Rollentanz, die 2. // Living Life to be Max

Es ist ja so. Eigentlich, ja eigentlich habe ich mich nicht wirklich verändert. Eigentlich ändern sich (neben ein paar wunderbaren positiven Nebenwirkungen des Testosterons auf meine Psyche, okay, ja, stimmt, das ist schon Einiges) primär Äußerlichkeiten an mir. Oder? Die Mädels sind weg, der Bart sprießt weiter, das geht nach außen und lässt Dinge sich verändern.

Immer noch herrscht nach meiner OP ziemlicher Dunst in meiner Rübe und ich nehme oft gar nicht so wirklich wahr, was bzw. dass etwas um mich herum passiert: Da ist P, die sich plötzlich durch die veränderte Außenwahrnehmung an Heterozeiten erinnert fühlt und da viel weniger ein Problem mit hat, als ich (ICH BIN NICHT HETERO!!!!). Da sind Menschen, die meinen, ich müsse mich jetzt auf ganz bestimmte Art und Weise verhalten, wenn ich „ein Mann sein will“. Bestimmte Verhaltensweisen bzw. ihre Ablegung werden mir ans Herz gelegt. Ist das wirklich so? Hänge ich mit meinem Recht, zu sein, wer ich bin, von Normen ab, die andere festlegen? Wohl kaum.

Ich habe es hier schon vielfach in Erwartung der Situation geschrieben und jetzt erlebe ich es auch so: Ich bin und will mein eigenes Rollenvorbild bleiben. Ob mit Gel im Haar oder ohne, ob mit „Jammertagen“ oder ohne, ob empfindsam oder eben auch mal nicht, ob mit Stricknadeln in der Hand oder mit einem Schraubenschlüssel. Ich empfinde es als wahnsinnige Chance, zu versuchen, mich dabei nicht beeinflussen zu lassen, weiß aber, dass natürlich äußerliche Faktoren Einfluss auf mich nehmen, selbst wenn ich es nicht merke. Kann ich nicht einfach Max sein? So wie vorher Maya? Wie wirkt das, wenn ich als Männlichkeit so bin? Ich versuche, in den Augen der Menschen zu lesen, mit denen ich täglich interagiere. Sind sie durcheinander? Suchen sie nach Anhaltspunkten? Sind sie durch das Ein- oder Andere irritiert? Meist werde ich komplett als Männlichkeit verortet, scheint mir zumindest oder ist es auch so (wie z. B. im Klo). Und dann sind da die Momente, in denen ich nicht sicher bin, was mein Gegenüber zögern lässt.

Wie zum Beispiel neulich am Glühweinstand beim Ortsteilweihnachtsmarkt. Der Glühweinstand wird betrieben von einem Motorradclub. Nette Menschen in Lederkluft. Ich gehe also an den Stand und bestelle beim nächstbesten Herren zwei Glühwein. Er schaut mich zweifelnd an. Kurz bevor ich fragen kann, was jetzt das Problem ist (denn er ist vorübergehend zur Säule erstarrt), fällt mir ein, dass ich für die Nachbarn noch zwei Kinderpunsch mitbringen wollte und ergänze meine Bestellung um selbige. Just passieren in diesem Moment zwei Dinge simultan: Einmal kommt ein etwas jüngerer Kluftinhaber an den Tresen und übernimmt die Bestellung und die Miene meines Erstansprechpartners hellt sich deutlich auf. Mein Ansinnen wird ausgeführt.

Was genau hier passiert ist, weiß ich bis heute nicht. War ich nicht cool genug für den Glühweinstand? Wohl kaum. Um mich herum Ortsteilansässige unterschiedlichster Coolnessstadien, alle dort bedient. Konnte der Mann mich nicht einordnen? Wohl auch eher unwahrscheinlich, denn warum sollte es ihn an der Ausführung meines Wunsches hindern? Oder hielt er mich aufgrund des mageren Oberlippenflaums für einen Teenager und überlegte kurz, ob er mir Glühwein überhaupt aushändigen darf? Nach längerer Überlegung tendiere ich dazu, diesem Erklärungsversuch meine Stimme zu geben: Es war schon halb dunkel, der Stand schlecht beleuchtet, meine Stimme an dem Tag krächzig (wie häufiger seit der OP) und mein spärlicher Bart wies mich vermutlich als jemanden aus, der stolz auf die ersten Gesichtshaare ist (stimmt) und diese Peinlichkeit deswegen nicht entfernt (stimmt auch) und deswegen als minderjährig zu verbuchen ist (falsch).

