1 Jahr, 7 Monate und ein paar Zerquetschte auf Testo // 1 year, 7 months and spare change on T

Die Zeit rast. Und ich meine, sie RAST. Zwischen Mastektomie, Donald Trump, den Höckes dieser Welt, Katzen mit Augenproblemen, einer Mutter auf dem Weg bzw. im Altersheim und der alltäglichen Arbeit ist ganz untergegangen, dass ich nun schon seit mehr als anderthalb Jahre Testosteron bekomme. Was hat das mit mir gemacht?

Eine ganze Menge, wenn in den letzten Monaten die Wirkung sicherlich vor der Behandlung von Operationsnarben etwas in den Hintergrund getreten ist. Aber neulich, als ich endlich wieder meine Spritze bekam, freute ich mich buchstäblich auf die Schmerzen im Allerwertesten. Auf neuen Saft. Denn mein Testospiegel war nach der verzögerten Gabe nach meine Mastektomie doch deutlich niedriger als normalerweise.

Körperlich hat sich seit dem „Ein Jahr auf Testosteron“-Post (zu finden hier) vermutlich gar nicht so arg viel getan. Außer vielleicht, dass sich abseits der ständigen Kontrollen (tägliche Fotos vom Gesicht, ja mache ich noch, ja lösche ich auch immer noch täglich wieder) Haare an Stellen an meinen Körper geschlichen haben, wo sie vorher eben nicht waren. An die Rückseiten meiner Oberschenkel zum Beispiel. Oder über die Brust-OP-Narbe. Oder auf meinen Bauch. Und (Freude) endlich auch vom Kinn aufwärts in Richtung Unterlippe. Ansonsten trage ich im Gesicht ein wildes Sammelsurium von Haaren, die zu kürzen ich meist nicht übers Herz bringe, auch wenn es im Sinne der Gepflegtheit sicherlich ratsam wäre. Da fällt mir wieder ein, ich wollte mich eigentlich heute rasieren. Mach dann gleich mal…

So, wieder da. Doch etwas aufgeräumter. 🙂 Also, der Bart stoppelt so vor sich hin. Auf den Armen hat sich ein seltsamer Flaum eingestellt, der im richtigen Winkel über meinen Tättowierungen ab und an rötlich schimmert. Nicht schlecht, aber nicht so toll wie die Haare auf der linken Außenseite meines linken Handrückens. Die finde ich ja ganz, ganz wunderbar.Tja, etwas Fettverteilung hat sich ebenfalls eingestellt: Inzwischen kann ich, obwohl ich nicht signifikant an Gewicht verloren habe, die meisten meiner Hosen, die vorher am Oberschenkel immer gekniffen haben, problemlos und mit etwas Luft tragen. Ein echter Gewinn, da ich nun einen Großteil meiner Beinbekleidung abwechselnd anziehen kann und nicht mehr nur auf 1 Hose beschränkt bin.

Seit der Mastektomie tritt dagegen mein Bauch deutlicher ins Rampenlicht, wenn ich mal gerade nicht auf eine gerade Haltung achte. Aber irgendwie macht es mir gar nicht so viel aus und ich arbeite mich Pfund für Pfund auch am Bauchumfang nach unten. Tja und mein Gesicht sieht immer noch anders aus, aber ich kann immer noch nicht sagen, was es ist. Vermutlich entsteht im Zusammenhang mit dem dickeren Hals ein kantigeres, breiteres Aussehen. Und ich finde immer noch, dass die Nasenwurzel etwas breiter geworden ist.

Meine Schultern wirken durch etwas Training deutlich massiver, robuster. Meine Stimme hat sich meines Erachtens nicht mehr wirklich verändert in den vergangenen 6 Monaten. Trotzdem zucke ich immer noch erst einmal zusammen, wenn ich meine Stimme auf unserem AB oder in einer Aufnahme höre. Das Fremdeln mit dem eigenen Klangkörper ist etwas, was mir Spaß macht und zugleich mehr als seltsam ist.

