Arschloch-sein // On being an asshole

Neulich hat P. etwas getan, was ich ausdrücklich vorher mit einem No-Go behaftet und auch so kommuniziert hatte. Aus Gründen, die zwar verständlich, mir aber dennoch nicht einleuchtend genug waren, um ihre Handlung zu rechtfertigen, hatte sie mich nicht noch einmal vor ihrem Beginn danach gefragt, was für mich sehr ärgerlich war (ok, das ist eine Untertreibung. Ich schäumte. Und ich meine, SCHÄUMTE).

Verzweifelt über den Ausgang der Diskussion (es schien keine Möglichkeit zu geben, das ganze inklusive ärgerlicher Übergehung meinerseits beizulegen) griff ich schließlich nach der einzigen Möglichkeit, die ich für geeignet hielt, meinen Ärger wieder auf Normalmaß zu kürzen: Ich revanchierte mich mit etwas, was P. wiederum für indiskutabel halten musste und auch hielt.

Ursprünglich hatte ich nun geplant, darüber gar nicht erst mehr zu sprechen und die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen. Meine Wut war ja verpufft, nachdem ich die Retourhandlung beendet hatte. Da P. aber in einem anderen Zusammenhang danach fragte, sah ich mich schließlich doch genötigt, ihr Antwort zu geben.

Sie zeigte sich schockiert über das, was sie als kindisch und einen Racheakt bezeichnete und warf mir vor, mich einfach nur wie ein Arsch zu verhalten. Ich hingegen fühlte mich im Recht, da ihr Bruch meines No-Gos vorausgegangen war und fand meine Lösung ausgesprochen effektiv, denn meine Wut war immer noch wie weggeblasen. P. erklärte in der sich daran anschließenden Diskussion mehrfach, dass sie noch nie eine solche Handlung von mir erlebt habe und es einfach nicht glauben könne.

Mir hingegen war trotz der Auseinandersetzung wohl ums Herz. Ich hatte meine Möglichkeit zum Ausgleich und zur Beendung meiner Verstimmung genutzt, wenn auch auf archaische Auge-für-Auge-Weise.

Richtig, ich habe nicht vor, auszuführen, worum es bei diesem Austausch von Indiskutabilitäten letztendlich ging. Das ist eigentlich nur Beiwerk. Denn was mir bis jetzt aus diesem Disaster der Zwischenmenschlichkeit präsent geblieben ist und mich nach wie vor bewegt, ist: Habe ich mich aus reiner „Rachsucht“ wie ein Arsch verhalten oder ging es schlicht darum, meinen inneren Konflikt auf so einfache Art wie möglich zu lösen? Mir war im Verlauf der Diskussion einfach nur eingeschränkt verständlich, warum P. das für arschig und obendrein infantil hielt. Kann es so einfach sein, das Ganze wieder einmal aufs Testosteron zu schieben? Oder zaubert der Cocktail neuer Botenstoffe einfach nur Seiten an mir zutage, die ich mich bislang genötigt sah, zu unterdrücken? Sicher ist, dass es mir inzwischen deutlich leichter fällt, mich unpopulär zu verhalten. Neinsagen klappt immer noch nicht so gut, aber ich finde es deutlich besser erträglich, wenn Menschen mich nicht zu ihrem Lieblingsmenschen des Tages wählen. Das war längst überfällig. Und was ich aus diesem Ereignis mitnehme ist, dass es unglaublich guttut, mal ganz schlicht einen Konflikt zu lösen. Ohne stundenlange Diskussion, ohne geschliffenes Für und Wider. Dass sich das für P. mitnichten so anfühlte, muss ich dabei natürlich außer Acht lassen. Und das ist auch schon der Haken an der ganzen Sache.

________

A couple of days ago P. did something that I had expressedly labelled a no-go previous to the event and had taken sufficient measure to communicate as such. For reasons that were understandable and still not plausible enough to justify her doing it, she even went on without asking me again before embarking on said action, which made me pretty angry (ok, that is an understatement. I was fuming. And I mean FUMING).

Very unhappy with the road the discussion took (there didn’t seem to be a possibility to lay the whole thing to rest, including the irritation caused by bypassing of my wishes) I finally used the only way that seemed fit to me to reduce my anger back to normal levels: I reciprocated by doing something that I knew P. would find annoying to a similar degree. And I was right.

In the beginning I had planned to just leave it at that. My anger had evaporated after I had returned the favor. But when P. asked about it in a different context, I felt the need to give an answer.

She was shocked about what I had done, calling it a childish act of revenge. And she basically told me I was behaving like an ass. I on the other hand felt like I was in the right, as her breach of my wishes had caused the whole thing, and I still found my solution to the problem highly effective: My anger was still nowhere to be seen. In the discussion that followed, P. told me several times that she had never in fifteen years experienced me doing something like that. She just couldn’t believe it.

Despite the problem-oriented discussion that entailed, I still felt pretty good. I had used my opportunity to pull even. And my anger was still gone, even though I had applied a method disconcertingly similar to an-eye-for-an-eye.

You are absolutely right in assuming that I will not disclose what this exchange of unpleasantries and hissy-fits really was about, because it is none of your business and in the end it is the mere tinsel on the tree. What rather remains very vivid in my memory about this disaster of human conduct, though, is the question whether being an ass was due to me wanting revenge or to me trying to solve my conflict (i. e. my anger) as swiftly as possible? While interacting with P. in our discussion I sometimes didn’t completely understand why P. was terming my actions infantile and assy. And isn’t it too easy to go ahead and „blame“ T für that? Isn’t it rather that this cocktail has the power to draw stuff out in the open that will most certainly be unpopular and which I had hitherto suppressed?

Fact: It is much easier for me to be unpopular now. Saying „no“ still is a different ballgame, but not being your favorite human being of the day will certainly not ruin mine. That was long overdue. And what I learnt from this incident was how good it can feel to end a conflict the easy way. Without discussing it profusely. Without polished pros and cons. The only thing I need to do to achieve that is to forget for a bit that P. will not share this feeling quite as happily. Which is the only – albeit a very important – catch.

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