The same procedure as last year?

Die Sektkorken knallen, die Deppen vor der Haustür verböllern Vermögen vom Ausmaß mehrerer Kleinwagen, einige Katzen verstecken sich, andere schauen sich das Spektakel an, und schon ist ein neues Jahr angebrochen.

Meine Rituale zum Jahresbeginn sind eigentlich immer ähnlich: Ich entsorge wieder einen alten Jahresordner, bei dem die Aufbewahrungspflicht abgelaufen ist, sammle alle Belege für die Steuererklärung, räume mein Zimmer auf, ziehe Bilanz. Und dieses Jahr schaffe ich es aktuell sogar recht gut, dem „Loslassen“ nachzugeben und endlich mein Büro weiter auszumisten. Das bedeutet bei mir, dass ich Bücher gehen lasse, deren einziger Verweilgrund, wie eine Freundin es neulich treffend beschrieben hat, es ist, dass man es irgendwann ein Mal und einmal gelesen hat. Muss das wirklich in meinem Regal stehen? Ich beginne, meinen Kopf zu schütteln. Ein schwerer Schritt für jemanden, dessen größtes Ziel es irgendwann einmal war, eine eigene kleine Bibliothek zu züchten und eben all jene Bücher aufzubewahren, die ich irgendwann einmal gelesen hatte.

P. ist mir da um Längen voraus. Seit fast zwei Jahren nun dünnt sie konsequent unseren Haushalt aus, verkauft und verschenkt mehrheitlich Dinge, die wir einfach nicht mehr brauchen, nicht mehr wollen oder schlicht in drei verschiedenen Ausführungen besitzen. Ein gutes Gefühl macht das, sagt sie. Stimmt. Wenn man sich auf das Loslassen einlassen kann, während man sich an den Flaschenöffner klammert, der doch so hübsch aber unpraktisch ist. Ich werde das mit dem Loslassen 2017 probieren. So richtig, mein ich. Nicht nur halb gemurmelt, schon mit einem Sabberfaden im Mundwinkel, weil ich in meinem Sessel am Einnicken bin. Ich hab keinen Bock mehr auf das Anhäufen in der Lebensmitte.

Wenn die Ereignisse des letzten Jahres mir irgendetwas zeigen, dann, dass beinahe alles (auch unendlich Schreckliches neben so viel Wunderbarem) möglich ist. Warum nicht ausmisten? Weiß ich, ob wir Ende 2017 noch in einer stabilen Gesellschaftsstruktur leben? Wie mein Leben als Männlichkeit sich entwickelt? Wie es generell weitergeht? Nee, tu ich nicht. Da lohnt es sich, das Gepäck bei Bedarf so leicht wie möglich zu machen.

Klingt ein bisschen apokalyptisch? Naja, vielleicht eine kleine Prise Weltuntergangsstimmung hab ich drangetan. Ist recht. Aber auf der anderen Seite steht auch mehr Beweglichkeit durch weniger Anhängsel. Konzentration auf das, was zählt. Auf die, die wichtig sind. Alles andere ist Schall und Rauch.

Ich starte auch in mein erstes komplettes Jahr als „lesbare“ Männlichkeit. Das passiert immer noch fast ganz nebenbei. Zum ersten Mal in der Männerumkleide im Fitnessstudio. Ein kurzer fragender Blick, ein kurzes Innehalten der Männer, die mich von vor der OP kennen, bemerke ich schon. Aber dann isses auch schon wieder Tagesgeschäft. Der Bart am Kinn traut sich langsam in Richtung Unterlippe, was mich endlos (und ich meine ENDLOS) fasziniert. Ab und an stutze ich die in jede Himmelsrichtung wachsenden Haare mal mit dem Langhaarschneider, sobald ich allzu sehr nach Catweazle aussehe, von der herumfrizzelnden Richtung her, nicht von der Masse (keine Sorge, so schnell gehts dann auch nicht). Ich kanns kaum Erwarten, meine nächste „richtige“ Spritze zu bekommen (die letzte war wegen der OP deutlich verspätet, diese 11 Wochen waren also schon ein wenig unterversorgt vom Pegel her) und dann vielleicht wieder einen Schritt zu mehr Haaren zu erleben. Und weiterhin sagen Menschen mir, wie ich mich als Mann denn jetzt so zu benehmen habe. Verhalte ich mich denn nicht eh schon so? Oder bin ich trotz Testosteron ein Konglomerat weiblicher Sozialisationen in einem männlich gelesenen Körper? Muss ich auch hier loslassen? Spannend bleibt es auf jeden Fall, das neue Jahr. Das muss ich ihm lassen. Und ich werde einfach weiter darüber schreiben.