Seelisch ist eine Menge im Umbau, obwohl die schlimmsten Phasen der Pubertät mit einem trotzigen Dauer-Fünfzehnjährigen im Kopf wohl inzwischen (zumindest laut P.) passé ist. Das beruhigt mich etwas, denn das ständige Paroligeben und Trotzen war selbst mir irgendwann etwas zu bunt geworden. Wenn das jetzt alles zum Teil schon irgendwo anders stand, tut es mir Leid, aber ich will grob rundumschauen und einfach mal festhalten, wo ich stehe.

Ich bin trockener geworden. Im buchstäblichen wie im übertragenen Sinne. Dinge, Ereignisse und Co. rühren mich nicht mehr so an, geschweige denn zu Tränen. Dafür habe ich einen Kloß im Hals. An dem merke ich, dass mir etwas nah geht. Oder am Sonnenbrandgefühl im Gesicht, sprich: am erhöhten Blutdruck. Zusätzlich scheinen mir die Schleimhäute der oberen Atemwege den Kampf angesagt zu haben: Ich habe immer öfter und hartnäckig mit Erkältungen zu kämpfen, bei denen sich absolut nichts mehr bewegt.

Die Reste meiner zweiten Pubertät habe ich inzwischen mit einer CD auf laute Musik im Auto verlegt. Das schont die Nerven von P. genauso wie meine und ich kann auf Wegen irgendwohin oder irgendwoher einfach mal durch lautes Mitsingen etwas Dampf ablassen.

Es folgt TMI, zur Not also bitte einfach diesen Absatz überspringen: Trieb, oh ja. Jede Menge davon. Albern, besessen, unvernünftig gar. Und: Auch wenn die Grundform des Begehrens gleich geblieben ist, nämlich Frauen (immer noch und immer wieder), ist der männliche Körper und alles, was da so in verschiedenen Stadien der Erregung (heraus)kommt (oder auch nicht) nach wie vor mächtig spannend. Auch Männer an sich sind inzwischen deutlich spannender, als sie je in meinem Leben waren oder ich das in meinen wildesten Träumen erwartet hätte. Das ändert nichts daran, dass P. meine Herzdame und Frauen mein primäres Beuteschema bleiben. Unglaublich, was so alles passieren kann, wenn man mal einen Moment nicht aufpasst.

„Dominanz“. Ein Verhalten, das ich so in dieser Art früher nie kannte und mit dessen Bezeichnung ich mich nach wie vor schwer tue, ist wohl doch irgendwie Teil meines Alltags. Ich kann mich immer noch zurücknehmen, tue das auch. Aber P. meldet mir zurück, dass ich direkter, unverblümter, härter meine Meinung sage und ihr das ab und an mächtig zu schaffen macht. Denn sie kannte mich 14 Jahre anders. Zurückhaltender und mit weniger Gegenwind. Das sorgt natürlich für die ein oder andere Spannung. So sagte sie neulich sehr treffend: „Wir müssen uns eigentlich neu, oder zumindest unter anderen Vorzeichen wieder kennenlernen. Und beschließen, ob wir uns so noch toll finden.“ Ich gehe stark davon aus, dass dem so sein wird. Trotzdem ist diese Transition eine eher unerwartete, weil wir beide eine solche Verschiebung nicht erwartet hatten.

Und hier zum Abschluss noch der Wortsalat zu anderthalb Jahren Testo: Stimme, Posen, Testo, Drang, Sport, Mastek, Heilung, Aufbruch, Ankunft, Musik, Auto, Lebenshunger, Arina Grande, Weltenwahnsinn, neue Ufer, trockene Nase, Haare, Bart, jesses, ist das alles uffreschend. 😉


Time, it seems, has gone to ridiculous speed. And I mean RIDICULOUS. Between top surgery, Donald Drumpf, and the different Höckes of this world spinning effectively out of control, cats with eye issues, my mother on the way to an old people’s home and the everyday madness of making a living I totally forgot about being more than one and a half years on T. How did that happen? And what has happened so far?

Quite a bit, even though I sometimes have been too busy with recuperating from top surgery over the past three months to really notice. But then, last week, when I finally was about to get another regular shot, I felt happiness surge through me and I was even looking forward to that bruising feeling. More T juice. High time, too, cause my levels had still been quite low in my six month checkup at the end of December.

