Tug of words // Wortk(r)ampf

Gestern habe ich mich bei einer (erwachsenen) Schülerin als transident geoutet. Es ist einfach so passiert und fühlte sich einfach nur richtig an. Und es war einfach höchste Zeit (auch wenn meine linke Gesichtshälfte seitdem immer wieder unkontrollierbar zuckt, denn das alles war ein sehr emotionales Ereignis für mich). Dass das so war, hatte nicht unwesentlich mit der Tatsache zu tun, dass ich angesichts des hasserfüllten Massenmordes in Orlando einfach keine Lust hatte, mich noch länger zu verstecken, damit andere noch ein paar Monate mit der Bequemlichkeit leben können, sich eine andere Ausrede für mein „so-sein“ zurechtzulegen.

Ja, ich hab es mir leicht gemacht, denn ich habe nicht mit allen gesprochen. Und ich habe die Person ausgesucht, der ich mich hinsichtlich Alter und Meinungsbild am nächsten fühlte. Aber ich habe es getan und es ist gut gelaufen. Um ehrlich zu sein, nicht nur gut. Es lief toll. Es war ganz wunderbar zu sehen, wie der Groschen in ihrem Gesicht sichtbar fiel und das hatte nichts mit Konjunktiv 2 Passiv oder Partizipialkonstruktionen zu tun. Das Gefühl, mit einem Wimpernschlag einfach nur aktzeptiert zu werden. Mehr brauchte es nicht.

Es ist schon seltsam. Wenn du zu einer Minderheit gehörst, schlabberst du die Akzeptanz von Angehörigen der „Mehrheit“ manchmal dankbar auf wie eine warme, heilende Suppe an einem kalten Tag mit Frostbeulen. Einmal kein Stirnrunzeln ob deiner Existenz zu erhalten kann unheimlich guttun. Und um das gleich klarzustellen: Ich bin kein Verstecker und ich habe mich auch nie in meiner Existenz wegdiskutieren lassen. Doch aufgrund der unglaublichen Verletzlichkeit, die ich nach der Attacke in Orlando empfand, fühlte es sich einfach nur toll an, keine Lernkurve ermöglichen und keine weitere Erklärung abgeben zu müssen. Es tat gut. Wenn ihr das besser könnt und sowas nicht braucht, seid ihr einfach die besseren Außenseiter. Fertig.

Orlando war für mich ein Schlag ins Gesicht, ein Tritt in die nicht vorhandenen Eier. Ungeachtet der geografischen Entfernung zum Ereignis war sie ein Angriff auf meine Lebens- und Liebeswelt, auf meine Familie (noch verstärkt durch die Tatsache, dass der Massenmord vermutlich von einem Schrankschwulen verübt wurde, der systematisch dazu gebracht worden war, sich selbst zu hassen). Eine Familie, die – so dysfunktional sie auch sein mag – mein gesamtes Erwachsenenleben mein emotionales Zuhause war. Und das führte mich zurück zum Thema, wie ich mich definiere (schon mal hier and hier aufgegriffen). Mit Tränen in den Augen sah ich die Berichterstattung von den Ereignissen. Mit Tränen in den Augen stand ich am Mainzer Hauptbahnhof im Regen bei einer Mahnwache für die Opfer. Und so langsam dämmerte es mir, dass sich da etwas nicht so ganz zusamm’reimt, wie die legendären Biermösl Blosn einst gesungen haben.

Gestern dann, als ich mit meiner Homöopathin über die homöopathische Begleitung meiner im Herbst anstehenden Brust-OP sprach, ergab es plötzlich einen Sinn. Meine Homöopathin, selbst Lesbe höheren Semesters, verstand, was da so in mir braute, als ich sagte: „Ich werde nach der Transition doch nicht hetero!“ Richtig, von außen betrachtet werde ich sicherlich nach allen körperlichen Angleichungen so wirken, wenn ich mit P zusammen wahrgenommen werde. Zumindest von denen, die meine Geschichte nicht kennen. Aber ich bekomme jetzt seit mehr als einem Jahr Testosteron (T-Day Post ist in der Mache, yayyyy!) und ich glaube, mit ziemlicher Sicherheit behaupten zu können, dass mein Begehren, also meine sexuelle Identität sich zwar leicht verschoben hat (und auch das ist sicherlich demnächst mal ein Blogpostthema), aber grundsätzlich dieselben geblieben sind: Ich fühle mich angezogen von und liebe lesbische Frauen. Da ich mich wohl schwerlich als männliche Lesbe bezeichnen kann (hier noch einmal der Link zu dem unglaublichen Schauder, den diese Wortkombination bei mir auslöst), weil igitt, muss ein anderer Begriff her, und zwar schnell. Denn „heterosexuell“ passt einfach nicht, und das nicht, weil ich nicht einer von „denen“ sein will. Sondern weil es einfach nicht stimmt.

