Ne haarige Angelegenheit // A hairy affair

Dieser Begriff geht mir im Moment immer wieder durch den Kopf, sowohl im übertragenen, als auch im wörtlichen Sinne.

Haare. Äußerlich gesehen eine der von mir am meisten gewünschten „Nebenwirkungen“ des Testosterons. Ich wünsche mir einen wunderbar buschigen, kräftigen Vollbart, sehr zum Leidwesen von P, die Bärte grundsätzlich eher entbehrlich findet.

Und natürlich soll er am besten in den ersten vier Wochen wachsen, ist klar. Dass die Realität so nicht aussieht, hätte ich mir eigentlich denken können. Die renitente Nicht-Überschneidung von Realität und Wunschdenken weist die Ungeduld nun nicht wirklich in Schranken. Erkenntnis: Haare kommen und gehen auch (unglaublicherweise) nach ihren ganz eigenen Regeln. Es scheint, als kämen bestimmte Körperbereiche völlig unzusammenhängend in den Genuss der Spätfollikelbildung. Die Zehenrücken zum Beispiel. Oder der Bauch. Oder unter (!!) den Augen. Wer bitte braucht Haare UNTER den Augen? Welchen evolutionären Zweck erfüllen sie? Fliegenfänger? Und warum wachsen bestimmte Haare in bestimmten Wochen groß und lang und verstecken sind dann bis zu zwei Rasurlängen (derzeit 1-2 Wochen) wieder?

Und dann sind da die verschiedenen Seiten. Die linke Körperhälfte scheint generell haaraffiner zu sein, als die rechte. Oder liegt es vielleicht daran, dass ich mir als Rechtshänder alle schüchtern sprießenden Männlichkeitsmarker sofort wieder mit dem Mausarm wegrubbele? Wie dem auch sei. Wäre da nicht die aktuelle politische Situation in Deutschland, würde ich mich vermutlich entspannt zurücklehnen, etwas später aufsatteln und in den rosa-hellblauen Sonnenuntergang reiten.

Aber gewisse rechtsradikale und mir unverständlicherweise immer noch über das Deckmäntelchen einer Partei verfügende Kräfte in diesem Land schaffen es derzeit, mit menschenverachtenden Wahlprogrammen, die an Lebensborn, gelben Davidsstern und schlicht und ergreifend an 1933 erinnern, Menschen hinter sich zu scharen, deren erste und vermutlich einzige Gemeinsamkeiten Verunsicherung, Unzufriedenheit und ein gleichsam kindlicher Trotz sind. Keiner dieser Protestwähler scheint das Programm der Partei, der sie erschreckend blind folgen, genauer in Augenschein genommen zu haben (wie redundant). Und keiner von ihnen scheint Menschen in seinem Umfeld zu haben, die zu den von der „Partei“ als zu verfolgend oder abzulehnend eingestuften Minderheiten gehören.

Und es geht noch weiter. Es gibt ja tatsächlich sogar homosexuelle und transidente Schafe in den eigenen Reihen. Dazu schrieb neulich jemand sehr trefflich: „Als Homosexueller in der AfD zu sein ist wie eine Kuh, die Mitglied im Metzgerverband ist“. Richtig. Wie kann man so unglaublich dumm sein, die Zusammenhänge nicht zu erkennen? Die Parallelen zu 1933? Wie kann man die unverhohlene Ankunft von rassistisch-faschistischem Gedankengut in der Mitte des Bürgertums nur mit Schulterzucken hinnehmen, wie die meisten es zu tun scheinen?

Tja. Und was hat das alles mit den oben eingeführten Haaren zu tun? Naja, aufgrund dieser Situation muss ich mich mit gefühlt doppelter Notwendigkeit mitten in der Transition gleich ebenso doppelt dringlich entscheiden, wie ich in Zukunft von Menschen wahrgenommen werden möchte. Will ich mich schützen angesichts der kälter und dunkler werdenden Zeiten und „undercover“ leben? Oder werde ich gerade jetzt laut?

