Der Countdown läuft // Counting down the days

Achtung: Diesen Text habe ich zuerst in Englisch abgefasst, daher ist die deutscher Version dieses Mal unter dem Strich zu finden. Enjoy.

So, here it is. My top surgery has been approved, scheduled, and it is coming up faster than a muscle car on a rampage in your rearview mirror. If all goes well, November will see the new, improved Max with a significantly flatter chest. Well, the flattest chest ever since puberty hit. Am I excited? Hell, yeah! Am I sad? Not yet. But I am sure, I will be, at some point. Is there one stinking pile of shit to do until surgery? Here’s my demonic laughter stifling a wimper at the very end!

When I started my therapy, this very time, running up to the big event, seemed something almost unattainable, so low was my self-esteem concerning the road of transition ahead of me. After all, I had shyed away from making the decision to physically draw the line on my self hatred more than one time in my life and I still felt like I kinda didn’t deserve to get there. At times I would pester my therapist with sentences like „Oh my god, this is all so much. There is so much to do. What exactly do I need to do again to reach this goal?“ He would roll his eyes and say it would be alright and then ask me when I could find the time to relax.

Miraculously, every step came, when the time was right. The right question came at the right moment. The right people crossed my path providing exciting and key-moment insights. I am incredibly grateful for these weeks now ahead of me, although I don’t even know how to get everything I planned done before day x. I am grateful for that rush that almost makes me forget that there are other things in my life that need attention, too.

I expect the whole experience will be more of a roller-coaster ride and with all the highs lately, there is bound to be some lows. One of them, I am sure, is giving my girls a proper goodbye. They have been with me, all of the way, stoic companions reminding me that there was work to be done. And almost as if they knew that their time of departure is near they have been extra helpful in sagging even a bit further. A bit like they are waiting to fall off. Which, obviously, I would prefer to having them cut off in two large cuts into my flesh. See, I am a holistic person through and through. And being that, I would reaaaally have preferred to get along with the girls. But I don’t, and it is time that we go our separate ways, because my body is ready for that. Contemplating this part of me being cut off, the weirdest thoughts started to cross my mind a while back in therapy. Thoughts about what happens to my tits once they are free-range. There goes the holistic aspect again. „So I thought, when I die one day, not all parts of me will be there. Do you think one can cremate tits and have them buried with me separately, because, you know, even if I don’t feel like they belong to me, they were a part of my shell. You know? So who owns my tits, once they are off, do you know that?“ That’s what I asked my therapist. The result was him getting all sweaty palmed, putting on his most exasperated face ever and telling me he should have known that I would come up with something like that. He took some time to answer. And what he then said, put my holistic part at easy in a way that I would not have expected from a classical physician. He said: „I am pretty sure that you won’t have any say about what happens to them. But what happens to body parts that are cut off in surgery? I guess they are cremated together with all the other parts.“ He could see this was not making it better, sweat forming on my forehead and all. So he continued: „The way I see it, the ashes will be returned to mother earth anyways. Which is what all life does. And you are part of this earth as much as your tits, once you are returned to earth. So, in a bigger sense, you will be re-united then like you want it. All in mother earth, but in different parts.“

It is what he said that will get me through the sadness that will most likely come, because I am Max. And Emmett. And Maya. And Christina. All separate, but then again, also one.

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So siehts aus: Meine Mastektome ist bewilligt und ich habe auch einen Termin, der sich schneller nähert als der Truck im Rückspiegel des noch ahnungslosen Fahrers im Film Duell. Wenn alles gut geht, werde ich den November dieses Jahr rundüberholt und mit mit dem flachsten Brustkorb seit meiner Pubertät begrüßen. Bin ich schon aufgeregt? Aber hallo! Bin ich traurig? Noch nicht. Aber ich bin sicher, das kommt noch. Wartet noch ein riesiger Haufen von Dingen, die erledigt sein wollen, bevors losgeht, auf mich? Hör mein dämonisches Gelächter mit verzweifelt winselndem Abgang!

Als ich die Begleittherapie begann, schien genau diese Zeit, die letzte Zeit vor der OP, etwas zu sein, was in seiner Entfernung quasi unerreichbar war. Mein Selbstwertgefühl bezüglich der Transition war nicht das beste. Schließlich hatte ich es immer wieder geschafft, kurz vor der Entscheidung, körperlich etwas zu verändern, eine galante Kehrtwende hinzulegen und somit meinem Selbsthass immer wieder durch die Hintertür zurück ins Haus zu bitten. Ich hatte tief tief in mir drin das Gefühl, dass ich es gar nicht verdiente, in meinem Körper zu Hause zu sein. Wieder und wieder nervte ich meinen Therapeuten mit Sätzen in der Art von: „Das ist alles so viel. Was muss ich nochmal machen, um dieses Ziel zu erreichen?“ Er rollte dann meist mit den Augen und versicherte, dass das alles schon seinen Weg finden werde. Stattdessen fragte er mich danach, wann ich eigentlich Zeit dazu finde, mich mal zu entspannen.