Meine Homöopathin schlug „frauenliebend“ als Alternative vor. Aber das klingt einfach nur verstaubt und so überhaupt nicht nach mir. Und das sagte ich ihr auch so. Schweigen in der Leitung. Dann: „Naja, du bist in flux, veränderst dich. Dein Körper verändert sich, dein Begehren weniger. Nenn dich doch einfach „flux“. Der Begriff, auch wenn er vielleicht noch etwas Arbeit braucht, blieb sofort kleben. Fluxexuell. Max Flux. Ich denke, ich muss einen guten Weg finden, um meine Zugehörigkeit zur queeren Familie zu definieren. Um mich und meine sexuelle Identität nicht zu verlieren.

 


 

So, I came out as transgender to one of my (adult, mind you) students yesterday. It just happened and it felt right (even though my left face half has been twitching uncontrollably since then, because it was a very emotional event for me) and it kind of had to do with the fact that in the face of the mass shooting hate crime madness of Orlando, I just didn’t feel like hiding my real me any longer. I just didn’t feel like awarding others the benefit of lulling themselves into a less „threatening“ explanation of me any longer.

Yes, I took the easy road and didn’t talk to the whole class. And I talked to the student I feel the most connection with in terms of age and opinion. But I did it. And it went fine. Better than fine, really. I felt really relieved to see understanding dawn on her face and that it had nothing to do with understanding the rules of conjunctive II passive or another grammar. It was a true feeling of being accepted within the blink of an eye. That’s all it took.

Weird how the world works. When you belong to a minority, you sometimes appreciate the acceptance of people belonging to the „majority“so much, it feels like lapping up a cup of soothing broth. To not be frowned upon can be a real life saver.

Don’t get me wrong. I am not a hider and not the silent oppressed type either. But feeling raw from the attack on my queer tribe in Orlando it was soothing to not have to try hard. I just needed that. So go ahead, judge me.

Feeling the sucker-punch effect of the hateful attack on my queer family (an attack, to make it even worse, carried out most likely by a closeted gay man that had been taught to hate himself for being who he was) I have embraced for all of my adult life brought back a topic that I kind of wrote about before (namely here and here, the topic of how I identify. Crying while watching the coverage of the events, crying at a vigil at Mainz Hauptbahnhof two days ago, something just didn’t add up anymore.

And yesterday, when I spoke to my homeopath about supporting the outcome of my upcoming top-surgery homeopathically, it finally made sense. See, my homeopath is a dyke of a higher semester. She really understood where I came from when I said what had been brewing in me for some time now: „I will never be straight after transitioning.“ True, from the outside I will be perceived as straight after physically transitioning. At least, when people don’t know my story. But that is not, who I really am. I have been on T for more than a year now (wait for upcoming T-day post, yayyy) and I think I can most definitely say that my desires may have shifted slightly (topic for another future post, I am sure) but have basically remained the same: I feel attracted to lesbians, period. So can I say that I am a male lesbian (I am, once again, linking to the enormous shudder I expressed earlier on this particular combination of words for all the negativity it entails before my inner eye)? No, because: weird!!! But heterosexual doesn’t cut it. And it is not because I don’t want to be one of „them“, it is  because it is simply not true.

My homeopath suggested „women-loving“ as a way out. But that kind of has the ring of a rustic attic full of old pictures and dust to me. As I told her that, she finally said: „Well, you are in flux, ever changing. Your body changes. Your attraction doesn’t. Why don’t you call yourself flux, then?“ This term instantly stuck with me. I am a fluxexual. Max flux. And I guess I will have to find a way to express the allegiance to my tribe in the future, for the sake of my own sexual identity.

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