Gehen wie ein Mann // Walking like a man

Wie geht man denn so, als Mann? Breitbeinig? Entschiedenen Schrittes, so, als sei einem das Ziel stets und durchdrungen bekannt? Brust raus, Bauch rein? Oder einfach so, wie die Beine und der Rest des Körpers einen tragen? Genau weiß ich es sicher auch nicht. Aber was ich merke seit Testosteron, ist dass ich mehr Kraft im Schritt habe. Dass sich die Schultern dabei scheinbar magisch in die Breite schieben. Und dass ich einfach gerne laufe, was vor der Transition (fragt ruhig rum) so gar nicht meine Lieblingsbeschäftigung war. Ok, ok. P wird jetzt sagen: „Aber gestern, da wolltest du nicht mit mir bis in die Altstadt, um die vegane Currywurst dort zu probieren.“ Da hat sie recht. Allerdings hatte ich in diesem speziellen Fall glitschige Birkenstocks an und mir gerade ein Thaigericht einverleibt, was verdauungstechnisch durchaus ungünstige Voraussetzungen schaffen kann, aber nicht muss. Kurz: Die Kombination dieser beiden Parameter schob meiner neuentdeckten Liebesbeziehung mit der Fortbewegung per pedes in diesem Einzelfall einen Riegel vor.

Also, breiter. Mehr Kraft, geraderer Rücken. Interessant, aber ich bin nicht wirklich sicher, ob diese Veränderung nicht unerheblich der Tatsache geschuldet ist, dass mein Selbstvertrauen sich seit Testosteron deutlich verbessert hat. Vielleicht ist der Körper auch hier Spiegel der Seele, zeigt, dass alles nun übereinanderliegt, was zumindest bei mir übereinander gehört? Oder erfülle ich hier einfach nur ein Klischee, das sich tief hinten in meiner Sozialisation ein Eckchen mit Sauerstoff gesichert und sich bis jetzt als verabscheuungswürdiges Konzept von Männchentum getarnt hatte? Der Feminist in mir benickt das frenetisch und fügt hinzu: ‚Na, mit deinem Feminismus kann das ja nicht wirklich weit hersein, wenn du bei der ersten sich bietenden Gelegenheit freudig strahlend Blogs über Klischeegang bei Männern verfasst.‘ Naja. Ganz so einfach ist es nicht. Ich traue es mir schon zu, dass sich irgendwo Klischees versteckt haben, die sich jetzt auf der Suche nach meiner ganz persönlichen männ-lichen Identität nach draußen kramen und sich ausprobieren. Doch ich beobachte es wachsam. Denn ich möchte nicht heteronormativ endlich in eine Schublade passen, zumal ich in Zukunft sicher noch etwas weniger als „dazwischen“ wahrgenommen werde.

Ich denke, solche kleinen Veränderungen zeigen, dass meine Selbstwahrnehmung sich verändert oder danach drängt, auch von außen sichtbar zu werden. Sicher, trans, das ist schon lange Zeit Teil meines Lebens. Aber nach den wilden Veränderungen des letzten Jahres ist jetzt eher eine Flaute zu beobachten. So flautig, dass ich manchmal denke, da kommt nix mehr. Vielleicht fallen mir deshalb eher Kleinigkeiten auf statt der ganz großen Durchbrüche. Aber dazu vielleicht mal in einem anderen Post.

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So, how does one walk like a man? Broad-legged? Determined, like you always know where to go, a feeling permeating every cell of your body? Chest puffed, stomach sucked in? Or just the way your legs and the rest of your body consider fit to carry you? Hell, I don’t know. What I do know is that T has given me a more powerful step and stance. That my shoulders go sideways by some magical force of nature while I walk. And that I just love to walk. Something that I really dreaded most of my life (sure, go, ask around). Ok, at this point P will feel need to intervene: „But yesterday you wouldn’t even walk into the old city center with me to check out that vegan currywurst I’ve been dying to try.“ Which she is absolutely right for saying. BUT: In this special case I was wearing slippery Birkenstocks in the summer heat and had just eaten a delicious and hot thai dish which is known to be able to create a pickle digestionwise. Can, but doesn’t have to. In short, this less than favorable combination of circumstances kinda cooled my new-found love for walking down a bit. But only in this case.

So, broader. More power, straighter back. But here’s the thing: I am not sure whether this change isn’t really rather caused by my increase of self confidence via HRT. Or maybe by my body, pars pro toto showing that body and mind feel more aligned. Or (worst case) am I just fulfilling a nasty kind of clichée that had sneakily secured oxygen support in the otherwise hostile environment of my socialization and is now rearing its ugly head after having disguised itself as a despicable concept of masculinity for the longest time? My inner feminist is bobbing its head, adding: ‚What a great feminist you are. It only takes a couple of injections and voilà, there you go, writing clichée posts on male walking.‘ Well. I hope it is not that easy. I would like to give myself more credit than that but it still is possible that there are clichées trying to see the light of day while I try to find my individual set of male-ness, testing different solutions here and there. But I will keep an eye on it. I don’t wanna end up fitting into some heteronormative cage, especially as the future is set to present me with more and more situations in which I will be read less and less as „somewhere in between“.

I guess those small changes show that my perception of myself is shifting, trying to make itself seen by others. Yeah, trans has been with me for most of my life, but after a fireworks of changes over the last 12+ months, things seem to be slowing down considerably. Slowing down so much, in fact, that I feel like there is nothing more to come (which I hope and kind of also know is not true). And maybe this is the reason why those small shifts and changes are something that I cling on to at the moment.

 

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