Im Tageslicht oder mit Raumbeleuchtung passiert dies eigentlich nicht mehr, denn dann sieht man meine grauen Haare, Falten und Co. sehr deutlich. Ich denke, ich werde das weiter beobachten. Und nun wünsche ich allen einen schönen Nikolaustag!

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You see, basically I haven’t changed that much on the inside. Well, apart from those wonderful side effects of T which greatly influence my well-being (okay, alright, much has changed on the inside as well!), changes are now primarily directed towards the outside: The girls have happily retired, my beard keeps on growing. My muscles change. All that has an effect on the world surrounding me and prompts change.

Still, the ever-present post-surgery fog in my brain often lets me neglect just that. There are things going on around me. There is P who feels very reminded of her heterosexual days due to the change of outer perception. Her transition into that field seems surprisingly easy, which is definitely not the case for me (I AM NOT HETEROSEXUAL!!!) and also alarms me a tad. There are people who feel the need to tell me that now, after the girls have gone, I need to behave in a certain way, if I „wanna be a man“. Others tell me to get rid of select habits. Is that really the way it goes? Does my right to be who I am depend on norms written in stone by others? I don’t think so, honey.

Before the girls retired I often wrote about what I expected would happen then, and I experience it just like that. I am and for my own sake need to remain to be my own role model. Regardless whether I wear gel in my hair or not, have grouchy days or not, am sensitive or not, whether I hold knitting needles or a screwdriver. I consider it a wonderful chance to try to not be influenced while living life to be Max. Yes, I do know that my surroundings influence me to a certain degree, sometimes even without me noticing. Can’t I just be Max? Just like I was Maya before? And what happens when I am like that as a masculine being? I try reading behind the eyes of the fellow beings I meet and interact with on a daily basis. Are they confused? Looking for facts in interacting with their floating opposite? Most of the time people put me in the male column, at least it seems like that, especially when it comes to the loo, it seems (see previous post). But then there are those moments, when they hesitate.

Like the time we went to the local Christmas fair where the mulled wine stand is done by a local motorcycle club. Nice, leather-clad peeps. So I go there to order two mulled wines from one of the guys there who returns my order with a very quizzical glance. Split seconds before I am about to ask what exactly is wrong with that (because the silence seems to have turned him into a pillar of salt), I remember that I had been instructed to also bring mulled cider for the neighbor’s kids and add those to my order. Which creates a weird coincidence of simultaneous events: First a slightly younger leather-clad one marches up to the counter to take over my business while the face of my first prospective business partner lightens up. And my wish is granted within a minute.

What exactly happened here? I probably won’t find out. Was I not cool enough for purchasing mulled wine there? Don’t think so. At this time I was surrounded by people from our neighborhood of the most different shades of cool, all of them endowed with a mug full of mulled wine. Was it that the man wasn’t able to make sense of me? Rather murky as well. Or was it that the soft fuzz on my upper lip in his eyes qualified me as a teenager, thus making him trigger a decision tree whether or not he was allowed to hand me an alcoholic beverage? After careful consideration I tend to nod my head to this explanation: It was twilight, almost dark. The booth was poorly lit and my voice on that day very croaky (as on many a day since my surgery, go figure) and my scraggly fluff qualified me as belonging to a group proud of those first hairs (true), thus unable to remove this embarrassment (true again), and therefore identified as being underage (wrong).

In broad daylight or in closed quarters, this kind of thing just doesn’t happen any more, because my wrinkles, gray hair and the likes are clearly visible there. I will report back soon and until then, a wonderful St. Nikolaus to all of you!

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