Wenn Schwäne fliegen können // If swans can fly

Da sitz ich wieder. Oder genauer genommen liege ich. Um drei Uhr morgens im Bett. Stunde der Leber, des Ärgers, der Kreativität. Lese Nachrichten aus der Welt. Aus den USA, aus Europa, aus Deutschland. Und mir ist schlecht. Schlecht, weil es scheinbar unmöglich ist, der Rechtswanderung unserer Zeit irgendwie (oder auch irgendwo) noch aus dem Weg zu gehen. Schlecht, weil Grundrechte, Menschenrechte, für die die Welt ewig und drei Tage brauchte, mit der Nonchalence eines Taschentuchschnäuzers weggewischt und (häufig) mit Schutzbedürfnissen wegargumentiert werden. Da wird von Menschen der blauroten Partei ernsthaft beantragt, minderjährige Flüchtlinge vorauseilend zu sterilisieren, da werden von der Polizei Menschen mit HIV und Hepathitis mit Kürzeln versehen, um „Beamte zu schützen“ und die Ehe für alle will Marie le Pen(n) sowieso abschaffen, wenn sie gewählt ist. Ganz zu schweigen von AgentOrange (ein Name, den ich neulich bei einem Freund auf FB sah), der täglich für solche, ähnliche und schlimmere Nachrichten sorgt, noch weit weg, aber mit Signalwirkung.

Ich seh mir das an und ich tue mich schwer, nicht die Hoffnung in die Zukunft zu verlieren. Ich tue mich schwer, mich auch nur ein bisschen daran zu freuen, dass mein Bart etwas dichter und meine Stimme noch etwas tiefer werden. Dass Menschen mich Max nennen. Dass ich mich über alle Maßen zu Hause in meinem Körper fühle. Dass das Auge von Söckchen langsam besser wird. Dass Pesto mir heute morgen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in die Arme gesprungen ist (ok, er tat es, als ich gerade versuchte, vom Klo aufzustehen und es war ein ziemliches Schlamassel, aber hinterher hat es noch mal eine saubere Punktlandung gegeben). Dass Menschen mir von den unterschiedlichsten Orten Postkarten schreiben, Lust haben, gemeinsam Dinge zu tun. Und das ist es, was mich an unseren Zeiten am ärgerlichsten macht. Dass sie uns die Freude nehmen. Denn Abwesenheit von Lebensfreude macht so viel mehr Platz für Angst. Für Resignation. Ich frage mich also: Neben all den Nachrichten, die uns Angst und bange machen, ist es nicht auch Widerstand, neben Protest und politischer Aktivität nicht einzuknicken und sich auch noch zu freuen? Ich habe es mir jedenfalls nicht nur vorgenommen, denn ich brauche es schlicht und ergreifend für meine Seelenhygiene. Zugegeben, ich verliere manchmal den Antrieb, wenn ich solche Nachrichten wie weiter oben lese und poste sie dann doch wieder in sozialen Medien, statt Fotos von meinen Katzen oder von spielenden Rindern oder von verrückt herumrennenden Hunden einzustellen. Heute morgen sah ich bei der Fahrt über die Theodor-Heuss-Brücke zwei riesige Schwäne in guter Höhe über die Brücke fliegen und dachte, wow. Wenn die so hoch fliegen können, dann kann ich auch öfter glücklich sein. Ich versuche es zumindest. Versprochen.

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There I am. Or, to be more precise, there I lie (no pun intended). It’s three a.m., hour of the liver, hour of creativity, and I am reading news from around the globe. From the U.S., from Europe, from Germany. And I feel sick to my bones reading them. Sick, because it seems impossible to sidestep the migration to the right that our time has begun. Sick, because basic human rights that took the world ages to achieve are swept aside with the nonchalence of blowing your nose in a tissue to get rid of a booger that was blocking your nose, trumping their continued existence with arguments of providing more security. There are submissions to the Landtag to cover the costs for sterilising refugee minors that are traveling alone by the AfD, and people with HIV and hepatitis in databases to  „protect the police from infection“ . Marriage for all is definitely on the „lose“-column for Marie le Pen, once or hopefully if elected. Let alone crazy agent orange (a name I found used by a FB friend a couple of days ago) who supplies is with an endless stream of similar or worse news every five minutes. For us this may be far away, but the signal for all of us is clear: The world is going berserk at a ridiculous pace.

I am looking at what’s going on and I’m trying to do my best not to lose hope in the future. But it’s damn hard not to. I try to feel happy about my beard growing, about my voice dropping yet another bit. I try to enjoy the feeling I have when people call me Max like I was never called anything else. I try to indulge in feeling at home in my body almost beyong measure. To be happy that Söckchen’s eye is slowly getting better. To laugh about Pesto managing to jump into my arms for the first time in months (ok, so he tried to do it when I got up from the loo and I had to stop him, but he stayed and the second attempt was beautifully done!). To enjoy people writing me postcards from the most different places of the earth telling me they would love to do stuff together. And that is what makes me most angry about our times: that they are sucking happiness from our eyes and ears and from under our hineys. And it works, because in the absence of happiness, there is a void to be filled by fear. By resignation. So I have been asking myself: With all the news scaring us 24/7, is resistance not also about being happy when we adre done protesting and being politically active for the day? I have set my mind to that, because I need it to stay sane. Admittedly I sometimes lose my drive when I read the news and repost stuff on social media instead of taking a picture of my beautiful felines and posting those or a video of a cow playing ball. This morning I saw two enormous swans flying high above the Theodor-Heuss-Bridge I was passing. And I thought, wow. If they can fly that high, then I can manage to be happier more often. At least I will try. Promise.

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