Und brauchst du das jetzt immer? // So, are you done with T now?

Mit Hormonen, die transman(n) nicht selbst produziert, ist das so eine Sache: Sind sie alle, sind sie alle. Mit anderen Worten: Um mir als Transmann sowohl ein stabiles männliches Äußeres als auch andere Veränderungen dauerhaft zu ermöglichen, muss das Testosteron einfach weiterhin zugeführt werden. Das bedeutet für immer. Für den Rest meines Lebens. Im höheren Alter dann vielleicht in etwas geringerer Dosis (wie bei „Bio“männern auch). Und das ist den meisten Menschen, die zum ersten Mal von gegengeschlechtlicher Hormontherapie hören, nicht so wirklich klar. Häufig höre ich deswegen die Frage: „Und wann bist du damit fertig?“ Die Antwort ist: Nie. Und damit wird aus der Transition irgendwie ein Dauerzustand. Ein sehr fragiler. Denn wird der Abstand zwischen meinen Spritzen nicht eingehalten (wie z. B. vor meiner OP geschehen, aus medizinischen Gründen), ist eine emotionale Achterbahnfahrt garantiert. Das scheint zwar nicht jeden Transmann so zu beuteln, wie mich (tolle Sache, zumindest für die anderen), aber für mein ganz individuelles Wohlbefinden ist dieses Gleichgewicht sehr fein abgestimmt.

Mir ist sehr bewusst, dass das so ist. Das äußert sich in der Freude auf die nächste Spritze genauso wie z. B. in Sorgen bezüglich der Versorgung mit dem „güldenen Saft“: Was ist, wenn ich mal keinen Zugang mehr zu Testosteron bekäme – aufgrund widriger Umstände, neuer Gesetze, geänderter Versorgungslage?

Auch wenn Testosteron ein Hormon ist, das ich zwar vor meiner Transition schon im Körper hatte – in den derzeitigen Mengen ist es meinem doch schon etwas älteren Körper etwas Neues, etwas Fremdes. Etwas, was ihn ganz schön fordert. Ich merke das daran, dass ich zwar mehr Kraft habe, dafür aber weniger Energie, meine Tage zu überstehen. Ich sinke abends um 18 Uhr in meinen Sessel und schlafe ein. Ungebremst, ohne Schwierigkeiten. Es ist immer noch viel Umbau im Gange, scheint mir.

Was würde also passieren, wenn ich kein Testosteron mehr nähme oder bekäme?

Vermutlich sind die Zeiten mit einem niedrigen Testosteronspiegel, die ich in den letzten anderthalb Jahren erlebt habe, ein ganz guter Hinweis darauf. Testosteron bietet mir neben Bartwuchs und tieferer Stimme auch eine männliche Fettverteilung (weg vom Hintern und Oberschenkeln, hin zum Bauch), mehr umsetzbare Energie, mehr Kraft, mehr Muskeln und ja, auch emotionale Stabilität. Bis auf Bartwuchs und Stimme sind alle diese Veränderungen reversibel und würden sich wieder in weibliche Muster zurückbewegen, sollte ich Testosteron nicht mehr nehmen. Zusätzlich dazu müsste ich in einem solchen Fall dann, weil meine Wechseljahre ja nun auch vorbei sind, irgendein anderes Hormon, sprich vermutlich Östrogen zuführen, wenn auch in geringen Mengen, um Krankheiten wie Osteoporose und Co. in Schach zu halten. Allein dieser Gedanke schüttelt mich. Ich kann und will nicht an diesen Ort zurück, an dem ich einen Gutteil meines bisherigen Lebens verbracht habe. Er war von unglaublich viel Dunkelheit und Selbsthass erfüllt, die ich nu sehr wenige Menschen sehen ließ, die aber trotzdem immer da waren – wenn auch mehr oder weniger gut hinter Masken verborgen.

Also ja, ich brauche das jetzt immer. Und hoffentlich wird es auch immer zur Verfügung stehen. 🙂

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The thing with hormones that you cannot produce yourself is: when they are out, they are out. In our words: To endow my FTM body with a lasting male appearance and to enable other changes to be without fail, my body needs to be injected or gelled with T. Which means forever. For the rest of my life. When I grow older, the dosage might be taken down a notch (just like the cis body does for itself), but it still needs to be administered regularly. And that is something that people who hear about HRT for the first time don’t realize. Which is why the question: „So, are you done with T now“ is something I still hear quite often. And my answer is: never. Which makes my transition somehow kind of permanent and fragile at the same time. Because as soon as the periods between my injections vary (may that for medical reasons, such as before my surgery, or others) a complimentary emotional roller-coaster-ride goes with it. That doesn’t seem to be the case for every FTM, obviously (good for them), but my well-being seems to depend on that careful equilibrium between T and the rest of me.

I acknowledge that fact. It expresses itself as much in my happiness about an upcoming injection as it does in the reasonably small fear about the continued accessibility of the „golden juice“: because what would happen, if it was denied due to emergencies, new laws, or any other reason for it to be not available?

Even though testosterone is a hormone that is not alien to my body (because I produced it in small doses pre-transition as well), the amount of it that my ageing body is confronted with, is still very new and alien, I guess. Something that strains it. I feel that in the fact that I do have more physical strength and still less energy to make it through the day. Around 6 P.M., when I take a dinner break or end my work day, if I am lucky, I will instantly fall asleep in my easy chair, given the chance. It seems there is still a lot happening below the surface and thats suck the energy right from under my ass.

So what would happen if I didn’t have access to T anymore for whatever reason?

Assuming that the times with a low level of T I have experienced over the past 1,5 years or so are a pretty good indicator, probably the following: Apart from enabling me to grow a beard and my voice getting lower, it also redistributes my fat to a more male pattern (away from my butt and legs to my belly), offers me more energy and more physical strength, more muscle and yes, also emotional stability. Apart from a hairy face and my dropped voice, all of these changes are reversible and will move back to a female pattern if I were not to take T anymore. In addition I would most probably need another kind of hormone, because my change is over and done. So that would mean taking estrogen, even though in small doses, to prevent illnesses like osteoporosis and such. Simply thinking about that makes me gag. I can’t and I won’t go back to a place that I spent the biggest part of my life in. A place riddled with darkness and self-hatred that I allowed only a few people to see but that still was very real – even though I was mostly a pro at hiding them.

So yes. I will need T forever. And I hope it will always be available to me, as well. 🙂

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