Pimmeltanz (tip of the hat to T.)// Wigglewigglewiggle

Da sitz ich nun. Mädels sind ab. Oberkörper: immer männlicher. Haare im Gesicht: in der Mache. Erstmals im Leben bin ich mit mir zufrieden und kann meinem Spiegelbild ins Gesicht schauen, ohne mich zu fragen, wer das da eigentlich ist. Erstmals freue ich mich auf einen Sommer! Dysphorie geht quasi gen Null. Und dann: Im Schritt meldet sich eine Stimme zu Wort. „Also ich weiß nicht so recht, wie ich mich gerade fühlen soll“, meint sie. „Irgendwas stimmt hier nicht“.

Bitte was? Ich glaub es piept! Nachdem ich mich voller Überzeugung für sehr lange Zeit (und bis vor Kurzem) für die Bewahrung der Fledermaushöhle in meinem Genitalbereich entschieden und auch dafür ausgesprochen habe, stimmt da was nicht?

P. nickt und sagt, hat sie sich schon gedacht, dass da noch was kommt. Mich trifft das (wie oft in letzter Zeit) so unerwartet, dass ich erst mal sprachlos bin. Und dann unterhalte ich mich gestern mit L., einem anderen Transmann (der übrigens jetzt auch begonnen hat, einen Blog zu schreiben, jippie, wir werden immer mehr!!) den ich aus Reinbek kenne und der sagt, er wiederum wurde von anderen Transmenschen darauf vorbereitet mit den Worten: „Du wirst schon sehen, ein paar Monate nach der Mastek kommt dann die Sache mit dem Penis“.

Mir hat das niemand gesagt. Scheint also wohl häufiger vorzukommen. Und da sitze ich nun, kratze mir den Milchbart und verstehe die Welt nicht mehr. Wie soll ich das beschreiben? Ich weiß, wie mein Körper funktioniert. Ich weiß, was ihm Spaß macht. Ich weiß, wie es früher immer war. Aber jetzt, wenn ich mir Sex vorstelle (und ich spreche jetzt erst mal nur über das Vorstellen), weiß ich nicht mehr, welche Rolle ich da einnehme. Was tue ich denn jetzt in meiner Fantasie? Was ich gerne würde und was geht, sind plötzlich zwei sehr verschiedene Paar Schuhe. Und das stoppt das Kopfkino mit einem gewaltigen Quietschen. Ein ganz schönes Geschepper im Kopf, wenn ich ehrlich bin. So sehr, dass Fantasien selbst zu erdenken mir im Moment schwer fällt.

Um der fantasietechnischen Verwirrung noch einen Extrahut aufzusetzen, ist es so, dass eine Phalloplastie, also ein geformter künstlicher Phallus, für mich nach wie vor wegen der erheblichen Risiken in Sachen Empfindungsfähigkeit nicht in Frage kommt. Was bleibt, ist die Metoidioplastie oder Klitpen, wie er bei uns in Deutschland oft genannt wird. Hierbei wird das Wachstum, das im Genitalbereich durch die Verabreichung von Testosteron entsteht (ab und an gesehen, von mir gerne übernommen und als T-cock bezeichnet), als sehr kleiner Phallus verwendet und mit Eiern versehen. Voraussetzung: Das Ding ist groß genug. Sonst siehts eher naja aus. Auch hier Risiken aller Orten, denn die Harnröhre wird verlängert. Kompliziert. Aber das Empfindungsvermögen sollte erhalten bleiben. Die Krux ist nur: Damit kann ich immer noch nicht tun, was sich mein Kopf theoretisch so vorstellt.

Heul, Jammer, Kreisch. Ich weiß, ich weiß, das ist Heulen auf hohem Niveau, aber die Verwirrung, die ist echt. Und sie treibt mich um. Kaum, dass ich mich nach der OP so langsam wieder wie ein halbwegs gesunder Mensch fühle, macht mein Unterbewusstsein also die nächste Baustelle auf. Es bleibt spannend.

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Here I go. The girls are finally gone. Chest: more and more masculine. Hair in my face: a work in progress. For the first time in my life, I am at ease with myself. I can look at myself in the mirror without asking myself, who the fuck that is. And I looking forward to my first summer with that feeling! My dysphoria, nigh undetectable. Enter a sneaky little voice in my crotch: „Well, you know, I don’t really know how I feel at the moment. Something’s not right“.

Excuse me, WHAT? Well, I’ll be damned. After proclaiming for what seems like forever that I would keep the batcave and thought that was the way to go, whole-heartedly, SOMETHING IS NOT RIGHT???

P. nods and tells me that she always thought that I would not be done after top surgery. I am (as so often, these days) surprised and rendered speechless. At least for a bit. And then I talked to L. yesterday, another trans guy who I met in Reinbek (who, by the way, has started his own blog now, congrats to that!!). And he tells me that other guys prepared him for that moment and told him something along the lines of: „You just wait. A couple of months post-op, the penis will become a topic“.

Nobody told me. So it seems to be something that happens. Here I am, scratching my still-noiseless-when-scratched-fuzz, not making sense. How can I describe what is going on? Let’s try it like this: I know how my body works. I know what I like to do in bed, and I know how it used to be. But now, when I think of sex (and I am talking about thinking about it, not actually doing it), I don’t know, which role is mine. I don’t know what to do in a sex fantasy anymore. What I would like to do and what works in reality have become two very different pairs of socks. Which brings my own private girlie show to a loud and very screeching halt. So much in fact that it has reached a point where I can’t cook up fantasies on my own anymore.

To make things even worse, phalloplasty (an artificial phallus created from donor tissue, usually from your forearm) is out of the question due to a whole barrage of possible side-effects and risks, including but not limited to complete loss of sensation in the phallus head. What remains is metoidioplasty, often called Klitpen in Germany. Here, the growth that your genitals show under HRT (which some have called T-cock and which is a lovely name I have also adopted) is used as a micro phallus and endowed with balls. Precondition for that being that the „growth“ is large enough to produce an aesthetically pleasing result, otherwise it looks like one hell of an ugly-ass accident (in my opinion). Even though sensation usually remains intact, metoidioplasty also comes with a set of risks that usually revolve around the urethra being artificially elongated to be able to pee from your T-cock. The crux is that this will most certainly not be able to be used for what my head would like to see.

Whine, lament, screech, mumble. I know that this is not really a matter of life and death, but the irritation is real. And it keeps me on edge. You know, I have just started feeling like a Mensch again after my surgery and now my head is putting up signs opening up yet another construction site. On the plus side, though: It is exciting as hell, as well.

 

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