My name is … No? Yes! // No English title needed

„Guten Morgen, ich rufe an, weil die Stammdaten für meine Versicherung/mein Konto/meine Mitgliedschaft/meine Steuernummer/meine Mitgliedschaft im Mieterschutzbund/meine Fördermitgliedschaft bei XYZ (bitte eins wählen) geändert werden müssten. (…) Nein, nein ich habe nicht geheiratet. Mein Vorname hat sich geändert. (…) Ich bin transident. Ich transitioniere von Frau zu Mann. (…) Kann ich Ihnen nicht ein JPG des Gerichtsurteils per E-Mail senden? (…) Sie brauchen das auf Papier. (…) Ach, die Firmenzentrale kann man nicht direkt anmailen? (…) Interessant, dass das bei Versicherung/Firma XY per Mail ging. (…) Ja, ich warte. (…..5 Minuten Warteschleife…..) Ok, wunderbar, ich schicke Ihnen die E-Mail mit dem JPG gleich zu.“

Nach anfänglicher Euphorie, endlich loslegen zu können, ringen mir Telefonate, E-Mails und Namensänderungsformulare inzwischen immer häufiger Augenrollen ab. Ja, Namensänderungen sind eigentlich Tagesgeschäft und man möchte meinen, dass auch Transidentität inzwischen durchaus mal über den einen oder anderen Tisch eines Sachbearbeiters gewandert wäre und nicht für einen Speditionsfachbegriff gehalten wird. Die Realität und auch die damit verbundene Abwesenheit von Kundenfreundlichkeit sehen mitunter aber durchaus anders aus:

Zum Beispiel sah sich meine Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung genötigt, mir nach unmissverständlichem Vorbringen meines Anliegens mit einem Formular aufzuwarten, das auf dem Gesetz zur Vermeidung von Geldwäsche fußt, und mich in der Folge anzuweisen, in Wiesbaden persönlich vorstellig zu werden, um meine Existenz zu bestätigen. Beim Anruf bei der aufzusuchenden Niederlassung stellte sich heraus, dass die überaus freundliche Mitarbeiterin dort nicht einmal meine Police aufrufen konnte, weil ich in einer anderen Stadt geschlüsselt war. Als ich ihr erzählte, wozu ich aufgefordert worden war und dass ich live erscheinen solle, gab sie mir mit einem Satz quasi den Glauben an die Menschheit wieder. „Sind die noch ganz knusper?“, stöhnte sie ins Telefon. „Warten Sie, ich rufe da jetzt an und kläre das.“ Zwei Stunden später klingelte mein Handy und die nette Frau setzte sich das Krönchen des Tages in Sachen Kundenfreundlichkeit auf: „Also, ich hab da jetzt angerufen. Die erste in der Zentrale in Hamburg war doof, da hab ich wieder aufgelegt. Die zweite hat verstanden, was ich wollte. Sie müssen überhaupt gar nicht persönlich erscheinen. Ein JPG von Ihrem Ausweis reicht.“

Ich beklage mich nicht. Ich finde, dass ich das mit den Namensänderungen überall nicht nur super gemanagt, sondern auch in Rekordzeit abgewickelt habe (ja, Eigenlob stinkt, aber meine Nebenhöhlen sind eh zu, also scherts mich nicht). Und ich habe dabei auch so viele tolle Erlebnisse wie diese eben gehabt, dass ich den gesamten Prozess durchaus als Lernkurve der angenehmeren Art empfinde.

Was mich allerdings schon seltsam nachdenklich macht, ist die Löchrigkeit des Schutzes, das das Transsexuellengesetz angeblich bieten soll. Da werden große Maßnahmen ergriffen, um meinen „Status“ für Unbefugte unsichtbar zu machen. Bei der Änderung des Personenstandes wird sogar die Geburtsurkunde umgeschrieben (etwas, was dem einen oder anderen irritiertes Augenbrauenzucken verursacht, weil, ich bin ja nun mal mit nem Mädchenkörper geboren und diese Tatsache ändert sich ja wohl nicht, oder?) und der Registereintrag geändert, damit auf keinen Fall mehr für irgendjemanden, der es nicht wissen soll, sichtbar ist, welches Geburtsgeschlecht ich hatte. Warum? Um mich vor Diskriminierung zu schützen. Grundsätzlich eine gute Idee. Was aber ist mit den unendlich vielen Sachbearbeitern, Telefonzentralentelefonisten, Angestellten, Firmen, Auftragsnehmern und Co, die ich nun einmal habe, weil ich erwachsen bin und auch vor der Angleichung ein Leben mit vielen Vernetzungen hatte? Alle erfahren das. Müssen es erfahren. Es geht überhaupt nicht anders. Theoretisch eine Sicherheitslücke von den Ausmaßen eines Schweizer Käses. Jetzt bin ich zwar grundsätzlich schon mit Verfolgungswahn gesegnet, habe aber dank P. zumindest etwas Vertrauen darin, dass die Welt nicht komplett schlecht ist (auch wenn sie am Rad dreht). Zudem bin ich mit der Fähigkeit gesegnet, Menschen positiv auf mich einzustimmen. Aber wie ist das mit Menschen, die das nicht so können? Die vielleicht patzig werden, wo ich nur mit den Augen rolle? Die an jemanden geraten, der nach dem Telefonat sagt: „Dem würge ich jetzt mal so richtig eine rein?“ Vor der daraus resultierenden Benachteiligung kann dich niemand schützen. Genausowenig wie vor Vorschriften, z. B. von Versicherern, die durch dieses Wissen einen Neuantrag auf eine Altersvorsorge auf Basis einer Lebensversicherung von mir ablehnen müssen. Weil es vorgeschrieben ist. Weil ich laut Gesetz krank bin.

