Deine Beine sind verkehrt herum. // Why are your pants around your ankles?

Fünfeinhalb Monate ohne Mädels, für mich die ersten fünfeinhalb Monate im Männerklo. Ist das komisch für mich? Auf den ersten Blick muss ich schulterzucken. Es ist ein Klo. Wie jedes andere auch, vielleicht etwas auffälliger in Sachen olfaktorische Belästigung (siehe der letzte Post zu Klogesprächen). Und der Boden klebt mehr. Viel mehr. Aber ansonsten ist das nicht wirklich eine Veränderung. Als Transmann ohne STP – ein in Penoidform verwendeter Silikongegenstand, der je nach Fabrikat ein mehr oder minder unfallträchtiges Urinieren im Stehen ermöglicht – stelle ich jedoch fest, dass hier Gedanken jenseits von „das war jetzt aber dringend“ deutlich häufiger meinen Weg kreuzen, als in einer Damentoilette.

Und dabei geht es mitnichten um Probleme, denen ich inzwischen in Herrentoiletten begegnet wäre. Bin ich nicht. Überhaupt nicht. „Noch nicht“, sagt die inzwischen schon Miete zahlende kleine Stimme in meinem Hinterkopf. Denn es ist so (und hier kommt der erste Punkt): Ein Herrenklo, das hat im Minimalfall ein Kloschüsselklo und ein Pissoir. Und was ist, wenn das Kloschüsselklo defekt ist? Wo gehe ich dann aufs Klo? Aufs Damenklo, so, wie ich das zu weiblich wahrgenommenen Zeiten mit dem Männerklo handhabte, geht mal eher gar nicht. Die mit dem Szenario „Mann-im-Frauenklo“ verbundenen Implikationen sind in der Regel eher ungut geprägt.

Bis jetzt ist so ein Fall glücklicherweise noch nie eingetreten. Aber glaube ich anderen Transmännern, dann ist das eigentlich nur eine Frage der Zeit.

Zweiter Punkt: Bei meinen Klobesuchen sehe ich bislang selten mal eine Gestalt an ein Pissoir gedrückt, meist bin ich allein. Und sehr, wirklich nur sehr selten befindet sich im anderen Kloschüsselklo ein anderer Mensch und benutzt es auf die ihm notwendige Weise. Und dann passiert das. Auftritt kleine Stimme im Hinterkopf von links:

„Was ist, wenn der jetzt deine Schuhe sieht und feststellt, dass du nicht mit dem Gesicht zum Klo stehen kannst? Und was ist, wenn er dich jetzt nur pinkeln hört? Und was denkt der dann, warum um Himmels Willen du im Sitzen pinkeln willst?“ Denn man(n) hört auch einen Unterschied, aus welcher Höhe ungefähr Flüssigkeit in die Schüssel rauscht. Oder: „Was ist, wenn der jetzt nur Pinkeln hört, du aber nicht mal gepupst hast?“ Kleine, feine, innere Monologe, die (so unwichtig sie im Endeffekt sind, weil mir theoretisch Wurst ist, was andere im Klo von mir denken) ich früher nicht im Traum gehabt hätte und die vor allem eines belegen: Ich fühle mich hier nicht ganz angekommen. Ich bin nicht nur hier, um zu pinkeln. Ich bin hier, weil es keinen anderen Ort mehr gibt, an den ich dafür gehen könnte. Und ich muss da noch reinwachsen.

Für solche Anlässe und für ein besseres „Passing“ (Erkanntwerden als aufs jeweilig passende Klo gehörig) wäre sicherlich ein Modell der oben schon genannten Pinkelhilfen eine Möglichkeit, aber ich stehe mit allem, was mir künstlich angelegt/angeklebt oder sonst wie angehängt wird, extrem auf Kriegsfuß. Von den hygienischen und Verstauungsimplikationen nach der Tat einmal ganz abgesehen.

Bleibt zu hoffen, dass sich diese Stimmen in meinem Kopf irgendwann, wie so viele andere auch, einfach schlafen legen.