Haarig. Ich entscheide mich für Letzteres. Ich will kein Opfer sein. Oute mich beim Briefträger, bei der Verkäuferin bei Rewe an der Kasse, bei meiner Bank, bei den mir persönlich unbekannten aber trotzdem lieb gewonnenen Nachbarn. Noch nie war es meines Erachtens wichtiger, Farbe zu bekennen. Mit Menschen zu sprechen. Ihnen ein Gesicht zum viel zitierten „Genderwahn“ zu geben. Ängste zu nehmen, Verständnis zu schaffen. Ihnen zu zeigen, wer ich bin. Und dass sie mit einer Stimme für diese Partei nicht nur gegen mich, sondern auch gegen ihre eigene Zukunft stimmen.

—–

This expression is presently stuck on my mind like all those zits to my … never mind.

Hair. Looked at from the outside, those little threads of goodness are one of the most desired effects of taking T. I can’t wait to have a wonderful, full beard. Which kinda bugs P., because she thinks they are extremely overrated (and scratchy).

Of course this wonderful proof of manhood would be much appreciated for arriving rather sooner than later. Sadly, reality begs to differ. This persistent act of reality not meeting my impatient wishes does not sit well with me. I get up every morning wishing for another reflection to greet me in the mirror. The painful truth is: Hair comes (and also goes) according to its own terms. It seems that the areas of my body are prone to late folicle blooming to different degrees. There are overachievers. Like the back of my toes for instance. Or my stomach. Or that very small patch under (!!!) my eyes. Who really needs hair UNDER their eyes? What’s the evolutionary use in that? Fly catching? And why, please why, will certain hair grow big and strong one week only to shy away from sprouting after the next shave?

As long as we are talking about it, there are different sides to hair growth, too. The left half of my body seems to be more prone to growing hair than my right one. Or is that rather due to the fact that I am right-handed and every single hair (at least those on my right arm and hand) will be shredded by my using the keyboard and mouse of my computer? Be that as it may, if there weren’t things happening in the world around me, I would probably just lean back, chew on a piece of grass and saddle up to ride into the self-absorbed pink-blue evening sky.

But the present change in politics in Germany and the rise of a right-wing „party“ that are gaining an unbelievable amount of ground in local elections lately with a party program bearing strong resemblance to the early ideas of the NSDAP, from planning to register homosexuals to requiring every woman to bear at least three children (to save the Germans, of course), is leaving a foul aftertaste in my mouth. People from all walks of life are being drawn to these demagogues, their sole common denominator being a feeling of insecurity, discontentedness with present politics and a childish sense of defiance. Sound familiar? Yep, Trump supporters fit that description, too. Or UKIP in Great Britain. It seems, no one of these protest voters have really read the party program they are subscribing to. And none of them seems to mind to pick on minorities to make themselves feel better.

And it doesn’t stop there. There even are homosexual and transgender supporters falling for the islamophobe and xenophobe bullshit handed out by the AfD. As someone pointed out very clearly a couple of days ago: „Being a homosexual member of the AfD is like a cow joining the butchers‘ union“. Exactly. How can anyone be so dumb to not connect the dots and see frightening parallels to the early 1930s? How can behavior and plans like that fall on fertile ground in the middle of our society?

And what exactly connects hair growth to the AfD? Under these circumstances I feel an even greater need to decide how I want to connect to my surroundings in the future. Will I feel the need to protect myself and go live „stealth“? Or is it time to speak up?

Hairy indeed. I decided on the latter. I don’t want to be a victim. I will talk to the mail man, the cashier at the supermarket, to my accountant, to my banker. I will speak to the neighbors I have come to like but don’t really know. Never has it been more important to show one’s true colors. To speak to people, to interact. To give them a face to attach to the  „gender craze“. To lessen their fears, create understanding. To show them, who I am. And to tell them that by voting for these asses they are giving political leverage to a party that stands against everything I am.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.