Von Hundeohren und anderen Stellen // Of dog ears and other scar tissue

Neulich las ich bei einem anderen Blogger, dass er sich nach seiner kürzlich erfolgten Mastektomie erheblich schwertue, zu ertragen, dass er seine Narben täglich spürt. Dass sie ihn daran erinnern, dass dort einmal etwas war. Dass dort etwas ist und heilen muss. Dieser Zustand gepaart mit der Notwendigkeit, sich um die Narbe kümmern zu müssen, bereite ihm regelrechtes Unbehagen. Das brachte mich ins Grübeln. Empfinde oder empfand ich das nach der OP genauso, oder ist das für mich anders? Denn die Zeit vergeht rasend schnell und manchmal vergesse ich scheinbar schon die Hälfte.

Nach der OP, ungefähr für die ersten 4-6 Wochen, nahm ich die Narben wie ein Stahlband wahr, das sich um meinen Oberkörper legte. Im Krankenhaus wurde mir sogar regelmäßig etwas eng um die Brust,wenn ich mehr als 50 Meter ging. Und das Gefühl, als trüge ich einen viel zu engen BH, konnte ich ab und an auch nicht abschütteln. Das erschien mir alles logisch und vergänglich, es löste bei mir daher keine weitere Dysphorie aus. Was mich aber wirklich nervte, war die nicht heilen wollende Stelle. Sie schlug mir gewaltig aufs Gemüt und ich vermute sogar, dass das aus ähnlichen Gründen der Fall war, wie bei dem anderen Blogger. Ich wollte, dass es aufhörte. Dass ich mich nicht mehr kümmern musste, dass der Verbandswechsel alle 30 Minuten aufhörte. Und dieses Gefühl verschwand erst Schritt für Schritt, nachdem die Narben sich geschlossen hatten.

Demnächst habe ich meine OP nun 10 Monate hinter mir. Die Narben unter meinem Brustmuskel sind komplett geschlossen (wäre auch sehr wundersam wenn nicht, nach 10 Monaten) und ich arbeite am gemächlichen Muskelaufbau in der Region. Wundinfektion und Bindegewebsschwäche haben durchaus ihre Spuren hinterlassen und so sehe ich täglich bei der Narbenpflege das recht große Keloid an der Stelle, wo die der Verschluss der Wunde länger gedauert hat. Je nach Wetter und Luftfeuchtigkeit (so scheint es) kann diese Stelle recht hart werden und wirklich hübsch ist sie auch nicht. Aber interessanter Weise stört es mich wenig bis sogar gar nicht, dass sie da ist. Im November werde ich voraussichtlich allerdings das eine „Hundeohr“, einen leichten Gewebeüberschuss unter der linken Achsel, operativ entfernen lassen. Bei heruntergenommenen Armen spüre ich ihn deutlich. Und er stört mich im Gegensatz zu dem Keloid rechts. Wie das kommt, versuche ich mir immer wieder einmal herzuleiten, so richtig durchgestiegen bin ich aber durch den Wirrwarr von Emotionen noch nicht:

Beim Keloidgewebe habe ich das Gefühl, dass diese Stelle nun Mal die Art ist, wie mein Körper auf den Eingriff reagiert hat. Er tat sich schwer mit der Heilung und hat in der Folge eine Verdickung produziert und die Stelle mit mehr Schutz versehen, als notwendig war (ich weiß, ich weiß, das ist nicht die medizinisch korrekte Herleitung, aber mir egal). Das Keloid erinnert mich jeden Tag daran, dass es für mich eben nicht so einfach war, wie „schnippschnapp, einfach ab“ und hinterher erinnert nichts mehr daran. Das würde ich auch irgendwie nicht wollen.