PS: Nachdem ich diesen Eintrag gepostet hatte, regnete es Kommentare und Post. Jene, die mich nachdrücklich beruhigten (auch wenn ich auf ein angebotenes Stehpinkelturorial gerne zurückkomme), stammten teils von anderen Transmännern, die ähnliches „Kopfkino“ mit sich herumtragen, teils von Biomännern, die nachdrücklich und glaubhaft versicherten, dass sie im Klo nicht einen Pups auf Geräusche aus der Nebenkabine achten und ich doch einfach auf ein freies Klo warten solle. Ein Transmann berichtete von ähnlichen Konversationen. Ich hoffe nun einfach, dass das ein ganz normaler Anfall von Klo-Paranoia ist. 🙂

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Five and a half months without the girls and counting. In my case also my first five and a half months going about my business in the men’s room. Isn’t that strange? At first glance, no (shrugging my shoulders). It is a place like any other with toilets. Maybe on the olfactorily more memorable side (see also my last post on restroom-talk). And your shoes tend to stick to the floor more often than not. But apart from that: A place like any other with toilets. Not really much of a change. As a transmasculine being without an STP (stand-to-pee-device – a penoid made of silicone that will enable you to, well, pee standing, risk of pee-related incidents depending on model and build, thank you very much) I realize that I think a lot more than I used to on the loo (apart from ubiquitous „Damn, I REALLY had to go this time“).

And these thoughts do not relate to any unpleasant incidents I might have had. I haven’t. No incidents whatsoever. „Yet“, replies the little voice in the back of my head which I will charge rent soon. Because (and this is the first of two trains-of-thought): A men’s room is a place that will in the most minimalist of cases consist of one big white and one urinal. And what will I do if the regular stall is out of order for some reason? Where will I go? The women’s room (like I did with the men’s room while still clearly gendered female) is out of the question due to the obvious man-in-the-women’s-restroom implications.

Until now I have been blessed with this situation not arising. But if I listen to other transmale beings, tit is only a question of time.

Second train of thought: When going to the men’s room I have yet to encounter larger amounts of cohabitants. Mostly I see one person pressed against a urinal, busy with staring at the wall. And very, very rarely there might be another occupant in the stall next to me, using the facilities. Little voice in the back of my head, entering from the left:

„What if that guy sees your shoes or your pants around your ankles and knows that you are not facing the toilet? What if he hears you pee, but nothing else? And what will he think about you because you are obviously peeing in a public restroom sitting down?“ And also: „Will he hear that I am not standing up while peeing?“ or „What if he hears you pee but you don’t even pass air, at least a little bit?“
Teensy-weensy little monologues that (as unimportant as they ultimately are because I couldn’t care less about what other people think I do in a stall) I would never even have considered before my transition and that prove that I am not completely at ease, yet. I am not only here to pee. I am here, because my anatomical settings don’t really allow me to go anyplace else. And I guess that just still takes some getting used to.

For moments like these and for improved passing, an STP could offer a solution for reaching relative peace of mind. But I am more than a little at odds with anything artificial pressed, glued or attached otherwise to my body, let alone the hygienical implications post-deed.

Which is why I hope that this little voice will be put to rest in due time, like so many others before it.

PS: After publishing this post, it rained comments and e-mails. Those which really  let me cool down about this topic (even though I will most gladly take one person up on her offer of a peeing tutorial) were from other transmen, reporting similar brain farts, and from cis men that were able to convince me that they literally never gave a shit about the noises coming from the next stall nor the direction feet are pointed to. One other transman even reported having similar conversations. Which is why I dearly hope that this is a case of bathroom paranoia, that, too, will pass. 🙂

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Ein Gedanke zu “Deine Beine sind verkehrt herum. // Why are your pants around your ankles?

  1. Da kommt mir echt einiges sehr, sehr bekannt vor. Ich habe gezielt ein paar cis-männliche Freunde nach ihren Klogedanken gefragt (also die, mit denen ich dafür dicke genug bin). Das hat mich sehr erleichtert! Vor allem weil gleich mehrere auch nur zum Pinkeln gerne mal in die Kabine gehen. Seitdem bin ich etwas entspannter, mich weiter ohne stp durch die Welt zu bewegen 🙂

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