Liebes Tagebuch (8) // Dear Diary (8)

Es ist soweit. Ich habe mich entschieden. Zwei Monate habe ich mit mir gehadert, was ich nun mit meiner beantragten Hysterektomie und Ovarektomie mache. Es ist so, dass die Entfernung dieser beiden Organe gerne direkt mitbeantragt wird bei der Mastektomie. Und auch ich habe das getan, als ich den Antrag Anfang des Jahres schrieb. Warum? Weil das Testo manchmal den hormongebenden Organen und der Gebärmutter Ärger macht. Weil einige Transmänner dadurch Schmerzen haben. Weil einige andere Transmänner es nicht ertragen können, etwas Weibliches in sich zu tragen. Und ich vermute auch, weil es bis 2011 für die Namens- und Personenstandsänderung Vorschrift war, dass man sterilisiert sein musste (siehe frühere Posts – schwangere Männer gibt es nicht). Da stand ich also nun mit einem bewilligten Eingriff, war aber aus mehreren Gründen nicht sicher, ob ich ihn wollte. Zunächst einmal war da die Hoffnung, dass der Eingriff vielleicht die sporadischen Schmerzen im Unterleib ausschalten würde, die ich ab und zu erlebe. Und ebenfalls eine Hoffnung, nämlich die von einem besseren Greifen des Testosterons.

Zwei Hoffnungen, die keine Chance hatten gegen das Wissen um ein weiteres Körpertrauma, das ich simultan verkraften müsste. Gegen die Tatsache, dass ich kein Problem damit habe, dass die Batcave da noch ein Weilchen bleibt. Dagegen, dass es nicht lustig ist, mit gleich zwei frischen OP-Narben 6-8 Stunden sitzend nach Hause fahren zu müssen (je nach Verkehrslage). Dagegen, dass beide Organe in der letzten Untersuchung absolut kerngesund waren. Dass ich bei Beschwerden jederzeit noch einmal eine Indikation bekomme und die OP dann direkt hier vor Ort machen kann. Dagegen, dass ich immer wieder Stimmen hörte, die von Einbußen beim sexuellen Empfinden sprachen und von der Gefahr einer Inkontinenz, die ich nun wirklich nicht vorzeitig brauche (mal ehrlich: Einlagen in Boxershorts? Nicht sexy!). Und dagegen, dass ich es ohne einen Grund doof finde, die restriktiven Vorschriften von vor 2011 einfach so zu erfüllen, damit „einfach gleich alles erledigt ist“.

Es muss nicht sein. Ich will nicht, wenn es nicht sein muss. Ich lasse es also sein. Ende Gelände. Es reicht schon, dass ich nach der Mastek erst mal nicht die Arme heben kann und für quasi alles Hilfe brauchen werde. Mein Körper braucht nicht noch mehr Baustellen. Also: endlich Ruhe in diesem Karton, zumindest vorläufig.

Heute war ein sehr grauer Tag. Ich weiß immer noch nicht, ob ich krank werde. Ich hatte beim Training ungewöhnlich viel Energie heute Morgen. Das bedeutet entweder, es wird jetzt besser oder ich hab ab morgen was.

_________

I have done it. Made the decision. Sent the e-mail. Two months I have taken my time to make up my mind about whether or not to have the hysterectomy and ovarectomy I had applied for when applying for top surgery. In Germany, both surgeries are often applied for simultaneously. I did the same, when I wrote my letters to my health insurance in the spring of this year. Why? Because T sometimes upsets the hormone-producing organs of your body. Because transmen sometimes have phantom menstrual cramps from that (which I do, but only to a very manageable extent). Because some transmen can’t bear the thought of carrying female reproductive organs with them, or anything female, for that matter. And also, I guess, because up until 2011 name and gender marker could only be changed after the reproductive organs had been removed (see earlier posts – there are no pregnant men, you know). So there I was, granted surgeries in my pocket but still and for more than one reason couldn’t make up my mind. I was kinda hoping on two things if I did decide on going through with it: One being that it might stop the sporadic pain that I was experiencing and two that I hoped for T to just work better after that.

Both hopes were up to serious cons that were weighing in like crazy. There is the serious double trauma that I know would be a rough deal for my body. There is me knowing that I don’t have any objections to keep the batcave for a little while longer. There is the fact that it wouldn’t be funny to go the 6-8 hours back to Mainz (depending on the traffic) with two fresh scars. There is the fact that all the involved organs were seriously healthy last time I checked (two weeks ago). The fact that I will get a prescription for these surgeries immediately, should the need arise and that this would mean it could be done in Mainz, close to home. The fact that I heard many voices speaking about loss of sensation is this very sexual area and the danger of incontinence which I really, really don’t need (seriously, can you imagine incontinence pads in boxers. I sure as hell can’t). And of course, last but not least, the fact that I will not without serious reason fulfill the discriminatory requirements pre-2011, just because „I wanted to be done with it“.

It doesn’t need to be done. I don’t want it, if there isn’t need. So I will postpone this decision. And concentrate on getting through the mastectomy in one piece. For me, it is more than enough to know that I won’t be able to do anything with my arms after that for a while. That I will need help with many things. My body doesn’t need another construction site to deal with right now.

Today was a very gray, foggy fall day. I am still not sure whether or not I am coming down with something. I had a freakish amount of energy at the gym this morning. That means I am either on my way up or I will be sick tomorrow. Let’s hope for the first.

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Liebes Tagebuch (8) // Dear Diary (8)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.