Eigentlich sollte der Post ja eher lustig werden. Ist er jetzt aber doch irgendwie nicht. Kommt bestimmt ein andermal wieder. 🙂

______

„Good morning, I am calling you to arrange for the change of my name in my insurance/my account with you/my membership/my tax number/my membership in the tenant’s protection/my sponsoring membership (choose one). (…) No, no I didn’t marry. My first name and gender marker have been legally changed. (…) I am transgender. I am transitioning from female to male. (…) Can’t I send you a JPG of the court’s decision via e-mail? (…) You need that as a hard copy. (…) Uh, ok, the central office can’t be sent e-mails? (…) That is very interesting, because insurance/company xyz would accept that via e-mail. (…) Yes, I will hold. (…..5 minutes on hold, some nasty elevator music…..) Ok, that’s great, thank you. I’m sending out the e-mail as we speak.“

After the first bouts of euphoria when the court’s decision had finally arrived, the phone calls, e-mails and forms that my name change entailed soon began to produce mental and physical eye-rolls. Yeah, changing a name should be everyday fare, one would think. And even one or two transgender cases should have turned up on one or the other table of clerks near and far. And yet, reality and the ofttimes absence of customer-friendliness that comes with it, proves me wrong time and again:

For instance there was the case of the not so nice insurance company I have a pension scheme and disability insurance with. After making my request crystal clear in an e-mail that I even attached the court’s decision to, the insurance felt the need to send me a form for the „prevention of money laundering“, telling me that I needed to appear in Wiesbaden in person to reassure them that I existed. The subsequent call I made to the branch stated in the letter – fuming out of every orifice, btw – brought to light that not only was it impossible for the incredibly nice clerk there to even open my policy, because I had made my insurance outside of Wiesbaden, but also that she thought that this was a case of nasty BS, when I told her what the letter asked me to do. And then, with one sentence, she gave me back some hope in the future of humanity by sighing: „Get outta here, they asked you to do WHAT, now?“ on the other end of the line. And then: „Please wait. I will call headquarters and get that straightened out for you.“ Sheer bliss. Bliss that continued and made me award her „Princess of the fucking day“, when she got back to me about that letter two hours later, telling me: „So I called headquarters about your issue. The first clerk was stupid, so I hung up. The second one understood what was needed. You don’t need to come over here (which, by then, I would have gladly done, even if only to shake that lady’s hand). Just send them a JPG of your new ID. And you are all set.“

I don’t want to complain. I think that I arranged everything surrounding my name and gender marker change in record time and managed to hold the surrounding red tape to a minimum (yeah, I know, self-praise is funky as hell, but my sinuses are for shit anyways, so I couldn’t care less). And with experiences like that (or at least its latter part) I guess the learning curve could have been so much less enjoyable.

What makes my head spin a tad, though, is the absence of privacy that the German law for transsexuals is supposed to protect me from. According to this law, many steps are taken to hide my „status“ from unauthorized persons. Even my birth certificate is changed according to the gender I identify with (sth that causes many people I talk to about that to raise one or both eyebrows, because, you know, but you WERE born a girl, right? And that fact doesn’t change, now does it?) to ensure that nobody’s curious fingers can dig up that „secret“ and harm me with it. So, basically, to protect me from discrimination. And equally basically, a good idea. But what about the sheer endless number of clerks, call center co-workers, sub-contractors and companies that I am simply in touch with because I had a life before my second puberty hit? They all know. Because they need to know. There is no way around it. So, my right to privacy has holes that could make a Swiss cheese go all bubbly. Yeah, I have a reasonable amount of paranoia in me, but thanks to P. my trust in the people of this world is not yet completely demolished (even though the world is going crazy at mach-speed and we all know it). And in addition to that I have a wonderful gift. I can make people like me. So how about those trans-guys and gals who cannot do that? Who turn snotty where I still do my mental eye-roll? Those who call that one person who will say afterwards: „That deviant shit, that will teach you. Take that letter!“ The resulting structural violence is something that no law can protect you from. And there are even laws or rules of business that do just that, for instance by stating that by being transgender I am not allowed to get a life insurance – which as a freelance worker basically means no pension scheme. And why? Because the terms of the contract want it that way. Because according to the law, I am still a person with a personality disorder.

Meeh, before I started to write I wanted to make this a fun post. Somehow that didn’t work out. But the next one will hopefully be. 🙂

 

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