Frohes Neues Jahr Euch allen!

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The bubbly is open, those dimwits outside are burning fireworks with the pricetag of medium-sized cars, some cats are hiding, others are watching the spectacle: A new year has begun.

I have been cherishing the same rituals of this relay-baton-hand-on between the old and the new year for some time now: I start by disposing of yet another year binder for which the retention requirement has finally run out. I collect receipts and papers for my next tax return, clean my office, taking stock in general. And this year I am even not half bad at letting go and decluttering my office. For me that mainly means letting go of books whose „mere reason for being kept is that they have been read once“, like a friend of ours put it recently. Do books like these have to be in my life? I am beginning to think that they just don’t. A big step for me, because I used to think that my sole purpose in life was hoarding books into a kind of private library – books that (in most cases) I had only read once.

P. is years ahead of me when it comes to letting go. Two, to be exact. Pretty much two years ago she started to declutter our household, selling and giving away stuff that we simply don’t need, don’t care about or simply have three different varieties of lying around somewhere. „It just feels good to let go“, she says while I desperately cling to that bottle opener that I never use. Of course she is right. If you can bring yourself to do just that and open your hand to release something that you gripped too tight for the sole reason of holding on. 2017 will be that year. I am serious. This is no resolution half-mumbled while a tiny bit of drool is running out of the corner of my mouth because I have already fallen asleep a bit. I am sick and tired of amassing stupid stuff just because I have reached my middle years.

If the past year has taught me anything, it is that almost everything (even the horrible bits next to the awesome bits) is possible. Why not declutter now? I don’t know whether our society (or the social structure of our country, to make it sound less apocalyptic) will make it through 2017 as it is. I don’t know how my masculine life will develop. How things will turn out in general. I can’t, right? So I guess it might pay off to make traveling light, just in case.

Yes, yes, sounds like my apocalypse-now-seasoning slipped and overdosed my tea this morning. A little bit, maybe. But to put it in a more positive way: What is wrong about detaching yourself from stuff that is weighing you down? Why not instead pay attention to things that count? To people that count? Everything else is hollow words, anyway.

2017 will also be my first year in which I will more or less be read as male. Most of that keeps happening in drive-by-mode, really. A couple of weeks ago I went to the men’s locker room at my gym for the first time. Some men who knew me pre-op shortly hesitated, slowed their step for a second. After that, nothing. Well, apart from the sticky floor in the restroom. Yuck!!! The beard on my chin has finally started ascending towards my lower lip which is fucking AWESOME and fascinates me beyond measure. Every now and then I manscape the ronin hair that seems to spread into simply every possible direction instead of just hanging downwards like a decent hair of the beard to prevent me looking like Catweazle frizz-wise. I can’t wait to receive my next regular T-injection (the last one was really late due to surgery and my T-levels have been down in the dumps since then), hoping it will jump-start my follicles some more. And people keep telling me, how I am supposed to act „as a man“. Don’t I already? Or am I a conglomerate of female socialization on T? Is this yet another area in desperate need of letting go? The coming year will be full of suspense, if anything. And I will keep writing about it.

Happy New Year, everyone!

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