Transition der anderen Art: Deutschland ohne Stützräder // Transitioning all kinds of ways: Germany – Training wheels are coming off

Am Sonntag ist Wahl. Und irgendwie markieren dieses Jahr und dieser Urnengang für mich eine Transition der ganz besonderen Art.

Ich bin immer zur Wahl gegangen, soweit ich mich erinnere. Ich betrachte es als eine Pflicht und ein Privileg, meine Stimme zur Politik des Landes abzugeben, in dem ich lebe. Es gibt genug Länder auf dieser Erde, in denen Menschen für ein demokratisches Wahlrecht und für die Chance einer Demokratie allein ihr Leben geben. Dass das in Deutschland nicht so ist, hat vielerlei Gründe und viele hiervon haben mit Geographie und Verteilung von Privilegien zu tun. Das macht den Prozess einer demokratischen Wahl aber nicht weniger wundersam und wichtig.

Zum ersten Mal hat bei der Wahl für den Bundestag dieses Jahr eine rechtskonservative Partei die Chance (eine Möglichkeit, die sie dank vieler wütender, nach einfachen Antworten in schwierigen Zeiten suchender Menschen vermutlich auch umsetzen kann und wird), drittstärkste Partei in unserem wichtigsten politischen Organ zu werden. Eine Partei, die sich in ihrem Parteiprogramm wiederholt und unverhohlen gegen demokratische Grundwerte und Menschenrechte stellt. Eine Partei, die Menschen, einem Rattenfänger gleich, mit einfachen Antworten lockt und doch neoliberalen bis faschistoiden Bodensatz verkauft. Programm, Abläufe, gesellschaftliche Bewegungen und Argumentationsmuster verlaufen denen im Jahr 1933 erschreckend ähnlich.

Das Schlimme ist, diese gesellschaftliche Entwicklung scheint ein globaler Trend zu sein. Die USA, ein Land, das seine Hände und seine politischen Grundschwingungen seit Ende des 2. Weltkrieges immer sehr nachdrücklich über uns gelegt und zu uns geschickt hat (welcher Meinung man auch immer dazu sein mag, es war eine Konstante), versinkt derzeit in einer Regierung, die vor manischer Aberwitzigkeit, Egozentrismus, Rassismus, Antisemitismus und vielen anderen Ismen nur so strotzt.

Ich hoffe, dass Deutschland es schafft, sich einem globalen Trend entgegenzusetzen und eine Stimme gegen diese Tendenz zu sein – so klein die Wirkung einer solchen Entscheidung weltpolitisch auch sein mag. Es wäre ein klares und wichtiges Signal. Voraussetzung hierfür ist, dass alle Menschen, die sich seit Jahren bequem in ihrer privilegierten Demokratie zurücklehnen und ihr Wahlrecht nicht wahrnehmen, am Sonntag ihren Hintern vom Frühstückstisch erheben und die 400 m (oder weniger oder mehr) zum nächsten Wahllokal gehen, um ihr Kreuzchen für eine Partei mit demokratischen Grundwerten zu machen. Diejenigen, die nach einfachen Antworten suchen, werden das nämlich mit Sicherheit tun. Und jede nicht abgegebene Stimme macht ihre umso lauter.

Es ist Zeit, die Stützräder abzuwerfen. Es ist Zeit, Farbe zu bekennen. Ob ich meine Stimme in diesem Moment in der Kabine für Stabilität und Establishment oder für die Chance eines Wandels machen werde, weiß ich selbst noch nicht ganz genau. Was ist Stabilität, was Wandel? Was ich weiß ist, dass ich mit demokratischen Grundwerten im Kopf mein Kreuzchen machen werde.

Für deine, für meine, für unsere Grundrechte einzustehen, ist dieses Jahr so wichtig, wie nie. Komplizierte Zeiten brauchen komplexe Köpfe, keine braunen Bretter.

Bitte geh zur Wahl.

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On Sunday, Germany will elect its new chancellor and parliament. And somehow this year and this election mark a very special kind of transition in my eyes.

I have always votes, as far as I can remember. I consider it a duty and privilege to cast my vote for the politics of the country I live in. There are still too many countries in which people are willing to put their lives on the line for obtaining the right to democratic elections. That Germany isn’t one of them has a cornucopia of reasons, many of which have to do with geography and the distribution of privilege and which don’t – in my eyes – make the process of electing representatives democratically less wonderful or important.

For the first time in post-WW2 Germany, this year an alt-right party has a good chance of becoming the third largest power in our parliament (a chance that thanks to many scared and angry citizens they might just grab by the horns). Their party program repeatedly challenges basic democratic rights and human rights alike without seeing any need to sugarcoat it. A party that tries to catch votes by offering simple answers to complicated problems and sending neoliberal-fascist residue along with it. Their program, dynamic and societal reactions carry a frightening resemblance to the events that went down in 1933.

What is most worrisome about this is that the societal shift towards nationalistic tendencies seems to be a global trend. The USA who have strongly influenced our society and politics since WW2 (whatever opinion you might have on that, they were a constant factor) are going belly up through a government full of egocentrism, abstrusity, racism, and antisemitism, to name only a few.

I hope, Germany will be able to put a stop to this trend nationally. To be a voice against this tendency – as small as a decision might feel on a global scale. In my eyes it is important to be that signal. Realising that chance depends on all those people who have become less and less aware of the privilege of living in a democratic country.  It depends on them hauling their asses out of their dining chairs on Sunday morning and walking the 400 m (or less or more) to the election booth to cast their vote. Because those looking for easy answers and swaggering mottos will definitely do it. And every voice not counted will make their voices even more distinct.

It is time for the training wheels to come off. It is time for true colors. Whether I will cast my vote for stability and establishment or a party promising a chance for a positive change, I will most probably decide the moment I enter the booth. What is stability? What is change, after all? I will most definitely cast my vote with democracy at heart, though.

It has never been more important to stand in for your, for our basic rights. Complex times need minds that are able to wrap their heads around it, not brown dimwits.

So I implore you: Please go and vote on Sunday.

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