Liebes Tagebuch (19) // Dear Diary (19)

Schwäche ist nicht meine Stärke. So gar nicht.

Ich schaffe Dinge allein.Ich mag es nicht, andere Menschen, egal, wie nah sie mir stehen, um Hilfe zu bitten. Ich mag es, die Person zu sein, die hilft. Die einspringt, das Problem löst, die Deadline rettet. Ein sicheres Zeichen, dass ich unter als Altruismus getarntem Größenwahn leide, fürchte ich. Und die Aussicht, dass mich Schwäche in den nächsten Wochen begleiten wird, wo ich gehe und stehe, lässt mich schaudern. Denn auf dem Weg zu einem Körper, der meiner Selbstwahrnehmung eher bis vollständig entspricht, liegt nun eine Zeit vor mir, die mir erst einmal so gar nichts erlauben wird, was auch nur im Entferntesten mit dem Oberkörper zu tun hat.

Das reicht vom Türen- und Fensteröffnen, über das selbstständige Verlassen der Wohnung (wir haben eine schwere Brandschutztür am Wohnungseingang) bis zum Wegtragen des Katzentoiletteneimers, aber auch in eher unbewusste Bewegungsabläufe wie (sorry, TMI): Aufstehen aus dem Bett/Sessel, alles, was im Zusammenhang mit dem Besuch gewisser Örtlichkeiten steht, Versorgung kranker Katzen und Anschnallen im Auto. Dinge, bei denen P mir teils helfen, teils mich auch gar nicht unterstützen kann. Ganz zu schweigen von meinem Ritual mit Pesto, meinem gewichtigen Kater, der mir von der Badewanne oder der Toilette aus morgens gerne und unvorbereitet in die Arme springt und du nichts anderes tun kannst, als ihn aufzufangen, um signifikante Hautverletzungen zu verhindern.

Diese Aussicht habe ich offensichtlich ziemlich lange vor mir hergeschoben, denn die Einsicht, dass das jetzt so kommen wird, erwischt mich gerade heute ganz schön kalt. Ich glaube, ich werde den Kopf einfach auch noch ein bisschen länger in den Sand stecken, während ich mein Arbeitszimmer etwas handicapfreundlicher gestalte und Sachen, die sich z. B. weit oben in Regalen befinden, in Bodennähe bringe oder die Notwendigkeit des Hebens eliminiere. Ich glaube tatsächlich, ich muss erst in der Situation sein, um ihr dann tatsächlich auch ins Auge sehen zu können.

Eine Freundin schrieb heute, sie finde es interessant, dass ich ausgerechnet auf dem Weg zum „Mann“ lernen muss, mich meiner Schwäche zu stellen. Das ist ein sehr interessanter und sehr fein beobachteter Punkt, der mir so noch gar nicht aufgefallen war. Andererseits war ich aber auch schon immer der Meinung, dass das mit Männern als dem starken Geschlecht ziemlicher Bullshit ist. 😉

Gute Nacht.

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Being weak is definitely not my strong suit.

I do things on my own. I don’t like asking for help, regardless of the relationship I have with the respective person. I like being the one that helps. The one that saves the day, solves the problem, holds the deadline. I guess that is a very clear sign that I have mastered the art of camouflaging my delusions of grandeur as altruism. And facing the fact that the coming weaks – uups Freudian slip – weeks will be filled with not being able to take care of myself, is driving me crazy. Because on my way to a body that will reflect the image I have of myself much more, if not perfectly, I will not be able to do anything remotely resembling an upper body movement.

That involves opening doors and windows, leaving our apartment on my own (our apartment door is a heavy fire door), carrying the kitty litter to the garbage container, movements (sorry, tad of TMI) involving going to the loo, getting up out of my chair/bed, taking care of sick cats and putting my seatbelt on in the car. All these are things that P will only partly be able to help me with, if at all. And have I told you about the Pesto-Max morning ritual involving my heavy (and I mean heavy) cat jumping at me from the bathtub or toilet without any warning and all you can do is drop your stuff and catch that sucker, because everything else would result in utter carnage?

I seem to have put this prospect off very successfully for the past months, because the realisation that this is coming hit me like a brick today. I guess I will try to keep ignoring it for just a little longer while I make my office more accessible for my future needs, for instance by putting stuff that is higher up on ground level, thus eliminating the need to reach up or take down something heavy. I think I will have to wait to cross that bridge until I get there.

Today a friend of mine wrote that she thinks it is almost ironic that off all things I will have to face my weakness while becoming a man. A very fine point she made there. One that I hadn’t seen before. But then again I have always known that the idea of the stronger sex being male is a screaming, steaming pile of you-know-what. 😉

Good night!

 

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