Er lag goldrichtig damit, mich zu bremsen. Denn jeder Schritt kam immer dann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war. Die richtige Frage kam im richtigen Moment und die richtigen Menschen kreuzten mit Schlüsseleinsichten für mich meinen Weg. Ich bin unglaublich dankbar für diese kommenden Wochen. Auch wenn ich weiß, dass ich vorher mit Sicherheit nicht alles schaffen werde, was ich mir vorgenommen habe. Ich finde diesen Rausch einfach wunderbar, auch wenn er mich ab und an vergessen lässt, dass es auch noch andere Dinge in meinem Leben gibt, die angeschaut und erledigt sein wollen.

Ehrlich gesagt erwarte ich eine ziemliche Achterbahnfahrt der Gefühle in der nächsten Zeit. Und bei all den Hochs, die ich inzwischen das Glück hatte, erleben zu dürfen, werden auch sicher das ein oder andere Tal kommen müssen. Sonst wäre es ja keine Achterbahnfahrt. Eines von ihnen, da bin ich sicher, wird sein, mich von den „Mädels“ zu verabschieden. Meine Brüste haben mich lange Zeit begleitet, waren all die Jahre stumme Mahner, dass da noch etwas nicht erledigt war. Und fast so, als wüssten sie, dass ihre Zeit gekommen ist, sacken in letzter Zeit noch ein bisschen weiter in Richtung Bauchnabel, als wollten sie einfach von selbst abfallen (was ich natürlich ganz klar den riesigen Schnitten vorziehen würde, mit denen ihnen bei der OP zuleibe gerückt wird). Das Ding ist, ich bin ein extrem ganzheitlich denkender Mensch. Und als solcher hätte ich es absolut vorgezogen, in Einklang mit meinen Brüsten zu leben. Aber es ist nun einmal nicht so. Alle Versuche meinerseits, mir ihre Existenz schönzureden, das Positive in ihnen zu sehen, sind gescheitert. Es ist Zeit, getrennte Wege zu gehen, denn ich bin soweit und mein Körper ist es auch.

Die Aussicht, dass demnächst ein Teil meines Körpers chirurgisch entfernt wird, führte vor einiger Zeit zu einem spannenden Gespräch in meiner Therapie. Es ging um den Gedanken, was mit meinen Brüsten geschieht, nachdem sie dann der Käfighaltung entrissen sind. Da war er wieder, der ganzheitliche Ansatz: „Ich habe darüber nachgedacht, dass mein Körper ja nun nicht komplett sein wird, wenn ich einmal sterbe. Meinen Sie, ich kann meine Brüste verbrennen und aufbewahren lassen, bis ich sterbe? Ich meine, auch wenn ich sie wirklich nicht mag, sind sie ja nun einmal ein Teil meiner Hülle gewesen, wissen Sie? Haben Sie eine Ahnung, was mit den Brüsten passiert, wenn sie einmal ab sind?“ Das war ungefähr das, was ich meinen Therapeuten fragte. Das Ergebnis war ein Gegenüber, das begann, auf dem Sessel hin und herzurutschen. Sein Gesicht wirkte noch verzweifelter als sonst bei meinen Fragen und das erste, was er sagte war: „Ich hätte mir ja denken können, dass Sie sich über so etwas vielleicht Gedanken machen würden, aber es tut mir leid, ich weiß es beim besten Willen nicht.“ Danach verfiel er in tiefe Gedanken. Das Schweigen, das wir beide so gut können, dauerte ein Weilchen. Und dann meldete er sich mit einer so derart glasklaren und befriedigenden Antwort zurück, dass ich kurzfristig platt war. Er sagte: „Ich bin ziemlich sicher, dass Sie nicht wirklich ein Mitspracherecht darüber haben, was mit Ihren Brüsten passiert. Aber was passiert denn mit einem Körperteil, der in einer OP entfernt wird? Ich vermute mal, sie kommen mit anderen in eine Tüte und werden dann kremiert.“ Er sah, dass dieser Gedanke es jetzt noch nicht wirklich besser machte und ich bin sicher, er konnte die imaginären Schweißperlen auf meiner Stirn sehen, also fuhr er fort: „Ich sehe das so. Die Asche kehrt wie auch immer zurück zu Mutter Erde. Wie jedes Leben. Und Sie sind genauso Teil dieser Erde wie Ihre Brüste, wenn Sie in diesen Kreislauf zurückkehren. In einem großen Zusammenhang gesehen, werden Sie also in jedem Fall mit diesem Teil Ihres Körpers wiedervereint. Gemeinsam in Mutter Erde. Wenn auch an unterschiedlichen Orten.“

Es ist genau dieser Satz, den ich mitnehme, wenn die Traurigkeit irgendwann kommt. Denn ich bin Max. Ich bin Emmett. Und Maya. Und Christina. Alle getrennt voneinander und doch eins.

 

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