Weltfrauentag // International women’s day

Heute ist Weltfrauentag. Und noch nie war mir dieser Tag so wichtig, wie heute.

Als ich noch als Frau lebte, war der 8. März zwar ein fester Tag im politischen Kalender, aber mein Herz hatte ich nie an ihn verloren. Zu unbeachtet blieb er für meine Bedürfnisse hier in Deutschland, verglichen mit Osteuropa zum Beispiel.

Nun ist dieser Blog zwar auch ausdrücklich politisch unterfüttert, aber normalerweise schreibe ich ja eher über Dinge, die mit Spritzen zu tun haben, veränderter Libido und Bartwuchs. Und doch schwingen in meiner Transition für mich auch immer frauenpolitische Themen mit.

Ich habe lange als und in der Rolle einer Frau gelebt. Habe viele Jahre frauen- und lesbenpolitisch gearbeitet. Und lebte immer mit einem immensen Selbsthass, der nichts mit meiner Position als Frau, aber alles mit meiner Geschlechtsidentität zu tun hatte. Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich mir endlich eingestehen konnte, dass ich in diesem Körper mit seiner Weiblichkeit nie ein glückliches Leben würde führen können.

Eine ganze Zeit lang zuvor hatte ich versucht, mich durch Gespräche mit anderen und durch Disziplin mit mir selbst zu überzeugen, dass ich in meinem weiblichen Körper alle Dinge tun könne, die ich auch nach einer Transition könnte. Einen ähnlichen Satz sagte sogar einmal eine Freundin in einem Gespräch, in dem es um mein Liebäugeln mit der Transition ging. Und an dieser Aussage ist auch alles richtig, nur dass sie in meiner Situation damals nicht griff und es auch heute nicht tut. Denn es ging nie darum, mir Erlaubnis für Dinge zu geben, die Frauen gesellschaftlich unsanktioniert nicht tun dürfen. Damit hatte ich nie ein Problem. Wäre es so gewesen, wäre die Transition in der Tat der falsche Weg gewesen. Nein, es ging um den Körper und mein Wissen, dass ich mir mit Brüsten und anderen weiblichen Attributen immer fremd bleiben würde.

Es kostete mich große Überwindung, meinen inneren Kampf gegen mich selbst zu den Akten zu legen und mich um die Begleittherapie zu bemühen. Es kostete mich Überwindung, Frauen, mit denen ich lange politisch gearbeitet hatte, davon zu erzählen. Ich hatte das Gefühl, sie, unsere Arbeit und Frausein im Allgemeinen zu verraten und ja, manche sahen und sehen das auch so. Einige von ihnen distanzierten sich deswegen auch und verschwanden nach und nach aus meinem Leben. Das kann ich nicht ändern.

Heute ist Weltfrauentag und ich glaube, ich war noch nie feministischer in meiner Denkweise. Die gleichen Rechte für alle Frauen und alle Männer, so geboren oder selbst dazu gemacht und in all ihren Unterschieden muss das Ziel in unseren Gesellschaften bleiben und ist bei dem Backlash, der derzeit auf vielen Kontinenten und in unzähligen Ländern im Huckepack mit Rassismus und Nationalismus seinen hässlichen Kopf hebt, aktueller denn je.

Von omnipräsenter, struktureller Gewalt und Straffreistellung häuslicher Gewalt, über Genitalverstümmelungen bis hin zu grauenhaften Morden an Frauen, geboren wie trans: Es ist noch ein langer Weg.

Habe ich meine Überzeugungen verraten, indem ich physisch die Transition begonnen habe? Ich kann diese Frage nur so für mich beantworten: Ich als bei Geburt weiblich verortete Person habe mir das Recht genommen, diese Verortung als obsolet zu betrachten. Ich mache mit diesem Schritt einen Körper, der mir immer fremd war, endlich zu meinem eigenen. Und die Wahrnehmung meines Rechts auf körperliche Selbstbestimmung, auch wenn ich dabei über Geschlechterzäune hüpfe, ist für mich ein ziemlich feministischer Akt.

In diesem Sinne:

Schönen Weltfrauentag! Happy women’s day! Bon journée internationale de la femme! Felice gionata internazionale delle donne! Feliz día Internacional de la Mujer!

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Today is March 8th. And never has this day been dearer to me than today.

When I still lived as a woman, international women’s day used to be an important day in the political calendar, but my heart was never in it. Maybe that was predominantly for geographic reasons: For many Germans, March 8 is the day on which unionists hand out red carnations to women in the street. Nothing compared to the importance this day has, say, in Eastern Europe.

As politically based as this blog is, it still mostly deals with injections, changed nuances in libido and growing a beard. And yet I always feel feminist topics present between the lines.

I spent the majority of my life as a woman, fulfilling the gender role attributed to being female. And many years of that life I used to fight for women’s and lesbian rights, doing political work. At the same time I was feeling a self loathing that had nothing to do with my position as a woman in society, but everything with the gender identity I was trying to deny myself. And then the moment came when I had to admit to myself that I would never lead a happy life with a body that filled with femaleness.

In the time preceding that moment I had tried to convince myself through conversations with others and by disciplining myself that I could do anything with a female body I would be able to do if I transitioned. In fact, a friend of mine even said a sentence very similar to this when I told her that I was thinking about transitioning. Of course that is true but it simply does not adequatly respond to the situation I experience(d). The wish to transition was never about needing permission to do things that women are not supposed to according to societal conventions. I never had a problem with that. If I had, transitioning would actually have been the wrong road to take. No, transitioning was always about my body and the fact that the girls and other female attributes would always prevent me from being ok with myself.

I had to overcome a lot of internalised „nos“ to be able to finally lay my fight against myself to rest and apply for therapy to find out about whether transitioning was right for me. It was hard coming out to the women I had done political work with. I felt like I was betraying them, our shared work, and being female in general. And some of the women actually saw it that way, as well. Some of them grew distant and disappeared from my life. That is a fact I cannot change.

Today is international women’s day and I guess I have never been more feminist in my thinking. Achieving the same rights for women and men alike, whether they have been born or self-made and while acknowledging all our differences needs to be a main aim of our societies. A fight that is more real than ever, given the backlash sweeping all continents riding piggyback with rampant racism, nationalism rearing its ugly head.

From omnipresent structural violence against women, legalisation of domestic violence, over genital mutilations to horrible murders committed against women: there is a very long road ahead of us.

Did I betray my convictions by physically transitioning? Shaking my head on that.
As a person assigned female at birth I reserve the right to render said assignment obsolete. And by doing so, I finally make this body that has always been alien to me, my own: And the right to that autonomy, whether I jump gender fences while doing so, or not, strikes me as a pretty feminist act.

So here it goes:

Schönen Weltfrauentag! Happy women’s day! Bon journée internationale de la femme! Felice gionata internazionale delle donne! Feliz día Internacional de la Mujer!

 

 

 

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