365 Tage Max // 365 days of Max

Heute vor genau einem Jahr wurde das Urteil in meinem Verfahren zur Vornamens- und Personenstandsänderung rechtskräftig. Auch vor dem Gesetz, vor dem Standesamt, vor sämtlichen Behörden und Menschen, die mit mir geschäftlich in Kontakt stehen, wurde ich damit Emmett Maximilian, männlich. Neben einer unglaublichen Menge von Rennereien (wer hätte gedacht, dass man mit 45 Jahren derart viele lose Enden, sprich Kontakte mit seinen persönlichen Daten unterhält) bedeutete das für mich herauszufinden, wie Menschen, die mich nur per Namen oder, wie bei meinem Telefonanbieter, über eine Nummer kennen, mit meiner Namens- und überhaupt Änderung umgehen.

Erstaunlicherweise gestalteten sich die meisten Abläufe zu Änderungen völlig entspannt und obendrein mit einem gehörigen Maß an Einsichten zu den persönlichen Einstellungen meines Gegenübers zu dem, was ich vorhatte. Von klarer Ablehnung bis zu Tränen in den Augen war alles dabei. Den Preis für den wohl lockersten Umgangs mit Emmett Maximilian als Behörde bekommt in diesem Zusammenhang die Gewerbesteuerstelle Wiesbaden. Hier reichte, dass ich am Telefon kundtat, dass mein Name und Personenstand sich geändert hätten. Lapidarer Kommentar: „Ich denke nicht, dass sie mir so etwas mitteilen würden, wenn es nicht so wäre. Mir reicht das, wenn sie mir das sagen. Ich habe es jetzt in ihrem Datensatz geändert.“ Unglaublich im Vergleich zu Telefonica, die auf einem Papierdokument des Urteils bestanden, um meine Vertragsstammdaten zu ändern (nachdem sie sich initial sogar geweigert hatten, meinen Namen zu ändern, weil das Namensänderungsformular nur für Eheschließungen zu nutzen ist).

Was das alles mit mir tat? Zuerst einmal gewöhnte ich mich daran, meinen neuen Namen recht häufig zu schreiben und auch zu unterschreiben. Es ist unglaublich, wie gewöhnt eine Hand nach knapp 39 Jahren an ein und denselben Namen sein kann. Ansonsten ließ mich das alles erstaunlich unbeeindruckt.

Nach wie vor stört es mich, mit der sehr binären Änderung von Namen und Personenstand irgendwie auf die dunkle Seite der Macht gewechselt zu sein. Vor meinem geistigen Auge blitzen gerade meine Körperteile in die weißen Plastikbecher einer Stormtrooper-Rüstung gehüllt auf. Ich kann nicht behaupten, dass mir der – zumindest nominale – Wechsel auf die Seite des Patriarchats je wichtig oder erstrebenswert gewesen wäre. Gleich „alles in einem Abwasch“ zu ändern war der sichere, gesellschaftskonforme Weg. Dafür fühle ich mich erstaunlich schlecht, ab und an, stehe aber dazu.

Fühle ich mich jetzt, ein Jahr später, mehr als Mann als vorher? Ist das Sein dem Namen gefolgt? Hm. Gute Frage. Ich glaube, ich würde eher sagen, ich bin mehr ich selbst. Das vergangene Jahr ist neben all den Unsicherheiten und Neuentdeckungen, die eine Transition so mit sich bringt, auch ein Jahr ziemlicher Selbstzufriedenheit im positivsten aller Sinne gewesen. Ich fühle mich zu Hause in meinem Körper. Angekommen. Wohl. Sicher. Mein neuer Name ist ein Teil davon. Und ich hoffe, dass das noch möglichst lange so bleibt.

P. hat diesen Tag übrigens gänzlich prosaisch heute Morgen im kopfduseligen Aufstehtanz verdrängt (sie schwört aber, gestern Abend noch daran gedacht zu haben, als sie das Datum im Kalender sah). Romantisch, wie sie durchaus auch einmal sein kann, machte sie dies aber mehr als wett, als sie heute Nachmittag mit einer Rose und einer Portion veganen Gnocchi mit Pilzen, als Geschenk verpackt, nach Hause kam. Sie kennt mich halt.

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Exactly one year ago today, the court decision regarding my name and gender marker change became valid. Starting that day, every registry, office and people who are doing business with me had to change their contacts to Emmett Maximilian, male. Apart from the smorgasbord of running-around that this entailed (who would’ve thought that you collect that many loose ends in 45 years of life, i. e. contacts attached to your personal data) for me this meant finding out how people, who only know me by name or  – as with my phone provider – number, would deal with those changes.

Interestingly enough, most proceedings regarding the change went extraordinarily smoothely and with a fitting amount of insight about the personal opinions of the persons involved regarding my undertaking. I was confronted with almost every possible emotion, from downright rejection to tears in the corners of eyes. The prize for the most relaxed office in terms of transition will have to go to the trade office handling my trade tax in Wiesbaden. When I called them to ask what kind of documents they would need regarding the changes I received the following comment: „I don’t think you would make up something like that unless it was exactly as you told me. I will change your data right now and the next invoice will then be issued in your new name.“ The ease with which that woman handled a situation she is likely to not have encountered that often was incredible, compared to Telefonica (my cell phone provider) who insisted on receiving a hard copy of the court order in order to change my name (something they had downright rejected in the beginning, telling me that the name change form available on their website was solely for people getting married).

What that did to me was that I got used to writing and signing my new name pretty fast. And let me tell you that much: It is unbelievable, how attached a hand can become to spelling a name in 39 years of being able to write. Apart from that, I was more or less unimpressed by what was happening.

What still bothers me about this very binary change of name and gender markers is having kinda joined the dark side of the force. My inner eye is channeling myself clad in the white yogurt containers of a storm trooper uniform as I type. I cannot say that the nominal adoption of patriarchy has ever been important, let alone worth striving for for me. To do everything in „one sitting“ still was the safer way, as I conformed to the rules of society, making the in-between invisible in the process. I still feel pretty bad about that but I stand by my choice.

Do I feel more like a man than one year ago? Good question. I think I would rather go with „I am more myself“. The past year with all its insecurities and novelties that the transition entailed was also a year of self-satisfaction in the most positive sense possible. I finally feel at home in my body. I am settling in, claiming it as my own, happy and safe. My new name is part of that and I hope that this feeling will stay with me indefinitely.

BTW, P. totally forgot the date in the foggy-headedness that was our morning (but she swears she thought about it last night when she saw the date coming up in her calendar). As the romantic that she can be, she more than compensated for that this afternoon by coming home with a rose and a side of vegan gnocchi with mushrooms, gift-wrapped. She knows me well, that one.

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