Nein, Sie dürfen diesen Pimmel nicht // Sorry, can’t have that dick.

Gestern Vormittag hatte ich eine Benachrichtigung vom Zoll in meinem Briefkasten. Meine Bestellung aus den USA sei eingetroffen, hieß es da. Ich möge mich mit meinen Kaufbelegen, Ausweis und Geld zur Abholung zu ihnen begeben, um die Ware abzuholen.

Ich hatte Zeit und setzte mich sofort ins Auto. Nach halbstündiger Wartezeit war ich endlich an der Reihe, vor mir eine Dame, die sich lauthals darüber beschwerte, dass sie für ein T-Shirt, das sie im Internet für 6 Euro aus China erstanden hatte, beinahe denselben Preis noch einmal an Einfuhrzöllen beibringen sollte. Als sie gegangen war, blieb die Tür für einen Moment verschlossen und auch die Zöllner hatten kein Problem damit, sich einer Lautstärke zu befleißigen, die den Wartenden vor der Tür das Zuhören problemlos weiter ermöglichte. Ich war als Nächster an der Reihe, klopfte und trat ein. Ich war mir meiner Sache sicher.

„Guten Tag, ich würde gern mein Paket abholen“, sagte ich und hielt Kaufbeleg, Benachrichtigung des Zolls und meinen Ausweis zur Kontrolle hin. Der Diensthabende verschwand kurz in einem Nebenraum, der eher einer Postfiliale ähnelte. Ich blickte mich um und sah eine junge Lesbe, die im hinteren Teil des Raumes stoisch auf ihren Bildschirm starrte. Kurzfristig abgelenkt baute sich in diesem Moment der Diensthabende wieder vor mir auf, stellte ein Päckchen vor mir ab, reichte mir einen Teppichschneider und sagte: „Öffnen Sie bitte Ihr Paket.“

Ich tat, wie mir geheißen. Nachdem ich das Packpapier über dem Inhalt zur Seite geschoben hatte, kamen zwei Silikonpenoide und eine Flasche Gleitgel zum Vorschein. Endlich. Nach einigem Hin und Her hatte ich mir Verstärkung für meinen Packer „Mr Limpy“ aus den USA bestellt. „Und was ist das genau?“, fragte der Zöllner mit einer zu großen Portion Süffisanz in der Stimme für meinen Geschmack und riss mich damit aus meiner Begeisterung. Wie beim letzten Mal vor ein paar Jahren sagte ich entspannt: „Das sind zwei Silikonpenoide und eine Flasche Gleitgel.“ Kaum hatte ich den Satz beendet, als zwei Hände mein Päckchen griffen und es mir wieder entzogen.

„Es tut mir leid“, sagte der Mann. „Ich kann Ihnen das Paket nicht aushändigen, weil weder den Silikonpräparaten, noch dem Gleitgel Inhaltsstoffe und Beipackzettel über die Unbedenklichkeit bei der Verwendung in Deutsch beiliegen. Laut EU Vorschrift 2001/95/EG, die seit letztem Jahr gilt, muss das aber so sein. Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder, der Hersteller bringt die notwendigen Dokumentationen bis zum 22. Juni in deutscher Sprache bei (Nein, schüttelte der Mann den Kopf, eine E-Mail reicht hier nicht, nein, ich dürfe es auch nicht selbst übersetzen, auch wenn ich nachweislich Übersetzer sei) oder Sie beantragen die Überprüfung beim Regierungspräsidium Darmstadt, die bei Nichterfüllung der Vorschriften über eine Zerstörung der Ware entscheidet. Kosten tut sie das aber in jedem Fall ordentlich. Liegt die Dokumentation nicht bis zum 22. Juni vor, senden wir die Ware zurück in die USA. Gehen Sie doch ganz einfach mal in einen Sexshop und schauen Sie sich an, was da so auf den Verpackungen steht“, empfahl der Herr mir großzügig weiter. „Einige dieser Hersteller deklarieren ihre Ware auch als Sportgerät, dann greift aber das CE-Symbol, das auf das Produkt muss.“

Zu diesem Zeitpunkt schäumte ich bereits und musste mir Luft machen. „Ich bin Transmann“, fuhr ich ihn an. „Dieses Präparat ist ein Silikonpenoid, den ich in der Hose trage, wenn ich gern etwas in der Hose hätte. Er ist kein Sportgerät und auch kein Sexspielzeug, er ist eher eine Art Prothese.“

Ganz schlechte Idee.

