Liebes Tagebuch (5) // Dear Diary (5)

Heute habe ich mit meiner Homöopathin telefoniert. Einmal wollte ich mit ihr darüber reden, dass ich schon recht angespannt bin vor meiner OP und wie sich das auswirkt, und außerdem wollte sie mir noch ein paar OP-Mittel für mich nennen, die ich sicherheitshalber mitnehme, wenn die Mädels unters Messer gehen.

Es war ein prima Gespräch. Es half mir unter anderem sehr, etwas klarer zu sehen, warum ich so angespannt bin. Es ist nicht die OP selbst, seltsamerweise. Es ist – schon ein paar Mal angedeutet – dass ich nicht weiß, wie Menschen in meinem direkten Umfeld nach der OP mit mir umgehen, wenn die Transition neben der langsam eintretenden Gesichtsbehaarung auch eine noch deutlichere äußere Wirkung hat und nicht mehr „einfach“ nur der respektvolle Umgang mit Pronomen und gewählten Namen ist. Es wird alles irgendwie realer. Und ich frage mich, ob Menschen wohl größere Probleme damit haben werden, als sie und ich vielleicht bis jetzt vermuten.

Auch, wenn das sicher erst mal nur eine „Wahnidee“ ist (echte Ablehnung von Angesicht zu Angesicht habe ich, klopf auf Holz, bislang nur sehr selten erlebt), steckt in diesem Gedankengang doch wie immer bei mir das Bedürfnis, gemocht, gewollt, geliebt zu werden. Sicher, das hat jeder Mensch ein Stück weit. Aber für mich ist es eine ganz starke Triebfeder, die auch deutlich mein Verhalten in sozialen Interaktionen mitbestimmt. Wie wäre das also, wenn Menschen mich plötzlich nicht mehr so nett fänden?

Das Interessante an dem Gespräch heute morgen war, dass mir gegen Ende klar wurde, dass das gar nicht mehr so wichtig ist. Diese Sorge ist eher ein Echo dessen, was für mich früher das schlimmste aller möglichen Szenarien gewesen wäre. Denn inzwischen weiß ich, auch Dank der Erfahrungen der letzten zwei Jahre, dass ich auch damit klarkommen werde, sollte es tatsächlich der Fall sein. Und so löst sich diese Sorge auch in Luft auf.

Als sollte der Rest des Tages diese Veränderung bestätigen, liefen mir den ganzen Tag über Menschen über den Weg oder schrieben mir und erkundigten sich, wie es mir geht und ob die OP schon vorbei sei. Schon ganz schön toll.

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This morning I had a phone appointment with my homeopath. I wanted to talk to her about the tension I have been experiencing and also she wanted to get some remedies sorted out for the time after my surgery. I want to take them with me to be prepared, when me and the girls do the final cut.

It was a great session. Among other stuff it helped me to see more clearly, what my tension is all about. Oddly enough, it is not the surgery but (I guess I hinted at that before) the fact that I don’t know how the people in my social environment will treat me after I’ve had surgery. You know, when transition is not all correct pronouns and respecting the chosen name anymore but when an actual shift starts to take place, with facial hair, missing girls and what not.

Even though this is most likely rather delusion than fact (luckily I have experienced real face-to-face rejection only very scarcely), this train of thought is an hommage to my need to be liked, wanted, loved. Sure. This is a very human condition. But for me, it is more than that. It motivates or used to motivate most of my social interactions or at least shape them. So how would I feel, if people would not like me that much anymore?

The most interesting outcome of our talk was that towards the end I realized that this is not even that important anymore. More than anything else, this fear is an echo of what I used to consider the most horrible of all worst case scenarios. Because if the past two years have taught me anything, it is that I will be able to deal with that as well. And thus goes another fear in my life. Fare well. Go haunt somebody else.

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