Liebes Tagebuch (16) oder: Die Jagd nach dem verlorenen Text // Dear Diary (16) or: Raiders of the lost text

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Text von gestern ist nichts für Jäger. Er ist für immer im Orkus des Internets verschwunden und wird sich auch nicht nachträglich wieder ausbuddeln lassen. Vielleicht auch ganz gut so, denn ich hatte über zwei Wochen daran herumgebastelt und er wurde nicht so recht rund. WordPress hat das wohl geahnt. Trotzdem irgendwie doof, dass er dann so ohne ein Wort des Abschieds oder eben eine Fehlermeldung verschwunden ist.

Eigentlich ging es in diesem Text darum, wie das Coming Out bei meinen Schülern vor ein paar Wochen lief. Ich hatte es bewusst ans Ende des Kurses gelegt, weil ich so wenig Ablenkung von Grammatik und Spracherwerb wie möglich generieren wollte. Und das lief ziemlich prima, muss ich sagen. Auch wenn sie sicherlich nicht verstanden (einige verschränkte Arme waren dann doch zu sehen), warum ich so fühle, verstanden sie sehr wohl, dass dieser Weg unglaublich wichtig für mich ist und mich zu einem zufriedeneren Menschen und vermutlich auch zu einem besseren Lehrer macht. Vielleicht auch, weil mir sehr bewusst ist, wie schwer so ein Neuanfang in der „zweiten Lebenshälfte“ mitunter sein kann. Alle begegneten mir auf der für sie geeigneten Ebene offen, freundlich und einfühlend. Besser hätte ich es mir nicht wünschen können. Und ihre Erzählungen aus den jeweiligen Heimatländern ließen mich ein ums andere Mal froh sein, in Deutschland zumindest derzeit noch relativ unbedroht meinem Leben nachgehen zu können (im Vergleich zumindest).

Heute musste ich kurz in der Schule vorbei und etwas abgeben. Dabei schaute ich schnell in den Kursraum. Es war ein ziemlich großes Hallo und ich habe mich sehr gefreut, wie entspannt alle aussahen. Sowohl mit mir, als auch mit meiner Vertretung. Ich bin nicht wirklich gut im Loslassen, aber dieser Moment hat es mir wirklich ziemlich erleichtert, in eine Pause der voraussichtlichen Langeweile, pardon, Genesung zu gehen.

Ansonsten: Der Nachmittag bescherte mir den Beinaheherzinfarkt des Tages. Gegen 15.30 Uhr klingelte das Telefon. Hamburger Nummer. Mir rutschte das Herz in die Hose, denn Libri (eine Firma, mit der ich zu tun habe und die in Hamburg sitzt) schreibt eigentlich immer nur E-Mails. Es war das Krankenhaus. In Erwartung schlechter Nachrichten fragte ich direkt: „Sie wollen jetzt aber nicht noch einmal verschieben, oder?“ Die Dame vom Sekretariat konterte: „Haben wir denn schon einmal unsererseits verschoben?“ Ich: aber hallo, und das hatte unangehme Umplanungen meinerseits zur Folge.“ Das Sekretariat (aus dem Off): „Das war doch wegen der Urlaubsplanung.“ Und zack, war meine Theorie über meinen leider nicht haltbaren Termin bestätigt. Es handelte sich um einen Urlaubsausfall. Aber nun. Lieber einen erholten Chirurgen, als einen genervten. Dann: „Eigentlich wollten wir nur den Termin mit ihnen bestätigen. Bleibt es von ihrer Seite her dabei?“ Ich: „Aber selbstverständlich.“ Und das beendete dann auch das überaus freundliche Gespräch. Ich begann wieder zu atmen.

Nach diesem Ereignis an entspannte sich der Abend doch sehr. Hab ich erzählt, dass ich im Internet-Mahjong die Halloween-Steine ergattert habe? Es war ein hartes Stück Arbeit. Schade eigentlich, dass wir dieses Jahr Halloween nicht groß feiern können.

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To put it upfront: the text I wrote yesterday is not going to saved by the raiders. It has forever gone to the underbelly of the internet and there ain’t no way someone’s gonna dig it up again. And maybe that is a good thing because I had tweaked and changed and rewritten most of it over the last couple of weeks without it ever getting close to being finde. I guess wordpress must have caught that vibe. Still it kind of sucks that it ceased to exist without a word of goodbye or a pop-up notifying me of a malfunction.

What the initial text was basically about was how my students took the news of me being transgender a couple of weeks ago. I had deliberately chosen to come out at the end of the course to generate as little distraction from grammar and language skills, and I think that was a wise decision. Even though it was obvious that some of my students didn’t understand (some crossed arms popped up here and there) why I feel that way, they did understand that this road is an important one for me to take. Because it makes me a more content and healthier person and maybe even a better teacher, due to the fact that I am very aware how hard starting over in the second half of your life can be, for whatever reasons. Basically everybody met me on the level that they were comfortable to get in touch with me and the exchange was open and empathetic. I couldn’t have wished for a better outcome. And the stories of trans people from from their country, which they surprisingly were able to share, let me breathe another sigh of relief, because living in Germany at least for the moment enables me to go about my life relatively unrestricted (in comparison).

Today I had to go visit the school to drop something off and while there, I just waved a quick hello to my ex-students. I could tell they were happy to see me and I was happy to see them relaxed with me as well as with my sub. I am not an expert at letting go, but that moment right there made it so much easier for me to go into my sabbatical of boredom, pardon, reconvalescence.

Apart from that: The afternoon created the nigh heart attack of the day. Around 3:30 PM my phone rang and caller display identified a phone number from Hamburg. I needed to sit down then, because Libri (a company I do business with that has its headquarters in Hamburg) never calls, only sends e-mails. It was the hospital. Expecting bad news I shouted into the receiver. „Don’t tell me my surgery has to be postponed again!“ The secretary from the hospital replied: „Did we postpone on our behalf already?“ Me: „Uhuh, yes, you did. Which produced quite a bit of hassle for me, replanning plans that had been up and running for five months.“ The other secretary (in the background): „That was because of the vacation planning.“ And thump: That easily they had confirmed what I had been sure had been the cause for them cancelling from the beginning. But, oh well. Better a relaxed surgeon than a grumpy one, right? Then:“We only called to confirm the date once more to make sure your plans haven’t changed.“ Me: „Believe me, they haven’t.“ Thus ended the more than friendly conversation and I was able to breathe again.

After that, the evening became a lot more relaxed. Did I tell you yet that I was able to secure the Halloween cards of my internet mahjong game? Yes I did! And it was hard work. Bummer that we won’t be able to celebrate Halloween properly this year.

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