Liebes Tagebuch (11) // Dear diary (11)

Tag drei im Krankenlager. So langsam gesellt sich zum ständigen Schlafen, dem Sausen in den Ohren und den Hals- und Kopfschmerzen wieder ein Fünkchen Leben. Heute Morgen habe ich zum Beispiel festgestellt, dass sich die Haare unter meinem Kinn langsam kinnaufwärts bewegen in Richtung des kleinen Zutzels, der sich so langsam unter meiner Unterlippe breit macht. Ich bin entzückt. Und entzückt ging in den letzten Tagen so gar nicht. Also kann der Silberstreif am Horizont nicht mehr weit sein!

Durch das Flachliegen hat sich bei mir eine ziemliche Ruhe eingestellt, die vermutlich bald wieder durch Nervosität abgelöst werden wird. Aber solange sie andauert, genieße ich sie. Abgesehen von den Atembeschwerden schlafe ich auch halbwegs gut. Im Schreiben fällt mir gerade auf, dass die Erkältung ausbrach, nachdem ich dem Krankenhaus meine Entscheidung gegen die Hysterektomie und Ovarektomie mitgeteilt hatte. Sollte mein Körper mich überlistet und mir die nötige Entspannung nach dieser Stressphase beschert haben? Fühlt sich beinahe so an. Zurückblickend werde ich immer gern vor lebensverändernden Ereignissen noch einmal krank. Fast so, als wollte mein Körper für den letzten Schritt  noch einmal Kraft tanken. Und weil er mich kennt, schaltet er mich dafür mehr oder weniger schmerzhaft aus (je nachdem, wie stur ich zum jeweiligen Zeitpunkt bin): Vor meinem Abitur lag ich sechs Wochen krank im Bett, vor meinem Magister hatte ich Hexenschuss.

Es scheint, als kenne mein Körper mich ganz gut und bediene sich dieses Tricks, weil ich sonst den Dampf bis zur letzten Sekunde auf Endstufe drehe und kein gutes Argument der auch noch so geschulten Goldzunge mich vom Gegenteil überzeugen kann. Schon ein bisschen traurig, aber funktioniert. Und das zählt.

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Day three in sick bay. Slowly, very slowly, the coughing, headache, sneezing, and general malesse are joined by life returning to my bones. Which is why this morning I rejoiced when I noticed the ever so slight fuzz creeping up my chin towards my puberty-stricken soul patch. Yay to the yay! And yay is something I wasn’t really capable of over the last couple of days.

By lying flat on my back it seems, I have regained a decent amount of serenity, which is good. Tension will be back soon enough, so I will enjoy it, as long as it lasts. Apart from breathing being tricky I have started to sleep well again. And I just noticed while hunched over my tablet in bed that the cold had its coming out when I had made my decision about not having the hysterectomy and ovarectomy. Can it be that my body tricked me by providing the desperately needed relaxation after that stressful period disguised as a cold? Seems like it. Looking back on times of change in my life I cannot help but notice that I tend to become ill before great decisions or examinations of some kind have to be taken. Maybe my body needs that step to regain strength for whatever lies ahead. And because it knows me well, it uses the only way that will work, by knocking be out more or less painfully, depending on how stubborn I am at that point. Before my Abitur I spent six weeks in bed with a nasty flu, before my M.A. exams I was rendered motionless by excruciating back pains.

My body does that, I think, because it knows that otherwise I will run full throttle until the last second and no matter how logical and needed people might tell me that slowing down is, I will not be convinced. Sad, somehow, but it works. And that’s what counts.

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