„In diesem Fall“, süffisierte der Herr weiter, „müssen Sie ganz andere Belege über die medizinische Unbedenklichkeit beibringen.“
„Das Ding hat nicht mal Hautkontakt“, warf ich zurück.
„Das ist unerheblich. Wenn die Herrschaften in den USA nach Deutschland verkaufen wollen, müssen sie diese Vorgaben eben erfüllen.“

Die junge Lesbe, die keine 3 Meter entfernt saß, hatte ihren Blick das ganze Gespräch über weiterhin starr auf dem Bildschirm gehalten und ihre Haltung nicht eine Sekunde verändert. Vielen Dank auch. Ich hatte genug. Ich verabschiedete mich knapp und verließ das Zollgebäude. Wie so oft – wer kennt das nicht – würden mir die perfekten Retorten zu dieser Situation später einfallen. Wie zum Beispiel, dass die Inhaltstoffe für Kosmetikprodukte durchaus quasi immer in Englisch auf Verpackungen aufgedruckt sind. Und dass Englisch ja nun mal auch eine europäische Sprache ist. Ich war enttäuscht. Gekränkt. Überrascht von dieser kafkaesquen Situation. Irritiert. So etwas war mir noch nie passiert. Besonders, weil am Tag vorher meine neue Stehpinkelhilfe aus Silikon in einem Briefumschlag aus den USA in meinem Briefkasten gelandet war mit der Aufschrift „von zollamtlicher Behandlung befreit“. Das hatte ich dem Herren sicherheitshalber aber nicht mehr gesagt. Vor meinem geistigen Auge sah ich ihn nämlich schon durch meine Wohnungstür poltern, meinen EZP greifen und triumphierend „Haha!“ rufend wieder aus der Wohnung stürzen. Und ich wollte meinen EZP gerne behalten.

Zu Hause angekommen unterhielt ich mich zunächst mit einem anderen Transmann, der auch Silikonprodukte aus den USA hat. Er konnte nicht von Schwierigkeiten mit dem Zoll berichten. Meine Brüder versicherten mir, dass die zollamtliche Behandlung nach ihrer Erfahrung allzu häufig sehr persönliche Züge hat und ich einfach ein ekliges Exemplar erwischt habe. Scheinbar ist die Einfuhr solcher Produkte nach Deutschland Auslegungssache und die Möglichkeiten der Auslegung haben in etwa die Breite des Nildeltas bei Hochwasser. Das macht dieses Erlebnis nicht weniger schal im Beigeschmack. Auch die Tatsache nicht, dass andere Produkte des Gleitgelherstellers bei amazon.de problemlos erhältlich sind. Und Mr Limpy aus den Niederlanden, wo es solche Probleme scheinbar nicht gibt (dort habe ich im Übrigen das Ding dann auch noch mal bestellt, nämlich hier . Bleibt zu sagen, dass es sicherlich nicht immer Probleme bei Bestellungen aus den USA gibt, aber es ist zumindest möglich, dass der Zoll zickt.

_________

Yesterday morning I found a notification from German customs in my mailbox, telling me that my order from the U.S. had arrived and I could pick it up, given I had receipt, ID and money to pay for import fees with me.

I had time until my next appointment and headed directly to my car. After waiting in line for half an hour (a lady in front of me who loudly complained about having bought a 6 euro t-shirt from China and being asked to pay a similar amount of import fees finally left in a ball of fire) it was my turn. After hellish exit, though, the doors of the pick-up room remained closed for a little bit longer and the customs co-workers also had no problem whatsoever to use a volume enabling the people outside to continue to eavesdrop. I was next up. I knocked and went in, pretty sure of what was going to happen. Boy, was I wrong.

