Liebes Tagebuch (4) // Dear Diary (4)

Liebes Tagebuch. Heut ist ein hetziger Tag. Deswegen wird das hier jetzt auch ne kurze Nummer. Irgendwie ist alles einfach davongeprescht und ich konnte es nicht stoppen. Workout, Arbeit, Einkaufen, Mittagessen, Arbeit, alles schoss in einem dunstigen Nebel an mir vorbei. Beim Telefonat mit unserer Tierhomöopathin merkte ich, dass vor der OP Termine zu machen jetzt langsam wirklich knapp wird. Als ich die Post in die Filiale brachte, habe ich mich ein bisschen mit der Eigentümerin darüber unterhalten, dass Millennial-Studenten ihr ständig rotzfrech gegenüberstehen und wenn was was nicht nach ihrer Nase geht sagen: „Und wenn schon. Ich verdiene irgendwann mehr Geld als sie“. Als ob das die Universalantwort auf alle Probleme der Menschheit wäre. Ich konnte nur den Kopf schütteln. Unsere Gesellschaft zerreißt zunehmend in arm und reich und das hysterische Mimimi ist allgegenwärtig. Und die zunehmende Ablehnung von Minderheiten widert mich an. Der Respekt, so scheint es, fällt durch die Ritzen. Oder vielleicht war er nie da, nur hat Zufriedenheit das Deckchen des molligen Vergessens darüber gebreitet. Wie dem auch sei. Ich finde Respekt entscheidend. Ich fordere ihn für mich, ich bringe ihn (hoffnungsvoll) meinen Mitmenschen entgegen. Jeder kämpft sich auf seine Weise durch den Tag. Das müssen wir wieder sehen lernen. Und das wars auch schon für heute. Ich putz jetzt mal die Waschbecken. Gleich kommt die Nachbarin und verklappt überschüssige Kürbissuppe bei uns, bevor sie sie „entveganisiert“, wie sie eben am Telefon meinte. Unsere Nachbarn sind toll. Bis morgen!

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Dear Diary. Today was a very fast-paced day, which is why this entry is going to be a drive-by-writing. Somehow the day passed without me really getting my feet on the ground. Workout, work, groceries, work, lunch, all that in one single, windy blurr. When I talked to our animal homeopath in the afternoon I saw that finding the next appointment before surgery will be tough. When I stopped by my favorite mail office, the owner told me how nasty millennials keep addressing every kind of beef they might have with German mail by ending with: „Whatever. I don’t care. Soon I’ll be making more money than you ever will“. As if this might be the all-encompassing answer to everything in the world. I went to my car, still shaking my head. Our society is ripping apart at the seams, dividing us into haves and have-nots and hysterical nagging is the ever-present ingredient to almost every nasty conversation. The growing rejection of minorities makes my stomach turn. Respect, it seems, is something that will be discontinued soon. But there is a nasty voice in the back of my head saying: Maybe it was never there to begin with. Maybe being content kinda covered it up for a while. Whichever is true, I consider treating each other respectfully a core competence for everyone. I demand it from others and hope I can return the favor when interacting with my fellow beings. Everyone fights their battles over the day. We need to relearn to see and acknowledge that. And that’s it for today. I will go clean the sinks now. Soon our neighbor will call. She wants to share her surplus of pumpkin soup, before she „de-veganizes it“, as she put it. Did I mention that I love our neighbors? See you soon!

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