Das Hundeohr hingegen ist etwas, was sich bei übergewichtigen Menschen ab und an entwickelt, da das Brust- und Fettgewebe bis fast in den Rücken hineinreicht. Bei mir entstand es auf der Seite, auf der vorher die größere Brust wohnte. Das kann passieren. Rechts habe ich es interessanterweise z. B. kaum oder gar nicht. Ein Hundeohr ist quasi ein leeres Säckchen, das sich auch durch fortgesetztes Training vermutlich nicht wird zurückbilden lassen (auch wenn ich es schon deutlich kleiner bekommen habe). Daher habe ich jetzt mal einen Termin gemacht und trainiere bis dahin heiter weiter. Mal sehen, wies wird. 🙂

Insgesamt fühle ich mich mit meiner Narbe aber ziemlich prima inzwischen. Ich habe keine Probleme, schwimmen zu gehen, mich in der Umkleide umzuziehen oder damit in die Dusche zu schlappen. Sie gehört zu mir. Genauso wie der Rest meines Körpers. Und ich bin gespannt, wie sie in einem Jahr, in zwei oder in drei Jahren aussehen wird. Mein Therapeut sagt, das ist ganz schön knorke. Find ich auch. Deswegen werde ich ihn in Zukunft wohl auch eher weniger bis gar nicht mehr sehen.

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A couple of days ago I read a piece by another blogger about his recent top surgery. He stated that it turned out to be really dysphoric for him to constantly feel his scars and having to treat them. For him, they are a constant reminder of the form he left behind. Of the fact that he needs to heal. This state in combination with the need to take care of his scar on a daily basis adds to his dysphoria. That got me thinking: Do I feel the same about my scar? And have those feelings changed over time? Because sometimes I marvel at how fast time has been running since top surgery and it is kinda hard to catch up with feelings on the go.

After top surgery, at least mas o menos the first 4-6 weeks, the scars on my chest felt like a tight steel band. While still at the hospital, it sometimes even got as bad as making it hard for me to breathe, if I walked further than, say, 50 meters at a time. Then came the feeling of wearing a much too tight bra all the time. But this all felt logical and transitory to me, which is why it did not add to any dysphoria. What really wrecked my nerves, though, was that one spot under my right nipple that just wouldn’t heal and got nastily infected. The fact, that is was there probably irked me in a way very similar to what the other blogger is experiencing right now. I wanted it to stop. I wanted to stop having to redress the wound every thirty minutes. This feeling slowly subsided after the scar had finally closed up after two rounds of antibiotics.

In two weeks, I am goint to be ten months post-op. The scars under my breast muscles are all closed up (if not, there would have been something SERIOUSLY wrong with it) and slowly but surely I am working on getting my pecs the way they should be. Wound infection and weakness in my connective tissue have done their job, so I keep stumbling upon that pretty big keloid every day when I massage my scars. It marks the position of the wound that got infected. And depending on weather and humidity (or it least it seems like that), this spot can become rock hard. And to call it a beauty would also be far from the truth. Which makes it all the more interesting to me that it doesn’t bother me at all. Something I can’t say about the dog ear that has formed under my left arm, which is why I am going to have revision surgery in November for that – something that the surgeon does for free within one year after the initial surgery. Yay, Germany. The dog ear slightly hinders my movement and I notice it a lot – unlike the keloid. Why it bothers me to a degree that I am willing to be cut open again, beats me, but let me try, nevertheless:

With the keloid it feels like this spot is the way my body reacted to the surgery I subjected it to. It had a hard time healing up and this entailed the area becoming thicker than it needed to. Call it extra padding (I know, I know, this is not the medical reason). Every day it reminds me of the fact that this whole process wasn’t an easy one for me. It wasn’t just off with it and on with it, leaving no trace. That is also something that I wouldn’t want.

The dog ear, however, is something that tends to happen with overweight patients, because the breast and fatty tissue to be removed almost reaches your back. When sewing that up, it can happen that a dog ear forms. Mine appeared on the side where my bigger breast sat before, so that kinda makes sense. The dog ear feels like an empty sack and it will most probably not disappear through weight-loss and working out (although I have managed to decrease it in size through working out my lats). Which is why I have made an appointment for outpatient surgery and will keep working that thing out until then.  🙂

I think I can say that I feel pretty fine with my scar. I don’t have a problem going to the pool, dressing in the locker room, showering there and showing it while I redress. It is a part of me. Like the rest of my body, I take it, as it is. And I am looking forward to seeing how it will develop over the next years. My therapist says that this is pretty ok for such a short period of time. Which is why we will most probably see a lot less of each other in the future.

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