„Hello, I would like to pick up my parcel“, I said, handing over my receipt, the customs notification and my ID. The man on duty shortly disappeared to an adjacent room that looked like a post office. While he was doing his thing I took a look around and saw a young lesbian in the back of the room, stoically staring at her monitor. This distracted me for a bit so that the man coming back with my parcel gave me a slight start when he put my parcel in front of me, handed me a box cutter and said: „Open the parcel, please.“

I did as he told me. After pushing the packing paper aside, the contents of my box came into sight, two silicone packers and a bottle of lube. Finally. After discussing the pros and cons with myself at length I had finally decided to order another „Mr. Limpy“ from the U.S., a brilliantly realistic AND inexpensive packer. „And what is it that we are looking at here, exactly?“, the customs officer asked with a tad too much smugness in his voice for my taste. My excitement wilted a little. Like the last time, a couple of years ago, I answered truthfully: „Well, those are two silicone penoids and a bottle of lube.“ And upon completion of that sentence, two hands grabbed my parcel and took it away from me.

„I am sorry“, said the man, „but I cannot hand that parcel over to you, as neither the silicone items nor the lube have contents listed on the package and a package leaflet stating the clearance for body contact in German, which it needs to be according to EU regulation 2001/95/EG, valid since last year. You now have two options: Either, the producers can send the neccessary documents in German until June 22 (no, the man shook his head, an e-mail would not suffice and also no, I would not be allowed to translate them even though I was a translator) or you could ask the regional council of Darmstadt to test the products regarding their fulfillment of European requirements. If they decide the rules are not met, they will destroy the items upon decision. In any case you will have to pay for that process. If the required documents are not here on the 22nd, we will send your order back to the U.S. Why don’t you go to a local sex shop and find out what they use as package leaflets“, the guy started handing out advice. „Some of the producers declare their articles as sports goods, but in that case the package needs to have the CE-symbol.“

At this point of the conversation I was fuming and needed to vent. „I am a transguy“, I blurted out. „This piece of silicone is an artificial penoid I use when I feel like having something in my pants. It is NOT a sports article. It is not a sex toy. It is more likely a kind of prosthetic.“

Bad idea.

„In that case“, this guys smugness reached its peak, I am sure he had to wipe his pants after, „you need another barrage of documentation to state the medical harmlessness.“
„That thing doesn’t even touch my skin“, I replied.
„That doesn’t matter. If those people in the U.S. want to sell to Europe, they will have to comply.“

The young lesbian, sitting mere 3 m away from all this had kept her head straight ahead staring at her monitor for the whole conversation. Her face an empty mirror. Thank you very much. I had enough, gave my goodbyes and left the building. Like so many times before, the perfect retorts would come to me later. For instance like that the contents of cosmetic products are always listed in English on bottles. And that English still is a European language, last time I checked. I was disappointed. Irritated. Surprised by this kafkaesque situation. I had never experienced something similar before. Especially, as one day prior to that incident I had found an envelope in my mailbox from the U.S. with my new STP-device in it. Made of silicone and endowed with a customs stamp saying „exempt from customs“. I intently had not told the guy at customs about that. Before my inner eye I could already see him, barging into our apartment, taking my EZP yelling „hahaa“ triumphantly and dashing out again. And I wanted to keep my EZP.

Back at home I talked to another trans guy who also has silicone products from the U.S. He had never had any problems with customs. My brothers assured me that customs decisions could vary as much as the Nile delta in mud season. Which didn’t help making the aftertaste of this event less stale. Just like the fact that similar lubes from the same producer are available through amazon.de without any problems. And Mr. Limpy? From the Netherlands, which obviously don’t have these problems (btw, I then ordered my item once again from there). Remains to be said that it is very possible that packer orders from the U.S. get through to Germany, but then again, customs people might also decide to be asswipes.

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2 Gedanken zu “Nein, Sie dürfen diesen Pimmel nicht // Sorry, can’t have that dick.

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