Just do it!

Ok, ok, gerade passiert nicht allzu viel außer Arbeit. Naja, vielleicht noch die Olympischen Spiele. Ich schlittere durch den Tag und mache meine Arbeit, so gut es irgend geht bei der Müdigkeit, die sich in meinen Knochen breitgemacht hat. Also sitze ich abends zusammengesunken mit Pesto auf dem Schoß vor der Glotze und schaue die wildesten Sportarten, von Bogenschießen bis zu halsbrecherischen Radrennen. Und zwischendurch poppen dann solche Sachen wie diese Nike Werbung hoch. Chris Mosier ist der erste Transmann, der im US-Nationalteam der Herren bei den Olympischen Spielen startet. Und auch wenn ich Nike seit meiner Pubertät nicht mehr mit der Kneifzange angefasst habe, muss ich sagen: Hut ab. In der derzeit ab und an recht aufgeheizten Stimmungslage zum Thema trans (insbesondere in den USA mit seinen aberwitzigen Toilettengesetzen, aber natürlich dank AfD und besorgten Bürgern auch in good old Germany) ein solch positives Bild zu vermitteln, braucht Traute und löst bei mir fast schon alberne Schmetterlinge im Bauch aus. Denn wenn du nach positiven Bildern von Transmenschen in den Medien suchst, musst du dir in der Regel schon beinahe selbst eins basteln, wenn man mal von Herrn Buschbaum absieht.

Manchmal ist mir, als hätte mich jemand in eine Zeitmaschine gesetzt und ins Jahr 1992 zurückgeschickt, als ich mein erstes Buch zum Thema Lesben in Großbritannien kaufte und zwischen Krimis in einer Büchersendung an meine Tanten zurück nach Deutschland schickte, weil die  Tasche schlicht zu schwer wurde, um sie von London bis nach Schottland zu transportieren. Damals, da war fast unmöglich, was heute fast überall selbstverständlich ist: lesbische Rollenbilder zu finden. Ich gab in den 90ern angesichts des einzigen häufig gezeigten lesbischen Klischees in den Medien (böse Lesbe in Filmnebenrolle, muss natürlich sterben, um der Protagonistin einen kathartischen Moment zu ermöglichen, nee, ist klar) recht schnell auf und beschloss, einfach mein eigenes Rollenvorbild zu werden. Hat eigentlich ganz gut geklappt, bis meine Identität nochmals ins Wanken kam und ich jetzt halt von vorne anfangen kann. Dieses Mal habe ich mir vorgenommen, die beste Transmännlichkeit zu sein, die ich sein kann. So offen, politisch, weltzugewandt und hoffentlich sympathisch, wie nur irgend möglich. Mit Lernkurven für mich und andere, mit Haaren an den seltsamsten Stellen und mit mindestens 30 Kilo Übergewicht zum Zeitpunkt der Brust-OP. Warum ich nicht mehr abgenommen habe? Weil ich es für wichtig halte, dass ich in der Transition nicht meine Frau meuchele, weil ich Depp neben den Hormonschwankungen auch noch eine ausgeklügelte Diät befolgen musste. Also geht es langsam. Ich fühle mich trotzdem gut. Ich mache mein Ding, mache 4-6 Mal pro Woche Sport und der Rest ist Schicksal. Sehe ich so aus wie Chris Mosier? Ganz sicher nicht. Werde ich? Ganz sicher nicht. Will ich das? Schön wärs schon, aber das bin eben nicht ich. Ich bin schon froh, dass ich ich gänzlich ohne Beklemmungen zwischen Sportsmännern und -frauen Käfer, Planks, Beinpresse, Lat-Zug, Bankdrücken und Deadlift hinkriege, ohne dabei zu hyperventilieren. Ohne mir auch nur einen Moment Gedanken darüber zu machen, wie das wohl aussieht (ok, ab und zu denke ich schon darüber nach). Oder auch, wie das wohl wird, wenn die Mädels weg sind und ich in die Herrenkabine umziehe. Wird schon irgendwie alles.

Und jetzt geh ich mal Olympia schauen. 🙂

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Ok, right now there is not much more to report other than me working my ass off. Except maybe for the Olympics. Which is why, after slip-sliding through my workday I usally collapse in my easy chair, Pesto in my lap, feeling dead-tired, staring at the TV-set watching sports I have never actively sought out, such as archery or boneshattering bike races. And in between those nigh-catatonic bouts of Olympiitis, there is stuff popping up like this Nike ad.

Chris Mosier is the first trans man to make the male US national team for the Olympics. And even though I haven’t touched a pair of Nikes since puberty, I have to say: Chapeau. In times that do, in some respects, not bode well for trans people (especially with mind-boggling laws in the U.S. about restroom usage according to gender at birth, but thanks to „concerned citizens“ and the AfD, in Germany as well), a body- and identity-positive ad like this borders on courage and creates a wildly silly butterfly storm in my stomach. Because when you look at the media for positive images of trans identities, you could often rather look at a barren island and find more signs of life. Meaning: If you are looking for someone to look up to, you better become that person yourself. Pronto.

These days I sometimes feel like someone put me in a time machine and propelled me back to 1992, when I bought my first book on lesbians in London (with the enticing title „Lesbian psychologies“, what a read). I hid it between a couple of crime novels when I sent a parcel of books back to Germany for my aunts to pick up, because I didn’t quite feel like carrying the extra pounds from London to Scotland. In those days, finding lesbian role models in the media was almost as impossible as finding trans ones today (although I have to admit that platforms like YouTube are gaining ground fast in that respect): So I swore off the lesbian clichees the media offered me in the 90s pretty fast (bad dyke, has to die to enable the protagonist to experience some kind of catharsis, of course), deciding to become my own. And that plan worked pretty well until my identity did its hopefully last shift and I had to start over. This time, I have decided to become the best trans male I can be. As open, political, open to the world and hopefully likeable, as I can. With learning curves for me and others, hair in weird places and at least 30 kg overweight when I go under for my top surgery. Why haven’t I shed more, you might ask. Well, because I think it is very important for me not to attack my dear wife in the trenches of hormone madness because me, stupid fuck, decided to sideline my transition with a diet. Because I am a bitch on wheels, when I am on a diet. So, things are going slowly. But I still feel fine. Doing my thing, working out 4-6 times a week. I’ll leave the rest in the trusty hands of the powers that be. Do I look like Chris Mosier? Definitely not. Will I? No fucking way. Well, I would appreciate it, if it happened, to be honest. But let’s face it, that’s not me. And me, I am happy to be able to walk between the wannabe-triathletes of Mainz at the gym, doing my leg press, lat-pull, bench press and deadlift without dropping my smile, sweating profusely. Without thinking about how I might look like (Ok, ok, yes, every now and then I will think about that). Or about how I will feel when I change locker rooms after top surgery. Let’s cross that bridge, when we get there.

And now I’m gonna get me some Olympics. 🙂

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