Obstipation grande. // On feeling opstipated.

Vorhin haben P. und ich uns gezofft. Eine Bemerkung, von ihr (ihrer Aussage nach) harmlos und humorvoll abgeschickt, verwandelte sich auf dem Weg von meinem äußeren Gehörgang in mein Gehirn in einen zynischen Kommentar, der einen sofortigen Rückschlag verursachte.

Das passiert in der letzten Zeit öfter. P., wie immer entsprechend ihrer weißen Haare weise vor ihrer Zeit, zog daraus die Schlussfolgerung, dass ich mein Frühstück doch erst einmal mit etwas Vorsprung zu ihr einnehmen solle. Anders als sonst, kam ich diesem Ansinnen einfach mal nach und verzog mich mit meinen Samstagsbrötchen an den Esstisch.

Und dort, zwischen Sesamkörnern, Margarine und heißem Tee mit Sprudel (ja, ich bin pervers), traf mich folgende Frühstückserkenntnis. Ich muss im Moment im Sozialkontakt vorsichtiger sein, denn was ich gerade habe, ist emotionale Verstopfung. Say what, sagst du? Let me explain:

Seit gestern Abend ist meine Mutter wieder mit einer Urosepsis im Krankenhaus. Fieber trotz Antibiotikum. Heute hat sie Geburtstag. Und obwohl das Verhältnis mit meiner Mutter – wie bereits ausreichend beleuchtet – ein schwieriges ist, macht mich dieser Umstand hilflos, wütend und auch traurig. Und insbesondere das Traurig ist das Problem, denn ich kann nicht darüber weinen, so sehr ich mich auch danach sehne. Testosterondecanoat sei Dank. Oder eher sei Fluch. Denn ich bin traurig. Traurig, dass es so für meine Mutter kommt, wie es gerade kommt. Traurig, dass sie diese Art Mensch ist, die einen Umgang mit ihr so unglaublich erschwert. Traurig, dass sie sicher auch aufgrund äußerer Umstände in ihrem Leben zu solch einem Menschen geworden ist. Traurig, dass ich eben nicht einfach nur noch mitfühlen kann. Tränen, die ich gerne fließen lassen würde, kommen nicht. Also sucht meine Psyche sich als Übersprungshandlung einen emotionalen Zustand, der ähnliche Erregung und Intensität aufweist, und sucht Streit.

Es tut mir Leid, Schatz. Ich arbeite an einer verbesserten Version.

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A couple of hours ago, P. and I got into a fight. An according to her harmless and funny remark managed to turn into a cynic comment on its short journey from my outer ear canal to my brain, demanding immediate retaliation.

Sadly, this has grown into something of a pattern in the last couple of weeks and so P., as always and like her silvery white hair wise before her years, came to the conclusion I should start into today’s breakfast with a five-minute lead to calm down. And although I usually tend to ignore requests like that, I complied and went to devour my Saturday morning sesame rolls.

There, between sesame seeds, margarine and hot black tea with sparkling water (yes, I am that special kind of crazy) I had my brekkie epiphany: I need to be more cautious in social interaction, because what I have is a serious case of emotional obstipation. Say what, you say? Lemme explain:

Yesterday evening my mother returned to the hospital for the third time in three weeks with an urosepsis and rising fever despite her being on antibiotics. Today is her birthday. And even though our relationship – as already explained – is far from being less strained, this circumstance makes me a special kind of helpless, angry, and sad. It is especially the sadness that gives me a hard time, as I still cannot cry, even though I am longing for that release, thank you testosterone decanoate. Or rather dammit. Because I am fucking sad. Sad that my mother has to go through all of this. Sad that she is the kind of person that makes dealing with her in these times so much harder. Sad for her, that her life and her range of dealing with it turned her into that person. Sad that I can’t just be with her as a child. Those are tears I would love to shed. But they won’t. So my psyche turns to a displacement activity offering a similar kind of agitation and intensity and picks a fight.

I am sorry, hon. I am working on an improved experience.

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