Ein Fest für die Enge in den Köpfen // Closed-mindedness on a rampage

Neulich unterhielt ich mich mit meiner besten Freundin. Wir hatten uns viel zu lange nicht gesehen und so sprachen wir nach Bemerkungen zu Bartwuchs und markanterem Gesicht (beide Male yay!!!) auch über Transition, das Thema mit dem „untenrum“ und über das Leben im Allgemeinen. Sie lebt lesbisch, schwankt auf der Skala von androgyn bis maskulin und erzählte mir, dass sie immer häufiger in ihrem Alltag nach ihrer Transition gefragt wird. Sätze wie „Komm, du willst doch’n Mann sein“ und ähnliche Schoten gehören beinahe schon zum Standardrepertoire derer, denen sie in ihrem Alltag begegnet. Und diese Konversationen scheinen sich zu häufen.

Dass sie das nervt, verstehe ich gut. Es gibt inzwischen schon Stimmen, die sagen, die Butch als Lesbe werde verschwinden, weil die Leute, die besonders maskuline Lesben seien, ja eigentlich doch eh alle trans seien und früher oder später eine Transition beginnen. Diese Annahme, falsch und anmaßend wie sie ist, macht das Leben für Lesben wie M. nicht gerade leichter und so sehen sie sich nach vielen Jahren des Kampfes um Akzeptanz inzwischen fast schon wieder in den „Schrank“ der Unsichtbarkeit und Entweiblichung zurückgedrängt. Und das ist nicht einfach nur eine Randnotiz, sondern schlicht katastrophal, denn gerade die Vielfalt lesbischen Lebens ist es, die diese Menschengruppe eigentlich stark machen sollte.

Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität sind für mich zwei völlig verschiedene Dinge. Ja, es gibt an manchen Stellen Berührungspunkte, manchmal geht das eine in das andere ein, aber Butches oder maskuline Lesben per se in Richtung einer Transidentität oder einer Transition zu drängen, hat eine perfide Rückseite:

In Zeiten, in denen die Köpfe und dazugehörigen Einstellungen immer enger zu werden scheinen, scheint Transition und die dazugehörige optische Einnordung in eine Geschlechterbinärität inzwischen zum „easy way out“ für jene Menschen zu werden, die sich mit der Realität einer maskulinen Lesbe nicht auseinandersetzen wollen. Das „Dazwischen“, das maskulin Weibliche aber trotzdem klar Weibliche wird abgesprochen, abgelöst von binärem Schubladendenken. Und die bescheuerte Frage aus dem Lesben-Bullshit-Bingo, wer denn nun der Mann in der Beziehung sei, erfährt eine Renaissance ungeahnten Ausmaßes.

Ja, ich habe die Transition gewählt. Und nein, ich war nie eine Butch, auch wenn es von außen sehr danach aussah. Es gibt einen Grat, der zwischen Butch und Trans verläuft. Lange bin ich auf ihm balanciert. Der immense Selbsthass, den ich aufgrund meines weiblich geformten Körpers ausgeprägt hatte und die daraus resultierenden, lebenslangen depressiven Verstimmungen gaben nach Jahrzehnten des Versuchens, einfach mit den Gegebenheiten klarzukommen, den Ausschlag für mich, eben nicht mehr als maskuline Lesbe zu leben. Eine Außenwahrnehmung durch andere im Sinne von „ich möchte als Mann wahrgenommen werden“ war und ist mir schnuppe. Und ich meine SCHNUPPE. Es ging dabei schlicht um mein inneres Empfinden. Die Unmöglichkeit, meine Brüste noch ein Jahr, einen Monat oder einen Tag weiter zu ertragen. Ist das internalisierte Misogynie? Und wenn ja, wo kommt sie hier? Das lässt sich für mich mit 45 nicht mehr nachvollziehen, denn das alles ist ein wabernder, blubbernder Morast. Sicher ist: Das ist meine Wahrheit, mein Weg. Aber so oft jede Frau, die sich als solche auch fühlt, in ihrem Leben über ihre Brüste oder andere Weiblichkeiten auch fluchen mag, im Endeffekt gehören sie verdammt noch mal zu ihr.

Ich finde es wichtig, diesen Unterschied zu machen. Denn die Sichtbarkeit maskuliner Lesben ist ein Teil der Sichtbarkeit von Frauen/Lesben. Und ihre Existenz zu verdrängen und noch weiter zu marginalisieren, ist für mich ein Akt von Schubladendenken, der mich einfach nur noch gruselt.

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A couple of days ago I talked to my best friend. We hadn’t seen each other in a much too long time and so, after statements regarding follicle growth and angular face (double-yay) we proceeded to talk about transitioning, about „down there“ and life in general. M. is a lesbian, varying on a scale between androgynous and masculine. And she told me that lately she keeps getting asked about the state of her transition. Statements like „Come on, admit it, you just wanne be a man“ and other mindless blurtings seem to be a staple of those people she meets in her everyday life, even health-care professionals. And there is a noteable increase of these events, too.

I understand very well that this is driving her nuts. In the meantime, I even have heard people say things like „butches will be extinct soon, because those masculine lesbians are basically trans and will proceed into the „correct channels“ in due time“. This assumption, as wrong as is it presumptuous, doesn’t make life for lesbians like M. easier, as they are, after years of fighting for acceptance, being pushed back into a closet of invisibility and de-feminization. And that isn’t just a marginal note. It is a catastrophy threatening the diversity of lesbian communities that used to be one of its strengths.

For me, sexual orientation and gender identity are two very different kinds of clothes. Yes, there are points of contact. Sometimes the one also flows into the other. But pushing butches or masculine lesbians towards transitioning per definition, has a perfidious flipside:

In times largely characterized by an increase of closed-mindedness, transitioning paradoxically seems to become the easy way out to explain visual masculinity away into a binary that isn’t there. The „in between“, the masculine female (and yet still decidedly female) is denied its existence, replaced by the drawers of the gender binary. Thus creating a revival of one of the most frequent questions of lesbian Bullshit bingo („So who’s the man in your relationship?“), making it more cringeworthy than ever before.

Yes, I chose to transition. And no, I never was butch, even though it very much looked like it from the outside. There is this ridge between being butch and trans. I walked it for a very long time, before it got tricky. Tricky, because the immense amount of self-hatred that I had come up with due to my female body and the resulting depressions that had shaped many years of my life couldn’t get me, where I wanted to be: To be happy with the body I had. So I stopped living as a masculine lesbian. And to make one thing clear: I never gave a rats ass about being perceived as male by the outside world. And I mean NEVER (sorry, rat). This step was always about how I felt and the impossibility to endure my tits for another year, another month, or another day. Internalized misogyny, you say? If so, where did it come from? Impossible to reconstruct, after more than 45 years of this hot, blubbery mess. But this is my truth. This is the way to go for me. And even though every woman who feels happy with her female parts will find times in her life that she will curse her breasts, they still are hers!

I think it is important to make that distinction. The visibility of masculine lesbians is an indispensible part of the visibility of women and lesbians. To deny that means marginalizing them even more and, as M. said, drawers are for socks, dammit!

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2 Gedanken zu “Ein Fest für die Enge in den Köpfen // Closed-mindedness on a rampage

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