Mein BH – Eine DoppelD-Geschichte (Liebes Tagebuch (21))// My bra – A DoubleD Story (Dear Diary (21))

Sehr bald nunhänge ich meinen Doppel-D-BH endgültig an den Haken. Einen meiner drei letzten (als ich meine körperliche Transition begann, schwor ich mir, keinen einzigen weiteren zu kaufen) habe ich gestern noch einmal in der Wäsche gehabt. Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, wie das sein wird, wenn ich dieses Kleidungsstück in Zukunft weder morgens kompliziert anlegen (in all meinen Lebensjahren mit Oberweite habe ich nie die Kunst des Verschließens der Haken auf dem Rücken gemeistert) noch waschen, aufhängen, wegräumen oder (oh Graus) kaufen muss.

Der BH und ich hatten immer eine wenig liebevolle Beziehung. Einerseits hielt er zwar meine ptotischen Brüste (Begriff, der fein griechisch Hängebrüste bezeichnet – unnützes Wissen, das du dir in der Transition aneignest) schmerzfrei und tat mir damit sicherlich einen Dienst, andererseits machte er die Wulste an meinem Oberkörper aber auch noch deutlich sichtbarer, denn es gab die Wahl zwischen Monotitte (sprich: Sport-Top) oder BH mit unerwünschter Liftfunktion. Beides nicht unauffällig. Einer Frau, die ihre Brüste als einen wichtigen, vielleicht sogar sinnlichen Teil ihres Körpers begreift, wird schwer zu erklären sein, warum das die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub war. Aber alle, die mit einer größeren Oberweite „gesegnet“ sind, wissen sicherlich um die Schmerzen in Brüsten bei sportlichen Aktivitäten, ihre Hinderlichkeit bei der Passform von Kleidung usw. Von den Schmerzen durch einschneidende Schulterträger durch ca. 1,5 kg Gewicht auf jeder Seite, die du bei jeder Pupsbewegung mithebst, fange ich jetzt mal gar nicht an.

„Du, ich mag meine Brüste auch nicht“. „Mir sind meine auch viel zu groß.“ „Das war vielleicht furchtbar, als die wuchsen“. Diese und andere Sätze hörte ich zu Beginn meiner Transition häufiger. Einerseits belegen sie, dass auch Frauen, die mit ihrem Frausein eins sind, ein gespaltenes Verhältnis zu ihren sekundären Geschlechtsorganen haben und damit wiederfuhr mir eine angenehme Solidarität. Andererseits entwerteten sie in meinen Augen zumindest mein Ansinnen einer Geschlechtsangleichung (selbst wenn ich sicher bin, dass sie so nicht abgeschickt waren). Denn schließlich haben wir alle dasselbe Los! Es machte mein Empfinden, die Brüste als nicht zu mir gehörig zu empfinden, gefühlt beinahe unsichtbar. Es dauerte eine ganze Zeit, bis ich mich und mein Verlangen nach einer OP und Hormonen von diesen Einwürfen lösen konnte. Und ja, ich fühlte mich schuldig dafür, dass ich das anders empfand und eine Extrawurst gebraten bekommen musste.

Seit ein paar Monaten nun trage ich wann immer möglich keinen BH. Da das Testosteron die Nebenwirkung hat, dass das Wirkgewebe der Brüste schrumpft und nicht mehr dem weiblichen Zyklus unterworfen ist, hatte ich dabei auch deutlich weniger Schmerzen als in meinem restlichen Leben. Viele Transmänner entscheiden sich aus Leidensdruck, ihre Brüste abzubinden. Die Techniken variieren von sogenannten Bindern (sehr engen, doppelwandigen Unterhemden, die meist ursprünglich für Männer mit Gynäkomastie entworfen sind), Wickeln von Kompressionsbandagen oder Klebeband, bis hin zu Westen, wie sich häufig nach Brust-OPs zum Einsatz kommen. Nachdem ich mich für die Transition entschieden hatte, entschied ich mich auch, dass das die Tage der „Mädels“ ohnehin gezählt waren und ich mich der Tortur, Doppel-D-Brüste wegzubinden, schlechter atmen zu können, Schaden an inneren Organen zu riskieren und natürlich wieder ein unnatürliches Brett vor dem Körper zu produzieren, nicht aussetzen würde. Mein Chirurg unterstützte diese Entscheidung mit der schlichten Information, dass OP-Narben nach der Mastek deutlich besser verheilen, wenn die Person vorher nicht abgebunden hat. Dies verdünnt nämlich das später zu nähende Gewebe.

