So ist das mit Toastbrot // On how to see toast.

Neulich saß ich mit meinem Bruder C. und seiner Familie beim Mittagessen in einem Restaurant, nachdem ich meine Mutter besucht hatte. Als wir das ziemlich leckere Essen verputzt hatten und Entspannung sich breit machte, kam irgendwann irgendwie noch einmal das Thema meiner Namensänderung auf.

Mein Neffe L. ist ein schlauer Kerl. Schon zu Beginn meiner Transition, weit vor der Brust-OP, hatten wir einmal eine Diskussion über Konsequenz vor dem Herren- und Damenklo in einem Restaurant geführt (damals war er noch nicht einmal in der Schule, wenn ich mich recht erinnere). Und das ging in etwa so:

L. versperrte mir den Zugang zum Damenklo mit den Worten: „Da darfst du jetzt aber nicht mehr rein.“
Ich: „Eigentlich hast du Recht, aber ich habe immer noch meine Mädels (mein Codewort für Brüste) und das könnte auf dem Männerklo ein bisschen seltsam aussehen.“
L. (heftig den Kopf schüttelnd): „Nein, wenn du Max sein willst, dann musst du jetzt auch aufs Männerklo gehen.“
Ich bewunderte den Knirps für seine Konsequenz, konnte ihn am Ende aber doch überzeugen, dass es für alle Beteiligten vermutlich am wenigsten seltsam wäre, wenn ich bis zu meiner OP weiter zum Damenklo ginge, da ich nun einmal nicht abband.

Und so wurde L. in diesem Teil der Familie zu so einer Gradmesser in Sachen Konsequenz, wenn es um die Umsetzung meiner Transition ging. Wieder zurück beim Thailänder vor ein paar Tagen entspann sich dann nach dem bereits erwähnten, leckeren Essen folgendes Gespräch:

„Du, Onkel Max, der Papa sagt aber schon noch manchmal deinen alten Namen, wenn er über dich spricht. Und die Mama auch.“
„Stimmt“, sagte mein Bruder, „aber die Mama ist da schon viel besser, als ich“.
Ich nickte und sagte zu L.: „Weißt du, das ist nicht wirklich schlimm, eigentlich ist es sogar ziemlich verständlich. Der Papa ist der, der mich neben deinem anderen Onkel und Oma und Opa am längsten auf dieser Welt kennt. Und mit Namen ist das irgendwie wie mit einer Scheibe Toast. Wenn du viele Jahre immer nur die eine Seite des Toasts anguckst, ist es ganz schön schwer, die Scheibe umzudrehen und sich umzugewöhnen.“

Das Problem mit diesem impromptu-Gleichnis fiel mir noch auf, während ich den Satz zuende sprach. L., mindestens genauso schnell, feuerte dementsprechend direkt los:
„Aber Onkel Max, Toast sieht doch von beiden Seiten gleich aus!“

Recht hatte er. Das änderte nichts daran, dass das Gleichnis gar nicht so dumm war, denn die Beschaffenheit der Toastbrotscheibe, die verändert sich ja wirklich nur minimal beim Wenden, so ähnlich, wie ich mich durch die Transition. Es sei denn, du bist ein Endstück (mein Lieblingsstück, aber lassen wir das). Trotzdem musste eine Rettung für meine fehlerhafte, lebensmittelbezogene Idee her. Ich versuchte es so:

„Das stimmt natürlich. Aber wie das mit Toast so ist, mag er zwar auf beiden Seiten gleich aussehen, aber meistens schmierst du ja nur auf eine Seite was drauf. Und wenn der Toast dann mal runterfällt, bleibt er fast immer auf der Seite liegen, auf der du schon was verteilt hattest. So ist das auch mit Namen. Sie sind klebrig. Und Menschen gewöhnen sich an sie. Vermutlich dauert es noch ein bisschen, bis alle problemlos meinen neuen Namen benutzen und damit die andere Seite bestreichen können. Aber das ist ok, solange es einfach immer wieder probieren. Wir haben ja Zeit.“

Ein Lächeln fuhr über L.s Gesicht. „Das stimmt“, sagte er.

PS: Natürlich hatte dieser Post ein Nachspiel. P. las ihn und rief mir aus dem Schlafzimmer zu: „Warum hast du nicht Brötchenhälften genommen? Da ist viel klarer, dass sie zusammengehören, aber sie sehen halt unterschiedlich aus.“ Recht hat sie. 🙂

__________

Last week I went to lunch at a restaurant with my brother C. and his family after having visited my mother at the hospital. We had just devoured our really tasty Thai food and lingered for a bit. Sometime into the lounging, my name change came up again.

My nephew, L., is a pretty smart cookie. In the early days of my transition, far, far pre top surgery, he and I once had a pretty nifty discussion about being consistent in transition, in front of the restrooms at a restaurant, no less. At that time, he was a pre-schooler and our conversation went something like that:

L. – blocking the door to the ladies‘ room: „You can’t go there anymore, now.“
Me: „You are absolutely right. But I still have the girls (which was code for boobies). That might come across a bit weird in the men’s room.“
L. (shaking his head vigorously): „No. If you wanna be Max, you need to go to the men’s room, now.“
I admired the little bean for his consistency but finally was able to convince him that at this stage it would probably be best for everyone, if I went to the ladies‘ room until my surgery, because I wasn’t binding.

This is how L. became a kind of cornerstone of consequence in all things transition in that part of the family. Back at the Thai restaurant last week, the following conversation developed:

„Uncle Max, dad sometimes still says your old name when referering to you. And mom, too.“
„That’s true“, admitted my brother, „but mom gets it right a lot more often, than I do, really“.
I nodded and said to L.: „You know, that doesn’t bother me. I think, it is quite understandable. Your dad, apart from your other uncle and grandpa and grandma is the one who knows me longest. With names it is a bit like with slices of toast. When you are used to looking at only one side of it for many years, it is pretty hard to turn the slice and start over.“

The problem with this impromptu simile became obvious to me while I was still at it.
L., who had noticed as well, pelted me:
„But uncle Max, toast looks the same on both sides!“

True dat. I still think the simile wasn’t half bad, because it underlines that the structure of a slice of toast only varies minimally when turning it over, just like you don’t really change at your core during transition. Unless you are the end of the bread, of course (my fave, btw). I needed a save on my wonderfully faulty, food-based idea. So I tried it like that:

„That’s correct, L. But you usually smear something tasty on a piece of toast, right? Because that is, what toast is for. And when a slice then falls down, it tends to land on the side that has already been tampered with. With names it is just the same. They stick. People get used to them. And I guess some people just need more time than others until they can start spreading their favorite topping on the other side of the toast. But that’s ok, as long as they keep trying to do it. We have all the time in the world to get there.“

L. smiled. „That’s true“, he said.

PS: Of course there was an aftermath to this post. P. read it an belted out from the bedroom: „Why didn’t you take the upper and lower half of a bun? It would have been so much easier, because they obviously belong together but look different.“ Where she’s right, she’s right. 🙂

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