With regard to my body, there haven’t actually been lots of changes in comparison to the „One year on T“-post (to be found here, if you are interested). Apart from the fact maybe that beyond the daily checks for facial hair (yes, I still take daily pics of my face and yes, I still delete most of them, much to my therapists dismay) more hair has turned up across my body in the most unusual places. To the back side of my upper legs for instance, or across my top surgery scar. Or to my belly. And (happiness alert) finally facial hair is slowly creeping upwards from my chin to my lower lip. Mostly I leave it where it grows. I don’t feel like mowing down what my body has grown so hesitantly, even though it would be good to restore some order to my face. Which reminds me that I had shaving on my to-do-list for today. Hold on for a minute. Won’t take long …

And back. Feels nice! 🙂 So my beard is doing its thing. My arms are covered in fluff that glows kinda red over my tattoos, if the sun hits it from the right angle. Not too shabby, indeed, but nothing compared to the dark flock of hair on the left outer part of my left back of my hand. It is just sooooo purdy!!! And yes, some of my fat has redistributed to different areas: Even though I haven’t lost a significant amount of weight, most of my pants that always made my upper legs kinda uncomfortable when moving, fit me like a glove and some even leave a tad of wiggle room. And that is really groovy because I was used to wearing more or less one pair of pants most of the time because the rest glared at me when I came close to them.

Since my top surgery, my belly has become a quite prominent if not the most prominent part of my body when I don’t pay attention to standing straight. A fact that I don’t care too much about, because I am slowly working on every nasty pound. And yes, my face is still kinda different, and no, I still can’t put my finger on it, what it is, exactly. I guess that my looks have turned a tad more angular due to the combination with my thicker neck. I still do feel that my nasal root has grown wider.

My shoulders have become more massive, more solid. And even though I feel that my voice hasn’t really changed over the past six months it still gives me a start when I hear my voice on our answering machine or in a video. I like being shy with my own voice. Kinda weird.

Regarding my mind there has been quite a bit of remodelling in the past year, but P. insists that the most nasty part with that grumpy, stubborn 15-year-old in my head is finally in the past. I am glad to hear her say that because being that nasty, „I won’t take that shit“ teenager was really getting a tad out of hand. Btw, if parts of what you are reading is old news, I apologize but I am just writing this down as it comes to mind. I want to take this snapshot of where I am at right now.

Then there is that drying-up-bit, as much in the literal sense as any other. Things, events, people touch me less and I am hardly ever (read: never) moved to tears. They have been replaced by a lump in my throat that tells me when a situation is emotional. And if the lump is on break, the feeling of a sunburnt face (i. e. my blood pressure) will gladly take over. Furthermore the mucosa of my upper airways seems to have gone to war with me: colds affect me much more, up to a point where I feel that every mucus transport has come to a screeching halt.

Btw: the rest of my puberty has been confined to playing loud nasty music in my car. That way, P. can rest for a bit and I can release some of the pressure by screaming lyrics on the way to or from somewhere.

What follows is TMI, so feel free to skip this paragraph: sex drive. Hell yeah. Silly, goofy, obsessed and foolish even. Yes, the basic form of desire has remained the same, namely women (always and again and again), but the male body and all that it is able to eject in different states (or not) is sooooo interesting. Just like men themselves have become more interesting than I ever dreamt would be possible. Which doesn’t change the fact that P. is the woman of my heart and that women remain my primary m.o. I am shaking my head as I type. So much is in motion.

„Dominance“. A character trait that I never thought I might have and that naming I still feel uncomfortable with, has become part of my everyday life. Don’t get me wrong, I know when to back down or step off the gas. But P. keeps telling me that my interactions have grown more direct, abrupt, and harder than ever before. And that it is particularly hard on her because she knew me in a different way for more or less 14 years. I used to be more friendly. More restrained. Of course that shift produces tension. The other day she put it quite clearly when she said: „I guess we have to get to know each other once more. Because things have changed. And we need to find out whether we still like each other that way.“ And even though I am pretty sure that we will, this part of transition is a shift that we both did not expect.

To end this post, here is another word tumble regarding 18 months of T: voice, posing, T, sex drive, exercise, top surgery, healing, journey, departure, arrival, music, car, lust for life, Ariana Grande, the world is fucking crazy, new (greener?) pastures, dry nose, hair, beard, and this is oh, so exciting! 😉

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