped for surgery, were palpable. So maybe it was a good thing that I had to work through the forenoon. For good measure I stepped on the accelerator big time when I finally went to Hofheim to pick our cat up after work.

While I was giving the turn signal to go on the off-ramp to the clinic, my mobile rang. The ophthalmologist was on the other end and judging from the tone of her voice, the surgery had gone well. Her assumptions about the ruptured iris of  Söckchen’s eye had been spot-on. She guessed that the eye had been perforated about two to three weeks ago and that we had an angel of a cat for her not eating our faces due to pain. Arriving in Hofheim I had to wait a bit longer until our cat was fully awake again and her body temperature had been restored enough to transport her home. About an hour later I then got in the car with a very wobbly cat with a caricature of a harlequin-collar around her neck. One eye less, instead with buckling paws.

This is the point in the story where I should probably mention the trans aspect in this story to justify this story even being part of this blog: When I received the report on Söckchen’s surgery I saw that it was addressed to Ms. Emmett Helmich. This was definitely due to the fact that P. had dropped Söckchen off at the clinic but had given my name as the owner’s. So I had to laugh, when our veterinarian handed me the papers and I pointed her to it. She replied „Oh, I guess the co-workers at the reception desk got that wrong, then“. To which I replied that the combination was almost clairvoyant, me being a trans guy and Ms. having been correct for most of my previous life. Her face made an „Oh“, quickly followed by „We will of course change that“, which I declined, still laughing. That was the trans moment of this story. Come and gone like that.

When I loaded the carrier with said wobbly Söckchen in my car, I knew this wasn’t going to be easy. Söckchen didn’t make any sounds – very unusual for her – during the whole trip. Which made me sing her silly songs the whole time to make sure she knew that it was me with her in the car and that she was going home.

The co-worker at the reception counter had told me that Söckchen would have to be housed separately from any other cats for the next five days and that she wasn’t allowed to eat before 7 PM, and then only a small portion. No jumping. And that she would be all buckling legs and drunken walking for the remainder of the day. I had done my bit of eyebrow karate to that information, like I had before, when the vet told me about the collar that our cat was wearing. To which the vet had simply said: „Sometimes they don’t need the collar. You know your cat best. You decide“.

When I entered our apartment, the carrier with Söckchen in it was joined by a double shadow in extremely different sizes: Pesto and Söckchen’s sister attached themselves to my heels and kept walking around me when I finally set the carrier down in my office. Ferrie risked one or two peeks around the corner. And Lefti (the other blind cat in the family), as expected, commented on the strangely smelling intruder by hissing exorbitantly. At this point I realized that working for the rest of the afternoon (as I had planned) would be a feat to achieve (Stupid me. I had counted on her being knocked out, like any normal cat.), because Söckchen had no intention of remaining in the carrier, let alone sleeping off her methadone.

As soon as I let her out, she would reel through the apartment, followed by her sister, who would comment on her reeling by trying to hit her. Being street-smart in that kind of thing I had preemptively removed the silly collar, which immediately ended her endless scratching at her neck. To stop any fights from happening, I transferred Söckchen to the bathroom, which she in return commented on by mutilating the door accompanied by the loudest meowing I ever heard from her. Pesto decided that this was no way to behave and made sounds that announced swift retaliation upon opening the door and that he wouldn’t care who would be hit in the process. So I let her out of the bathroom and she ran to the cat toilet. About five times she went in and out again without doing anything until she finally put out one stinking burger. I put her back into the carrier, her sister came and hit her through the cage door. Ok, so I opened it again. In short: the cat population of Katztel became one hissing, snarling ball of feline goodness while Söckchen threw herself in the shower, rubbing her fresh scar on the tiles. I have lost count on how many times I picked her up to put her someplace else today.

About two hours later, when P. finally came through the door from work, I had an estimate of 50 more gray hairs in my scalp and Söckchen had broken with all recommendations the clinic had given. She was running through the apartment, jumping up and down every piece of furniture she could muster. And when she fell off, well, she immediately tried again. Around 5 PM her hungry meows drove us crazy and we gave her somehing to eat, which was followed up by a playing session in a brown paper bag. This lady is either completely high on methadone or she is beside herself out of happiness of not being in pain anymore. About ten minutes ago, she gave off three hearty sneezes that resulted in bloody snot flying across our dining table. No fresh bleeding though, so everything is fine. I hope I will be able to sleep tonight, because I will be worrying. P. most definitely will sleep through that because she takes these kind of things lighter than I ever will (yup, I just checked, she is already fast asleep). I want some of that, too.

Over and out. 🙂

PS: Everything changed that night. When I finally went to bed around 11:30, because my eyes were falling asleep (all parties running and hissing for hours tired me out), I complained to P. about her having left me alone with that situation. Upon which she got up and took the second shift, so that I could get some sleep as well. Thank you, Love!!!

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2 Gedanken zu “Unterwegs mit Söckchen // On the road with our Söckchen (wee socks)

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