Diese Entscheidung macht die Aufgabe des „Passings“, also nicht mehr als weiblich verortet zu werden, um Einiges schwerer: Männer ordnen mich meist aufgrund der Stimme männlich zu. Dann schauen sie nicht mehr auf die Brüste. Wozu auch. Sind sie sich nicht sicher, schauen sie auf die Brust. Und sind verwirrt. Frauen schauen mir grundsätzlich erst mal ins Gesicht, ordnen mich als Mann ein und sind dann komplett durch den Wind, wenn sie meine Brüste entdecken, weil sie zum Beispiel kurz seitlich zu mir stehen. Das Hin und Her macht mir meist wenig bis gar nichts aus, denn auch ich empfinde mich ja als in einer Art Schwebezustand. Hin und wieder ergeben sich daraus auch sehr lustige Ereignisse, besonders auf öffentlichen Toiletten. Interessanterweise erlebe ich dabei heute aber nur noch seeehr selten aggressives Zuweisungsverhalten der Menschen in der Toilette, etwas, womit ich mich mit polangen Haaren in den frühen Neunzigern deutlich häufiger herumschlagen musste.

Nächste Woche ist das alles dann vorbei. Was nun kommt, wird anders. Spannend. Neu. Ich freue mich.

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Soon my double-d-cup bras will go the way of the dodo. One of my three last ones that has been on heavy rotation over the past year (I swore to not buy another new one when I began physical transition) took one last spin in the wash yesterday. It is funny how difficult it is for me to imagine, that I won’t have to put this piece of clothing on in the mornings anymore (in all those years I never mastered the art of closing my bra hooks on my back), won’t have to wash it, hang it, put it away or (nasty) buy new ones.

Bra and me never had what you might call a loving relationship. On the one side, it held my large ptotic breasts  (sweet scientific Greek term for hangig as fuck – unneccessary knowledge you keep accumulating in transition) relatively free of pain, thus helping me a bit. On the other side it made the lumps on my chest even more visible, because I had the choice between monoboob (a.k.a. sports bra) or a bra resulting in an undesired push of my boobs from below. A woman considering her breasts as an integral or even sensual part of her body will probably have a hard time why both were kind of like the choice between a rock and a hard place, albeit those „blessed“ with large breasts most probably will now about the pain that sports bring about, the mess they make of your favorite t-shirts, and don’t get me started on the pain that the shoulder straps produce because with every movement you are lifting, let’s say, an additional 1,5 kg with it. On each side.

„I don’t like my tits, either“. „Mine are too big, too.“ „I felt horrible when they started growing.“ Those were the replies I often heard when I started opening up on transitioning and top surgery. And yes, sentences like that do document the fact that women who feel at ease with their gender can also be ambivalent about their secundary sexual organs, producing a soothing kind of solidarity. But in my eyes sentences like these also felt like they were invalidating my need to transition to a certain degree (even though I am certain they weren’t meant that way), because they stressed the fact that we all go through the same stuff. And that meant that my need to take that step because they simply don’t belong to me became kind of invisible. Or at least it felt that way. It took quite some time for me until I was able to detach myself from that and validate the need of surgery and HRT for me. And yes, I felt guilty, because I felt different and needed that „special treatment“.

For the past couple of months I haven’t worn a bra whenever possible. Because T has the effect that the breast tissue shrinks after a while, the less and less pain I felt being without a bra made that possible.

Because they just can’t take having a visible female breast, many transmen opt for binding, either with very tight, double-sewn shirts meant initially and almost ironically for men with gynecomasty, by applying elastic bandages of even tape. After I had decided to transition and also have surgery, I figured that the „girls“ were leaving for good anyway and so I opted against the torture of having to bind double-Ds, producing problems in respiration and risking defects on inner organs. And of course also against producing yet another unnatural-looking breast. My surgeon supported that by letting me know that scars after top surgery heal much better, if the person didn’t bind before. Because prolonged binding thins out the tissue that needs to be sewn together.

This decision made passing a tad harder: Men usually gender me as male due to my voice and they don’t look at my breast, because why would they? If they aren’t so sure what to make of me, they gaze downwards and see my breasts. And then the real fun starts. Women on the other hand look at my face and gender me male. Unless they stand on my side and can’t help checking out my boobs. That limbo is usally something I don’t mind. It feels a bit like floating. And sometimes it produces hilarious moments in public restrooms. What is really interesting there is that the more aggressive way of concerned people indignantly sending me out I had to deal with while my hair was still almost touching my butt in the early nineties is a thing of the past. Go figure.

Next week this will all be a thing of the past. What lies ahead will be different. Exciting. New. I am so looking forward to this.

PS: I do apologize for the shake-and-bake nature of this translation. It has been a very long day but I still wanted to get this out there.

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